Gerechtigkeit

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„Die Gerechtigkeit“

 

Gerechtigkeit

 

Machen wir ein Gedankenexperiment!:

Stellt euch vor, ihr seid Familienvater oder -mutter, ihr habt 2 Kinder und ihr habt ein kleines Einkommen. Eines eurer Kinder ist plötzlich schwer krank und ihr braucht dringend einen Arzt.

Jetzt überlegt euch folgende Frage: Welcher Arzt ist in dieser Situation der schlechteste?

Überraschende Antwort: Der, der nicht da ist, weil er woanders besser gezahlt wird.

Es gibt neben anderen Definitionen und Betrachtungsweisen 2 grundlegende Gerechtigkeitsbegriffe: Soziale Gerechtigkeit und Leistungsgerechtigkeit.

Soziale Gerechtigkeit bedeutet, dass alle gleich viel haben sollten, Güter sollten also gerecht bzw. gleichförmig verteilt werden. Die Menschen können ja nichts dafür, dass sie unterschiedlich geboren werden bzw. die einen krank werden und die anderen gesund bleiben. Daher sind aus diesem Blickwinkel alle Unterschiede als sozial ungerecht zu betrachten.

Leistungsgerechtigkeit bedeutet, dass wer mehr leistet auch mehr bekommen soll. Ich persönlich teile diese Gerechtigkeit in 2 Varianten auf:

Quantitative Leistungsgerechtigkeit heißt für mich, dass wer länger arbeitet auch mehr bekommt. Wenn jemand 8 Stunden arbeitet kriegt er normalerweise doppelt so viel wie jemand, der 4 Stunden arbeitet.

Qualitative Leistungsgerechtigkeit bedeutet, dass mehr bekommt, wer eine höher qualifizierte Arbeit leistet, d.h. wer z.B. eine längere oder schwierigere Ausbildung hinter sich hat oder z.B. mehr Erfahrung hat und daher besser ist oder wer z.B. mehr Verantwortung übernimmt.

Das Problem der beiden Gerechtigkeitsbegriffe: Beide werden weitgehend als gerecht empfunden, aber sie widersprechen sich grundlegend. Soziale Gerechtigkeit bedeutet Gleichverteilung, Leistungsgerechtigkeit hingegen ungleiche Verteilung, also:

Soziale Gerechtigkeit ist leistungsungerecht.

Leistungsgerechtigkeit ist sozial ungerecht.

Das hat 2 wichtige Konsequenzen:

  • Eine gerechte Gesellschaft kann nur durch einen Kompromiss beider Gerechtigkeitsbegriffe erreicht werden.
  • Menschen unterschiedlicher sozialer Stellung oder politischer bzw. moralischer Grundeinstellung werden diesen Kompromiss mehr oder weniger kritisch betrachten. Es ist logisch, dass Leistungsträger oder leistungsorientierte Menschen die Leistungsgerechtigkeit im Vordergrund sehen, während sozial eingestellte Menschen bzw. sozial Schwächere die soziale Gerechtigkeit betonen. Die Motivation ist dabei einerseits moralisch andererseits interessenspolitisch manchmal beides.

Ich persönlich sehe beide Gerechtigkeitsbegriffe gleichwertig, daher bezeichne ich mich auch gerne als Leistungssozialist.

Doch damit sind wir nicht am Ende, die wirklichen Probleme beginnen jetzt erst. Können wir uns aussuchen, ob wir eine sozial gerechte oder leistungsgerechte Gesellschaft haben wollen? Nehmen wir eine absolut sozial gerechte Gesellschaft so wie sie sich Sozialisten vorstellen. Alles ist gleichverteilt, alle haben gleich viel.

Eine derartige Gesellschaft ist nicht nur leistungsungerecht sondern auch leistungsfeindlich. Da Leistung nicht mehr honoriert wird, gibt es keinen Leistungsanreiz mehr. Solche Gesellschaften verlieren weitgehend ihre wirtschaftliche Funktionsfähigkeit, was für alle Beteiligten negativ ist. Sozial Schwache sind in einer solchen Gesellschaft oft schlechter dran als in einer sozial ungerechteren Gesellschaft mit Leistungsanreizen.

Jetzt sind wir beim Gedankenexperiment vom Anfang des Artikels. Wenn der hochqualifizierte Arzt nach langer Ausbildung gleich viel verdient wie alle anderen und ihm in einem sozial ungerechten System mehr angeboten wird, dann wird er gehen. Das Ergebnis ist der fehlende Arzt. Für die sozial schwache Familie ist dieser Zustand der sozialen Gerechtigkeit der größtmögliche Schaden, weil das Kind keinen Arzt bekommt.

Passiert ist das z.B am Ende der DDR. Den ostdeutschen Krankenhäusern sind scharenweise Ärzte und anderes medizinisches Personal davongelaufen, weil die gewusst haben, dass sie sich im bösen Kapitalismus verbessern. Jeder der kann und der was kann geht.

Die Leistungsineffizienz ist ein grundsätzliches Problem aller absolut sozial gerechten Systeme. Die nicht funktionierende Wirtschaft führt zu Armut und Korruption.

Der Sozialismus verteilt nicht den Wohlstand, sondern die Armut.

Es gibt so ein ähnliches Zitat von Winston Churchhill.

Wenn also der Arzt besser verdient als die Familie und er deswegen bleibt, ist das für die Familie ein Segen, vorausgesetzt das Ganze ist so organisiert, dass sich die Familie den Arzt auch leisten kann.

Der Leistungsanreiz führt dazu, dass sich Menschen anstrengen und die daraus resultierenden Leistungen kommen anderen und zwar auch den sozial Schwachen zu Gute. Dies führt zu einer weiteren grundsätzlichen Überlegung.

Unterschiede in Einkommen und Besitz sind sinnvoll und sozial gerechtfertigt, wenn die Leistungen, die diese Menschen für andere vollbringen, größer sind als der Wohlstandsunterschied.

Solange dieses Prinzip gewährleistet ist, profitieren sozial Schwache von sozialer Ungerechtigkeit also von leistungsbedingten Wohlstandsunterschieden. Wohlstand ist daher nur dann moralisch verwerflich, wenn es zum Schaden anderer ist, oder wie schon Gottvater Kreisky meinte: „Einkommen und Vermögen sind keine Schande, höchstens die Art, wie sie zustande kommen.“

Niemand hat etwas von einer Gerechtigkeit, die nicht funktioniert und daher zum Schaden aller ist. (Dazu passt auch mein Artikel über die österreichische Zweiklassenmedizin: https://mittiweb.wordpress.com/2017/05/22/die-oesterreichische-zweiklassenmedizin-oder-wirtschaft-fuer-dummies/). Da Leistungsgerechtigkeit ein System effektiver macht, ist sie nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit sondern eine ökonomische Notwendigkeit.

Jetzt müsste man meinen, eine reine Leistungsgesellschaft sei sozial ideal, weit gefehlt, machen wir ein Gedankenexperiment:

Stellt euch vor, ihr seid Familienvater oder -mutter, ihr habt 2 Kinder und ihr habt ein kleines Einkommen. Eines eurer Kinder ist plötzlich schwer krank und ihr braucht dringend einen Arzt.

Jetzt überlegt euch folgende Frage: Wie viel oder wenig würdest Du einem Arzt zahlen, damit er dein Kind rettet?

Selbstverständliche Antwort: Alles, was möglich ist.

Das Beispiel zeigt mehrere grundlegende Probleme:

  • Während es für die quantitative Leistungsgerechtigkeit wie oben geschildert einen sehr einfachen Maßstab gibt (doppelte Arbeitszeit oder doppelte Leistung ergibt doppeltes Gehalt oder Einkommen), existiert für die qualitative Leistungsgerechtigkeit ein solcher Maßstab nicht. Würde man die Wichtigkeit einer Leistung zum alleinigen Maßstab machen, so würde dies sozial schwache Menschen in völlige Abhängigkeit bringen. Am besten beschreibt dies das Zitat eines mir bekannten Arztes: „Ein Schmerzpatient zahlt Dir jeden Preis, wenn Du ihn nur von den Schmerzen befreist.“ Reine Leistungsgerechtigkeit macht die einen reich und mächtig und die anderen arm und abhängig.
  • Aus diesem Grund gibt es in demokratischen Gesellschaften unterschiedliche Formen der Leistungsbeurteilung durch die praktikable Einkommensunterschiede bei unterschiedlichen Leistungen definiert werden. Ein Beispiel sind Gehaltsstufen in öffentlichen Krankenhäusern. Leider sind solche Systeme oft sehr bürokratisch und starr.
  • Ein reines Leistungssystem ist die freie Marktwirtschaft. Die Leistungsbeurteilung erfolgt hier über den Marktmechanismus also Angebot und Nachfrage. Die bürokratische Starrheit fehlt diesem System, es ist flexibel, innovativ und extrem leistungsfördernd. Sozial Schwache bleiben aber völlig auf der Strecke, wer nicht leistungsfähig ist, bekommt gar nichts, was bedeutet, dass die Existenzsicherung nicht mehr gewährleistet ist.
  • Die resultierenden sozialen Missstände führen zu schlechter Bildung, Krankheit, Kriminalität etc. Es ist bezeichnend, dass die USA, also der Staat mit der größten ökonomischen Freiheit, das schlechteste Gesundheitssystem aller Industriestaaten mit der niedrigsten Lebenserwartung haben.
  • Zudem hat die reine Marktwirtschaft die unangenehme Eigenschaft der Akkumulation (siehe dazu Art. 44, Der Kapitaleffekt: https://mittiweb.wordpress.com/2018/05/20/44-der-kapitaleffekt/), was bedeutet, dass gerade Wohlhabende einen großen Teil ihres Einkommens über Kapitalgewinne also leistungsfrei erhalten und Besitz und Eigentum immer ungleicher verteilt werden. Dies erfüllt den Anspruch der Leistungsgerechtigkeit weder moralisch noch hat es einen praktischen Nutzen.
  • Die geschilderten Probleme führen zu einer Gesellschaft, die trotz Leistungssystem nicht optimal funktioniert und von der auch Leistungsträger nicht mehr profitieren. Was nützt der Reichtum, wenn man sein Haus hinter Stacheldraht verschanzen muss und man beim Spazieren gehen jederzeit mit Überfällen rechnen muss. Mit Lebensqualität hat das nichts zu tun.

Reine Leistungssysteme sind weder leistungsgerecht noch funktionell, sie scheitern an ihrer sozialen Ineffektivität. Niemand hat etwas von einem (reinen) Leistungssystem, das nicht funktioniert und daher zum Schaden aller ist. Soziale Gerechtigkeit ist daher nicht nur eine Gerechtigkeitsfrage sondern eine politische Notwendigkeit.

Der Punkt auf den ich hinaus will ist folgender:

Gerechtigkeit ist in der sozialdemokratischen Realpolitik kein idealistischer sondern ein praktischer Begriff. Es geht nicht nur darum leistungs- oder sozial gerecht zu sein, sondern vor allem darum, dies so zu organisieren, dass es in der Realität möglichst gut funktioniert. Einseitige Betrachtungsweisen führen zumeist nicht zum Ziel.

Absolute Gerechtigkeit gibt es nicht nur nicht, jeder Versuch sie herzustellen scheitert an der mangelnden Umsetzbarkeit. Das Ziel ist daher etwas, was ich als effektive Gerechtigkeit bezeichne, also einen Zustand der unter verschiedenen Gesichtspunkten als einigermaßen gerecht empfunden werden kann, und der so organisiert ist, dass das System ökonomisch funktioniert, was bedeutet, dass möglichst alle Menschen davon auch tatsächlich etwas haben nämlich möglichst hohe Lebensqualität. In vielen Fällen ist das der funktionierende Mittelweg.

Ein Beispiel, wie ich mir das vorstelle ist die Erbschaft.

Eltern wollen für ihre Kinder das Beste, normalerweise. Sie arbeiten, um ihren Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen und wenn sie sterben wollen sie, dass ihr Eigentum auf ihre Kinder übergeht.

Da Eltern unterschiedlich leistungsfähig sind, profitieren davon nicht alle Kinder, sondern nur die Kinder reicher Eltern. Aus Sicht der Eltern ist das leistungsgerecht, warum sollte jemand vererben können, der sein Lebtag nichts geleistet hat. Aus Sicht der Kinder schaut das anders aus. Da die Kinder keinerlei Leistung erbracht haben, hat das nichts mit Leistungsgerechtigkeit zu tun. Es ist sozial ungerecht, mit welchem Recht kriegt das eine Kind etwas und das andere nichts.

Die Erbschaft ist der Moment, in dem die Leistungsgerechtigkeit der Eltern in die soziale Ungerechtigkeit der Kinder übergeht.

Das Erben bzw. die Leistungsgerechtigkeit der Eltern hat 2 weitere Schattenseiten. Dadurch, dass Erben Reichtum generationsübergreifend erhält, wird der ober erwähnte Kapitaleffekt verstärkt, die marktwirtschaftlich bedingte soziale Ungleichheit wird verstärkt. Es entsteht eine Art Geldadel, der reich ist und reich bleibt und zwar ohne arbeiten zu müssen. Aus Sicht der Kinder sind diese Unterschiede zudem leistungsungerecht, da keine Chancengleichheit besteht. Es gibt einen bezeichnenden Spruch, den ich inzwischen des Öfteren gehört habe: „Reich wird man nicht durch arbeiten sondern durch erben oder heiraten.“ Geschickte Frauen aber zum Teil auch Männer haben das zweite zum Geschäftsmodell gemacht.

Würde man das Erben verbieten, weil sozial ungerecht, hätte das zahlreiche negative Konsequenzen. Den Eltern würde der Leistungsanreiz genommen. Warum soll ich mich anstrengen, wenn meine Kinder nichts davon haben? Und eine ganze Gesellschaft würde damit beginnen dieses Verbot wo immer möglich zu umgehen. Das illegale Erben würde zum Standard (Das Phänomen habe ich bereits beschrieben, Art. 68, Die begrenzte Legalisierung: https://mittiweb.wordpress.com/2019/02/08/68-es-war-einmal-in-amerika-und-das-prinzip-der-begrenzten-legalisierung/).

Die Lösung ist ein Mittelweg. Erben ja, aber mit Erbschaftssteuer, sodass es einen entsprechenden Ausgleich gibt. Die Steuer sollte so niedrig sein, dass die Illegalität keinen Sinn macht aber so hoch, dass es einen spürbaren Umverteilungseffekt gibt. Und sie muss praktikabel sein, also bürokratisch möglichst einfach und ökonomisch sinnvoll. Vererbtes Betriebsvermögen könnte man z.B. als Aufschlag zum Spitzensteuersatz versteuern, damit Betriebe nicht durch das Erben finanziell ruiniert werden.

Abschließend noch ein Wort zum Begriff der Chancengleichheit. Der Begriff ist aus sozialdemokratischer Sicht sehr gefährlich. Es ist nämlich ein reiner Leistungsbegriff! Chancengleichheit herrscht z.B. beim 100m-Lauf, wenn alle zum gleichen Zeitpunkt von der gleichen Startlinie weglaufen. Wenn die ersten 3 von 10 Startern das Preisgeld bekommen, führt dies automatisch zu sozialer Ungleichheit (7 bekommen nichts). Das Herstellen von Chancengleichheit führt daher zu Leistungsgerechtigkeit aber nicht zu sozialer Gerechtigkeit. Diese Überlegungen habe ich auch in dem am meisten gelesenen meiner Artikel über Frauenpolitik verwendet, Art.25: https://mittiweb.wordpress.com/2017/11/28/warum-frauen-weniger-wert-sind-als-maenner-und-warum-ich-gegen-gleiche-loehne-fuer-maenner-und-frauen-bin/)

Der langen Rede kurzer Sinn:

Eine sozialdemokratische Gesellschaft sollte nicht gerecht sein, sondern sie sollte möglichst gerecht funktionieren und das ist nicht das gleiche!!

Freundschaft

Peter

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68. Es war einmal in Amerika und Das Prinzip der begrenzten Legalisierung

Amerika

Das Cover der Schallplatte mit der Musik von Ennio Morricone zum gleichnamigen Film von Sergio Leone. Genial!

Es war einmal in Amerika

und

Das Prinzip der begrenzten Legalisierung

Es war einer der prägenden Filme meines Lebens. In gewaltigen Bildern und verziert mit der Musik von Ennio Morricone erzählte der Regisseur Sergio Leone die Geschichte einer Jugendgang im New York Anfang des 20 Jhr. vom Beginn bis zu ihrem traurigen Ende. Eine Geschichte voller Freundschaft, Liebe, Kriminalität und schlussendlich Hinterlist und Verrat.

Die für mich politisch prägende Szene des Films war die „Beerdigung“. Die inzwischen erwachsene Gang war zu einer kriminellen Bande geworden, die im Alkoholgeschäft schmutzige Aufgaben erledigte. Das Geschäftsmodell hatte ein jähes Ende, das Ende der Prohibition, der Zeit des Alkoholverbotes in den USA. Zur Aufhebung der Prohibition wurde ein Abschiedsfest gefeiert auf dem die Prohibition mit einem Sarg symbolisch zu Grabe getragen wurde.

Ich habe in diesem Film eines gelernt. Die einzigen, die von der Prohibition profitiert haben, war die Mafia sonst niemand. Gesoffen wurde in der Zeit des Verbotes genauso wie vorher nur ohne jegliche funktionierende Kontrolle. Große Teile der Unterhaltungsindustrie wanderten in den Untergrund. Jeder (auch jedes Kind) konnte 24h am Tag Alkohol kaufen und der ganze Umsatz wanderte in die Taschen der organisierten Kriminalität, die zu dieser Zeit eine ihrer Hochblüten erlebte, glorreiche Namen wie Al Capone zeugen davon.

Das war schlussendlich auch der Grund für die Aufhebung der Prohibition. Die Politiker haben erkannt, dass wenn schon gesoffen wird, dass es besser ist, man zahlt mit den Steuern Kindergärten als Mafiosi.

Etwa 60 Jahre später bin ich in Boulder Colorado mit einem Freund in einen Liquorshop gegangen. Wir organisierten ein Fest, wobei er die Lebensmittel, ich die Getränke finanzierte, so der Deal. Ich hatte aber vergessen meinen Ausweis mitzunehmen, worauf mein Freund die alkoholischen Getränke aus dem Regal nehmen, bezahlen und aus dem Geschäft tragen musste. Ich habe ihm die Türe aufgehalten und dem Verkäufer gesagt: „I like your laws“. Zur Zeit der Prohibition wäre das einfacher gegangen. Das Beispiel zeigt, wie man durch die kontrollierbare Legalisierung einer Sache den Zugang erschweren kann, während ein nicht funktionierendes Verbot praktisch einer völligen Freigabe gleichkommt.

Natürlich klappt das auch in den USA nicht 100%ig, ich bin beispielsweise in Denver Colorado mit 15 von einer Truppe Jugendlicher in die Berge mitgenommen worden. Die sind mit ein paar Pick-ups in einen Wald gefahren, dort hat man sich zwischen die Bäume gesetzt, einziger Tagesordnungspunkt, Bier saufen, das einer besorgt und auf der Ladefläche eines Wagen mitgenommen hatte. Die Amerikaner sind doch sehr naturverbunden, besonders die Jugendlichen!

Die Beispiele sind typisch für die Situation der Drogenpolitik oder auch der Prostitution in Österreich, insbesondere in Vorarlberg. Ein Joint war für mich in meiner Studentenzeit ungefähr so normal wie eine Tafel Milka Vollnuss und das obwohl ich selber kein Haschisch geraucht habe. Ich habe es zwar probiert, habe aber sehr schnell erkannt, dass ich überempfindlich bin und wie bei anderen Medikamenten oder auch zu viel Kaffee ein bestimmtes Nebenwirkungssyndrom bekomme. In einem Selbstversuch in kontrollierender Anwesenheit einiger Freunde (Studenten der naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Innsbruck) ist das Syndrom selbst bei geringer Dosierung (1 Zug) sofort für alle erkennbar aufgetreten, wonach ich von diesen Freunden Haschischverbot bekommen habe: „Du kriegst nix mehr!“. Ich bin so empfindlich, dass ich die Wirkung sogar spüre, wenn ich mitrauche, was ich dann oft ungeplant gemacht habe, weil ich beim Mitrauchen nur die positive Wirkung spüre.

Haschisch war allgegenwärtig, es war und ist quasi-legal, weil sich praktisch niemand an das Verbot hält. Auch der private Anbau ist weit verbreitet, da sehr einfach. Ich kenne Leute, die in einem Haus ein Dachzimmer in eine Haschischplantage verwandelt haben, die Hanfpflanzen wachsen dort 3 Meter hoch bis an die Decke. Und im Herbst gibt’s Erntedankfest, Erntedankfest ist superlustig!!

Das Haschischverbot ist ein völliges Desaster. Kein Schwanz hält sich daran. Die Polizei hat keinerlei Handhabe, da ein großer Teil der Bevölkerung sowieso für die Legalisierung ist. Das medizinisch eigentlich sinnvolle Verbot hat eher negative gesundheitspolitische Auswirkungen, da ein illegaler Joint auf Grund des fehlenden Konsumentenschutzes eher gefährlicher ist als ein legaler. Und den Jugendschutz gibt es praktisch nicht. In Vlbg kann sich jedes 14-jährige Mädchen, wenn es will, so oft und so viel Haschisch kaufen wie es will, es braucht nur eines, Geld! Genauso wie es beim Alkohol früher in Amerika war.

Und dieses Geld landet nicht beim Finanzlandesrat, sondern in der Kriminalität, die dadurch auch noch subventioniert wird. Als Draufgabe wird ein großer Teil der Bevölkerung, meines Wissens zwischen 30% und 50% durch das Gesetz auch noch kriminalisiert. Das nenne ich eine erfolgreiche Drogenpolitik, bravo!

Eine ähnliche Situation gibt es in Vlbg bei der Prostitution. Obwohl sie verboten ist, gibt es in Vlbg ca. 400 Prostituierte. Beide Bereiche laufen unter der Oberfläche ab, die einen wollen es nicht sehen, die anderen passen auf, dass man es nicht sieht, jedenfalls nicht, wenn man ein bisschen wegschaut. Nach außen den schönen Garten und das gebügelte Hemd zeigen und den Mist unter den Teppich kehren und nicht darüber reden, typisch Vlbg.

Die Beobachtungen haben bei mir zu einem einfachen realpolitischen Grundprinzip geführt:

Es macht keinen Sinn, etwas zu verbieten, womit man (viel) Geld verdienen kann, wenn man es nicht verhindern kann.

Man macht die Sache dadurch nur noch schlimmer. Das nicht funktionierende Verbot bedeutet praktisch eine völlige Freigabe mit fehlender Kontrolle und fehlendem Jugendschutz sowie Subventionierung der Kriminalität.

Was ist zu tun?

Zuerst eine kleine Zusammenfassung der Ausgangslage:

Haschisch ist gesundheitsschädlich. Es ist zwar kein schweres Suchtgift wie z.B. Alkohol oder Heroin, d,h, es verursacht keine körperliche Abhängigkeit. Aber es wird geraucht, verursacht Rauschzustände und kann Psychosen auslösen. Ein Verbot wäre daher gesundheitspolitisch erstrebenswert.

Auf Grund der niedrigen akuten Giftigkeit (keine akuten Todesfälle) und der fehlenden körperlichen Abhängigkeit ist Haschisch relativ leicht und sicher zu konsumieren und wird daher von vielen als relativ normales Konsummittel gebraucht.

Haschisch ist sehr leicht herzustellen, kann jeder, der eine Topfpflanze pflegen kann.

Haschisch ist sehr weit verbreitet, etwa 30 – 50% der Bevölkerung.

Ein etwa ebenso großer Teil der Bevölkerung lehnt Haschisch ab und möchte damit nichts zu tun haben, gilt eigenartigerweise sogar für Leute, die Alkohol und damit ein wesentlich gefährlicheres und schwereres Suchtmittel konsumieren.

Das Verbot von Haschisch funktioniert nicht. Der einzige Bereich, wo das Verbot einigermaßen klappt, ist der öffentliche Bereich, der leichter zu kontrollieren ist.

Ähnliches könnte man auch z.B. über das Thema Prostitution zusammenfassen.

Was ich nicht will, ist eine völlige Freigabe, auf zugekiffte Jugendliche in den Bregenzer Seeanlagen oder Straßenstrich an der Betonstraße mit Bandenkriegen kann ich verzichten. Das ist vielleicht die einzig positive Wirkung des jetzigen Verbotes, dass durch die Illegalität das Ganze im Verborgenen abläuft und man damit nicht behelligt wird, wenn man nicht will.

Die Situation hat bei mir zur Idee der begrenzten Legalisierung geführt. Begrenzte Legalisierung bedeutet Verbot in den Bereichen, in denen das Verbot durchsetzbar ist, also insbesondere im öffentlichen Raum (Behörden, Schulen, Arbeitsplatz, Straßenverkehr etc.). Gleichzeitig Legalisierung unter größtmöglicher staatlicher Kontrolle in den schwer kontrollierbaren Bereichen also insbesondere im Privatbereich. Anbau und Vertrieb sollten im eigenen Land erfolgen, somit entzieht man der Kriminalität die finanziellen Mittel. Der Preis sollte über Steuern hoch gehalten werden, um den Konsum möglichst stark zu begrenzen.

Ein großer Vorteil wäre der zumindest einigermaßen funktionierende Jugendschutz. Der Schmäh daran ist folgender: Die illegalen Händler verlieren ihr Geschäft, es gibt sie nicht mehr. Die legalen Händler halten sich an die Gesetze, da sie sonst ihre Konzession verlieren. Dadurch führt die Legalisierung zu besserem Jugendschutz

Im Prinzip wäre es nichts anderes als eine Legalisierung des Istzustandes aber in kontrollierter Form und nicht wie jetzt unter völligem Kontrollverlust. Die Steuereinnahmen könnte man zum Teil in die Behörden (Polizei) stecken, um die Einhaltung der Bestimmungen zu garantieren. Die jetzigen Bestimmungen für Alkohol und Zigaretten kommen der begrenzten Legalisierung relativ nahe, wobei ich mir hier Verschärfungen wo möglich (z.B. Rauchverbot in Lokalen, höhere Steuern auf Alkohol) wünschen würde, um den Konsum weiter einzuschränken.

Die beschränkte Legalisierung ist ein Konzept, das man in vielen Bereichen anwenden könnte, in denen man etwas nicht will, es aber nicht verhindern kann. Die Sache beschränken, so weit es geht und dort kontrolliert ablaufen lassen, wo das Verbot nicht funktioniert, um Jugendschutz und Konsumentenschutz zu gewährleisten und der Kriminalität die Finanzen zu entziehen.

Man könnte das Prinzip auch bei Kokain und Amphetaminen anwenden, das sind derzeit meines Wissens 2 Haupteinnahmequellen der italienischen und russischen Mafia, die sich auch hierzulande immer weiter ausbreitet.

Und es wäre ein Stück politische Ehrlichkeit, jedenfalls ehrlicher, als einfach alles unter den Teppich des Schweigens zu kehren.

Freundschaft

Peter

Simbabwe, 2018

67. Wie ein Baum, den man fällt und Die Ohnmacht der Schwachen

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Wie ein Baum, den man fällt

und

Die Ohnmacht der Schwachen

Ich habe etwa mit 15 mitbekommen, wie man in Vlbg stirbt. Ich war ziemlich schockiert. So will ich nicht sterben! Das hat unmittelbar zu einer ganz bestimmten Vorstellung von meinem eigenen Tod geführt. Ein Sonnenuntergang am Pfänderhang mit Blick auf den Bodensee, eine Flasche Whiskey und eine Kanone. Das seltsame daran ist, dass ich eigentlich gar keinen Whiskey mag.

Diese Vorstellung von meinem Tod habe ich bis heute. Mein späteres Medizinstudium hat diese Vorstellung sogar noch bestätigt. Ich bin kein Palliativmediziner oder Geriater (Ärzte für unheilbar kranke oder alte Menschen). Trotzdem habe ich zu viele Menschen leiden sehen, als das ich das für mich oder die Meinen akzeptieren könnte.

Das Schlimmste an der Sache ist die völlige Entmündigung. Du bist alt oder krank und schwach und hast kein Verfügungsrecht mehr über dich selber. So lange man bei Kräften ist, kann man sich jederzeit umbringen, man könnte wenn man wollte. Sobald du aber hilflos bist, bist Du ausgeliefert. Meine schlimmste Horrorvorstellung ist eine liebenswürdige katholische Krankenschwester, von der ich mit Inbrunst und Hingabe zu Tode gepflegt werde, mit der Konsequenz, als christlicher Märtyrer des Leidens bei lebendigem Leibe verfaulen zu dürfen.

Ich empfinde es als eine geradezu widerwärtige Respektlosigkeit alten und sterbenden Menschen gegenüber, ihnen einen bestimmten Tod aufzuzwingen. Sterben muss immer der, der stirbt und nicht die anderen. Es ist daher für mich eine Selbstverständlichkeit, den Willen das alten oder kranken Menschen zu respektieren. Und für einen Arzt sollte es Ehre und Pflicht sein, denen, die sich nicht mehr selbst helfen können, den letzten Menschendienst zu erweisen.

Es ist typisch, dass Moral immer von denen ausgebadet werden muss, die sich dagegen nicht wehren können. Das sind oft Kinder, Frauen, Minderheiten und die Alten und Kranken. Die Verweigerung der Sterbehilfe ist für mich daher nichts anderes als die Ohnmacht der Schwachen, die von den Starken dazu missbraucht wird, denen, die wehrlos sind, ihre Moral aufzuzwingen. Ich finde das zutiefst verabscheuenswürdig.

Es gibt ein Lied von Reinhard Mey (Deutscher Liedermacher) mit dem Titel: „Wie ein Baum, den man fällt“ ,darin die Zeile: „Ich möcht im Stehen sterben“. Das ist mein Motto für mein Lebensende. Ich will sterben solange ich noch stehen kann und zwar durch eigene Hand.

Das Problem dabei ist, dass man es nicht in der Hand hat, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Macht man es zu früh nimmt man sich Lebenszeit. Verpasst man den Zeitpunkt, läuft man Gefahr, in die Klauen der Sterbemoralapostel zu geraten. Und da es sehr schnell und unverhofft passieren kann, das Wort Schlaganfall bezeichnet es treffend, weiß man oft erst hinterher, welches der richtige Zeitpunkt gewesen wäre. Man ist in so einem Fall auf die Hilfe anderer angewiesen.

Ich bin daher ein uneingeschränkter Befürworter der aktiven und passiven Sterbehilfe.

Ich möchte, dass jeder Mensch in diesem Land das Recht hat, so zu sterben, wie er sterben will.

Ich habe eine Patientenverfügung. Darin steht, dass es meinen Angehörigen uneingeschränkt gestattet werden muss, mich in ein Land zu überführen, in dem Sterbehilfe erlaubt ist und dass ich mir jede Behinderung dieser Vorgangsweise verbitte. Und sollte es irgendjemand trotzdem tun, dann wünsche ich ihm von ganzem Herzen, es möge ihn der Blitz beim scheißen treffen.

Freundschaft

Peter

Simbabwe, 2018

Wie ein Baum, den man fällt (Reinhard Mey)

Wenn‘s wirklich gar nicht anders geht,
Wenn mein Schrein schon beim Schreiner steht,
Wenn der so hastig daran sägt, als käm‘s auf eine Stunde an,
Wenn jeder Vorwand, jede List,
Ihm zu entgeh‘n, vergebens ist,
Wenn ich, wie ich‘s auch dreh‘ und bieg‘, den eig‘nen Tod nicht schwänzen kann,
Sich meine Blätter herbstlich färben,
Wenn‘s also wirklich angeh‘n muß,
Hätt‘ ich noch einen Wunsch zum Schluß:
Ich möcht‘ im Stehen sterben.

Wie ein Baum, den man fällt,
Eine Ähre im Feld,
Möcht‘ ich im Stehen sterben.

Wenn ich dies Haus verlassen soll,
Fürcht‘ ich, geht das nicht würdevoll,
Ich habe viel zu gern gelebt,
Um demutsvoll bereitzusteh‘n.
Die Gnade, die ich mir erbitt‘,
Ich würd‘ gern jenen letzten Schritt,
Wenn ich ihn nun mal gehen muß,
Auf meinen eig‘nen Füßen geh‘n,
Eh‘ Gut und Böse um mich werben,
Eh‘ noch der große Streit ausbricht,
Ob Fegefeuer oder nicht,
Möcht‘ ich im Stehen sterben.

Wie ein Baum, den man fällt,
Eine Ähre im Feld,
Möcht‘ ich im Stehen sterben.

Ohne zu ahnen, welche Frist
Mir heute noch gegeben ist,
Ohne das Flüstern wohlvertrauter Stimmen vor der Zimmertür,
Ohne zu ahnen, was man raunt,
Zum Schluß nur unendlich erstaunt,
Wenn ich Freund Hein wie einen eis‘gen Luftzug um mich wehen spür‘.
Zum letzten Abgang, jenem herben,
Der mir so unsagbar schwerfällt,
Hätt‘ ich den leichtesten gewählt:
Ich möcht‘ im Stehen sterben.

Wie ein Baum, den man fällt,
Eine Ähre im Feld,
Möcht‘ ich im Stehen sterben.

http://www.youtube.com/watch?v=ETAacNqtE00

66. Über natürliche Auslese und Impfhysterie

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Über natürliche Auslese

und

Impfhysterie

Ich bin vehementer Impfbeführworter. Ich selber lasse mich auf fast alles impfen, was geht und rate es auch jedem in meiner Bekanntschaft. Der Grund ist einfach. Eine Impfung hat eine um ein vielfaches kleinere Komplikationsrate als die Krankheit gegen die man impft.

Das Problem besteht darin, dass durch die hohe Durchimpfungsquote die Krankheitskomplikationen nicht mehr gesehen werden, die Impfkomplikationen schon. So entsteht bei einfach gestrickten Gemütern, die Zusammenhänge nur schwer durchschauen können, der Eindruck, die Impfung sei gefährlicher als die Krankheit selbst, eine Art Impfhysterie hat sich entwickelt. Als Arzt habe ich da weniger Probleme, da ich die Krankheiten aus den Lehrbüchern kenne. Außerdem habe ich die Ergebnisse solcher Epidemien noch selber gesehen. Es hat in Tirol vor der Impfung in den 50er-Jahren mehrere Kinderlähmungsepidemien gegeben darunter in Innsbruck und in der Wildschönau. Ich habe Patienten gehabt, die diese Epidemien überlebt haben und denen deswegen Muskelgruppen gefehlt haben mit dementsprechenden körperlichen Behinderungen.

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Typisches Ergebnis der Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Als rationaler Mensch ist die Impfhysterie für mich schwer nachvollziehbar. Vor allem bedeutet geimpft sein Sicherheit, man muss sich einfach nicht mehr vor einer Krankheit fürchten. Ich amüsiere mich noch heute über einen Kollegen, der im Burgenland immer mitten auf der Straße gelaufen ist, weil er am Gehsteig Angst gehabt hat, aus den dort stehenden Bäumen von Zecken befallen zu werden. Wir Geimpften haben ihn vom Gehsteig aus beobachtet, das Gelächter war ihm sicher.

Ich bezeichne Situationen, in denen Leute ihre Kinder verlieren weil nicht geimpft als natürliche Auslese. An der Blödheit der eigenen Eltern gestorben, da ist die Natur gnadenlos. Dabei ist es für die Betroffenen bitter. Sein Kind zu verlieren und zu wissen, man hätte es durch eine einfache Impfung verhindern können, muss ein scheiß Gefühl sein!

Es drängt sich hier die politische Forderung der Impfpflicht auf. Erstens ist das gesundheitspolitisch sinnvoll, weil sich Krankheiten bei hoher Durchimpfungsquote nicht epedemieartig verbreiten können, zweitens muss man sich die Frage stellen, ob man Eltern das Recht geben darf, die Gesundheit ihrer Kinder vorsätzlich oder fahrlässig z.B. aus Blödheit oder Unwissenheit zu gefährden.

Und da komme ich jetzt zum eigentlichen Knackpunkt. Es gibt aus meiner Sicht nämlich ein überraschendes Argument, dass gegen die allgemeine Impfpflicht spricht.

Am besten erklärt sich das anhand eines Beispiels.

Nehmen wir die Masern. Die meisten Menschen, die Masern bekommen, also nicht geimpft sind, überstehen die Krankheit unbeschadet. Nur ein kleiner Teil kriegt Komplikationen und stirbt daran bzw. behält bleibende Schäden. Da diese Komplikationen bei der Impfung wesentlich seltener sind wird geimpft. War das immer so? Was ich meine ist, war es immer so, dass nur ein kleiner Teil ohne Impfung bei Masern Komplikationen bekommen hat. Höchstwahrscheinlich nein.

Die Krankheit war früher vermutlich viel schlimmer. Vermutlich sind viel mehr daran gestorben als heute. Der Grund ist die natürliche Auslese. Wenn von 100 Erkrankten 50 sterben und 50 überleben, dann pflanzen sich nur die Überlebenden fort und die geben ihre Resistenzgene gegen die Krankheit weiter. So werden Krankheiten, die anfänglich katastrophale Auswirkungen haben zu Krankheiten mit geringer Komplikationsrate. Es gibt aus der Gesundheitsgeschichte der Menschheit zahlreiche zum Teil drastische Beispiele für diesen Prozess. Beispielsweise sind die meisten Indianer nicht durch die weißen Einwanderer ermordet worden, sondern sind an für uns harmlosen grippalen Infekten gestorben, gegen die sie auf Grund mangelnder Auslese keine Abwehrmechanismen besessen haben.

Und da kommt der Pferdefuß der Impfpflicht. Mit der Impfung verhindert man nämlich nicht nur die Krankheitskomplikationen sondern man schaltet auch die natürliche Auslese aus. D.h. wir könnten in Zukunft für diese Krankheiten wieder anfälliger werden, da sich auch nicht resistente Personen fortpflanzen. Da sieht man auch einen Vorteil der Nicht-Impfung. Hat man 4 Kinder und eines stirbt an Masern weil alle nicht geimpft, dann weiß man, dass die anderen 3 resistent sind und damit in Zukunft bessere Chancen haben.

Die Frage ist, was bewirkt man wirklich mir der Impfung, nämlich langfristig? Verhindern wir die Krankheit, oder sorgen wir dafür, dass in Zukunft wieder mehr daran sterben bzw. dass wir von den Impfungen abhängig werden? Es könnte sein, dass langfristig ein gewisser Prozentsatz an nicht geimpften Personen für die Gesellschaft insgesamt sogar positiv ist, da man den Ausleseprozess nicht völlig ausschaltet. Die resistenten Nicht-geimpften würden dann ihre Resistenzgene an die anderen weitergeben, wovon langfristig alle profitieren würden.

Ich weiß nicht, ob diese Überlegungen zutreffend sind, aber ich finde kein Gegenargument. Meine Fragen an die Wissenschaft wären folgende: Stimmen diese Überlegungen, oder sind sie aus irgendeinem mir nicht bekanntem Grund falsch? Wenn sie stimmen, wie hoch muss der Prozentsatz an Geimpften bzw. an Nicht-geimpften sein, dass einerseits Epedemien verhindert werden und Komplikationen zahlenmäßig niedrig gehalten werden, gleichzeitig der Ausleseprozess ausreichend effektiv stattfindet? Das wären meines Erachtens interessante Fragen an die Infektionsmedizin. Und gesundheitspolitisch wären sie hochbrisant!

Freundschaft

Peter

Botswana, 2018

65. Irrtum Europa

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Irrtum Europa

Europa befindet sich in der Krise, das ist offensichtlich. Aber warum eigentlich? Es läuft doch bestens. Wohlstand höher als jemals zuvor, innereuropäisch weitgehend offene Grenzen, eine gemeinsame Währung, und seit Jahrzehnten innerhalb der EU keinen Krieg.

Die Situation wird am besten durch 2 sich widersprechende Tatsachen charakterisiert. Einerseits ist die Zustimmung zur EU in vielen Mitgliedsstaaten hoch, andererseits sind allerorten Parteien auf dem Vormarsch, die man als populistisch bzw. europafeindlich betrachtet, passt nicht zusammen. Man hat vereinfacht gesagt den Eindruck, die Leute wollen die EU, sind aber mit der jetzigen EU unzufrieden. Das passt auch zu meiner persönlichen Stimmungslage.

Wo liegen eigentlich die Probleme?

Da wäre zuallererst einmal das Vetorecht. In einer Organisation, die funktionieren soll, müssen Entscheidungen getroffen werden können. Wenn bei unterschiedlichen Interessen jeder alles blockieren kann, steht der Laden und es geht nichts mehr. Das wird von den Leuten zu Recht als unfähig oder entscheidungsschwach empfunden. Konsens ist ein gute Sache, es müssen im Streitfall aber auch Entscheidungen getroffen werden und zwar gegen den Willen einer Minderheit. Das ist in einer Demokratie halt nun einmal so.

Mangel an Demokratie. Mit welchem Recht macht eigentlich eine deutsche Bundeskanzlerin Europapolitik. Ist die vielleicht von den Österreichern, den Schweden, den Iren oder den Griechen gewählt worden? Definitiv nicht! Europapolitik sollte von Leuten gemacht werden die allen verpflichtet sind und nicht von Nationalpolitikern, die natürlich die Interessen der eigenen Nation im Auge behalten müssen. Europapolitik sollte von Europapolitikern gemacht werden und die sollten von allen gewählt werden und von einem gemeinsamen Parlament unterstützt bzw. kontrolliert werden.

Falsche Kompetenzen: Am besten zeigt sich das an der Grenzsicherung. In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum, in dem Reisefreiheit besteht, sind die Außengrenzen zwangsläufig gemeinsame Grenzen, an denen alle ein gemeinsames Interesse haben. Wieso soll z.B. ein Staat wie Griechenland die Aufgabe der gemeinsamen Grenzsicherung übernehmen. Das sollte Sache der EU sein, die ist meines Wissens dafür aber nicht ausreichend zuständig. Deswegen funktioniert das auch nicht richtig. Ähnliches gilt für die Landesverteidigung. Wozu braucht Österreich ein Heer, vielleicht um sich gegen eine Invasion aus Liechtenstein zur Wehr zu setzen? Auf der anderen Seite müssen sich die Europäer von der Nato verteidigen lassen, an der so fragwürdige Staaten, wie die Türkei beteiligt sind. Dafür kümmert man sich um Gurkenlänge und Bananenkrümmung, Unsinn!

Mangelnde gemeinsame Standards. Ein Beispiel ist die Finanzpolitik. Internationale Firmen suchen sich immer den steuerlich günstigsten Standort aus, logisch. Es gibt in Europa jetzt Staaten, die sich darauf spezialisiert haben von der Steuerhinterziehung in anderen Ländern zu profitieren. Man macht selber niedrigere Firmensteuern, lockt damit Firmen an, und die verschieben ihre Gewinne in diese Staaten, um so Steuern zu sparen. Staaten mit so einem Geschäftsmodell sind meines Wissens Irland, Luxenburg und Zypern. Von der Schweiz und Liechtenstein, die als Nicht-EU-Mitglieder seit Jahrzehnten auf internationale Steuerhinterziehung und Geldwäsche und damit auf internationale Kriminalität setzen ganz zu schweigen. In der Sozialpolitik gibt es meines Wissens ähliche Probleme. Eine Gemeinschaft braucht gemeinsame für alle faire Standards.

Wirtschaftsliberalismus. Diese aus meiner Sicht gescheiterte Ideologie sitzt immer noch in den Köpfen vieler Europäer. Die weitgehende Privatisierung und Internationalisierung der Wirtschaft führt zu einer Entmachtung lokaler und nationaler Bevölkerungen. Die bekommen die negativen Seiten dieser Ideologie zu spüren und können sich dann nicht dagegen wehren. Der neue Nationalismus in Europa ist die logische Konsequenz dieser Fehlentwicklung.

Migration. Einer der großen Irrtümer des Wirtschaftsliberalismus ist das freie Niederlassungsrecht. Es führt zur unbegrenzten innereuropäischen Migration mit dem Ergebnis, dass die wohlhabenden Staaten zunehmende Überbevölkerungsprobleme bekommen kombiniert mit Integrationsproblemen, weil in Europa über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg gewandert wird. Oft ist europäische Migration Sozialmigration, d.h. die wohlhabenden Staaten importieren sich die sozialen Probleme der anderen. Dieses Problem hat man sträflichst vernachlässigt. Der Brexit ist eine Konsequenz dieses Fehlers, die Briten waren davon am allermeisten betroffen. Und anstatt sich was besseres zu überlegen, hält man stur an falschen Prinzipien fest, armes Europa!

Sprache. In Europa werden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Eine der großartigsten Leistungen der USA war bei ihrer Gründung die Festsetzung einer gemeinsamen Amtssprache. Das haben die Europäer verabsäumt. Die Europäer und da meine ich jetzt die Bürger und nicht die Politiker können nicht miteinander reden, das ist ein riesen Problem. So lange wir uns nicht verstehen, werden wir nie eine richtige Gemeinschaft sein! Ich schreibe diesen Artikel in Botswana, einem Land, in dem es viele verschiedene Sprachen gibt so wie in vielen anderen afrikanischen Staaten, in Kenia sind es ca. 40 in Südafrika über 70. Trotzdem können alle miteinander reden. Vom Norden Kenias bis nach Kapstadt ist Englisch Amtssprache, ein riesen Vorteil für diese Region.

Nationen. Im Gegensatz zu den USA ist die EU eine Gemeinschaft von sehr unterschiedlichen Staaten mit unterschiedlicher Sprache, Kultur, Geschichte und Identität. Man hat geglaubt, das einfach ignorieren zu können. Wir tun einfach so, als ob es die Nationen nicht gäbe. Irrtum! Nationen gibt es und es ist den Menschen auch wichtig. Europa kann nur funktionieren, wenn man die Nationen respektiert. Das heißt Europa muss nationalföderalistisch sein.

Reformblockade. Das Problem ist die Kombination aus Fehlkonstruktion und Vetorecht. Man hat eine Struktur, die offensichtlich nicht richtig funktioniert, kann sie aber nicht ändern, weil über das Vetorecht jeder Dorfkaiser aus Hintertupfingen alles verhindern kann. Das ist so, als ob man in eine Sackgasse gefahren ist, die gleichzeitig eine Einbahnstraße ist, umkehren verboten!

Ich bin überzeugter Europäer, über den jetzigen Zustand der EU kann man aber nur den Kopf schütteln. So habe ich mir das nicht vorgestellt! Die heutige EU ist für mich ein Auslaufmodell, sie wird bzw. sollte keinen Bestand haben. Entweder schafft man es doch sie grundlegend zu reformieren, oder man muss sie neu gründen ev. auch mit einer kleineren Zahl von Mitgliedsstaaten. Ein funktionierendes Europa mit 12 oder 15 Staaten ist mir jedenfalls lieber als ein europäisches Chaos mit 28 Staaten. Und sollte gar nichts gehen, so muss man sich die Option des EU-Austrittes zumindest offenhalten bzw. überlegen. Sich blind an eine Organisation binden, die nicht richtig funktioniert und reformunfähig ist, kann keine Zukunftsperspektive sein!

Was ist zu tun? Da kann man unterschiedlicher Meinung sein, meine schaut so aus:

1. Wir brauchen einen europäischen Bundesstaat mit einer gemeinsamen Regierung, die von oder mit einem europäischen Parlament gewählt wird.

2. Diese Regierung braucht die Kompetenzen, um ihre Aufgaben auch erfolgreich erfüllen zu können.

3. Wichtig sind vor allem eine europäische Grenzsicherung und Landesverteidigung, Außenpolitik sowie gemeinsame faire Standarts in Wirtschaft und Sozialwesen, aber auch Demokratie, Meinungsfreiheit, Rechtsstaat etc.. Alle Staaten müssen dazu verpflichtet sein sich an diese Standarts zu halten, wobei der Zentralstaat auch die notwendigen Durchsetzungsrechte erhalten sollte.

4. Abschaffung des Vetorechtes.

5. Englisch als europäische Amtssprache.

6. Nationalföderalismus, d.h. nur die Kompetenzen beim Bund, die notwendig sind, insbesondere müssen Migration und Integration nationale Angelegenheit sein.

Oder anders gesagt:

Wir brauchen einen funktionierenden nationalföderalistischen Bundesstaat und keinen europäischen Bürokratensaustall!

Für Österreich würde das bedeuten, dass man sich zwischen Europa und der Neutralität entscheiden muss. Von der Gemeinschaft profitieren, aber wenn es drauf ankommt kneifen, das geht garnicht. Meine Entscheidung steht, ich bin für Europa!

Freundschaft

Peter

Botswana, 2018

64. Die gute und die böse Tomate und Die Gentechnikhysterie

 

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Die gute und die böse Tomate

und

Die Gentechnikhysterie

Ich habe im vorletzten Artikel den den Begriff des Ökopuritaner vorgestellt. Es sind Naturschützer, die jeden Eingriff in und jede Veränderung der Natur grundsätzlich ablehnen bzw. als negativ oder katastrophal betrachten. Meines Erachtens eine zutiefst unnatürliche Grundeinstellung, da Natur etwas ist, was sich ständig ändert. Eine der absurdesten Blüten des Ökopuritanismus ist die Gentechnikhysterie.

Gentechnische Methoden können das Erbgut von neu entstehenden Lebewesen künstlich verändern. Man kann das daher durchaus als etwas Unnatürliches betrachten. Die Einstellung hat einen einfachen Haken, die Natur macht das genauso. Neben äußeren Einflüssen wie Strahlung, chemischen Substanzen und biologischen Einflüssen wie z.B. Viren, die das Erbgut verändern können, gibt es einen Mechanismus in der Natur, der genetische Veränderungen gezielt bewerkstelligt, die Sexualität.

Die Sexualität ist keineswegs ein Vorgang, der zu unserem Vergnügen erfunden wurde. Nein, das Vergnügen ist ein Trick, um unser Verhalten so zu steuern, dass die Natur die Möglichkeit bekommt, Gene zu mixen. Die Sexualität ist nichts anderes als ein biochemischer Mechanismus zur Herstellung genetischer Variationen, ein biologisches Genlabor. Die Methoden der Natur und der Sexualität einerseits und der Gentechnik andererseits sind dabei zumindest sehr ähnlich. Mit ist keine gentechnische Veränderung bekannt, die nicht auch in der Natur von selbst entstehen könnte. Auch wir sind Ergebnis dieser Prozesse oder anders:

Wir sind alle Mutanten!

Äußere und sexuelle Mutationen führen zu einer ständigen Veränderung des Erbgutes aller Genom-Lebewesen und sind grundlegende Mechanismen biologischer Evolution.

Jetzt werden alle braven Grünen oder Ökopuritaner sofort schreien, das ist doch was ganz anderes! Wirklich?

Stellt euch folgende Situation vor. Ich halte in meinen Händen 2 Tomaten. Beide Tomaten sind genetisch völlig identisch, beide haben im Vergleich zu anderen Tomaten eine bestimmte genetische Mutation. Der einzige Unterschied, die Tomate in meiner bösen rechten Hand ist gentechnisch verändert worden, die gute linke Tomate hat ihre Mutation auf „natürlichem Wege“ erhalten.

Für mich als Konsument oder für die Natur sind beide Tomaten völlig identisch. Mein Verdauungstrakt oder die natürliche Konkurrenz merken keinen Unterschied, da es keinen gibt. Für die Grünen oder die Ökopuritaner ist die linke Tomate eine Biotomate, die rechte Tomate hingegen eine gefährliche Killertomate.

Mir ist bis zum heutigen Zeitpunkt keine einzige negative Konsequenz gentechnisch veränderter Lebensmittel bekannt und das obwohl in Amerika gentechnisch veränderte Pflanzen meines Wissens in großem Stil angebaut werden (Siehe dazu z.B. „Grüne Gentechnik“ auf Wikipedia). Das ist auch der Unterschied zu z.B. Insektiziden, die grundsätzlich giftig sind und in der Natur enormen Schaden anrichten.

Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen den Weg in die Natur finden, na und? Wo ist der Schaden? Wenn sich diese Pflanzen nicht durchsetzen können, werden sie sowieso ausselektiert. Und wenn doch, so muss das ja nicht zwangsläufig etwas negatives sein. Man könnte das ja auch als Bereicherung betrachten, wer kann widerlegen, dass es nicht etwas positives ist.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass die Grünen bzw. die Ökopuritaner jede Änderung als Katastrophe empfinden. Das Beispiel zeigt, wie extrem fortschritts– und technikfeindlich die Grünen sind und in welchem Ausmaß die diffusen Bio-Ängste oft in einer seltsamen Öko-Esoterik münden, die eher fanatisch-religiös als sachlich-realistisch erscheint (Die Formulierung habe ich doch schon einmal verwendet?!).

D.h. jetzt nicht, dass ich der Ansicht bin, dass man alles einfach machen dürfen sollte. Aber bevor man eine Sache verteufelt, sollte man sie zumindest kontrolliert ausprobieren. Ich bin der Ansicht, dass man Technik und Natur- bzw. Umweltschutz mit Vernunft und Realismus verbinden sollte und das geht auch und ist jedenfalls besser als dieser ökologische Zukunftspessimismus mit Verfolgungswahncharakter. Mit dem Motto „Zurück zum Neanderthaler“ kann man jedenfalls keinen modernen Industriestaat regieren! Da sind die Grünen auf dem Bio-Holzweg!

Ich lass mir jetzt jedenfalls meine Killertomaten schmecken!

Mahlzeit und Freundschaft

Peter

Namibia, 2018

63. I have a dream oder Naturpark Europa

Malachite

 Malachite Kingfisher, Okawangodelta 2018

I have a dream

oder

Naturpark Europa

Ich habe seit langem einen Naturschutztraum. Ich habe diesen Traum im letzten Artikel bereits angedeutet und möchte ihm hiermit einen eigenen Artikel widmen.

In Europa ist nahezu der gesamte Naturraum durch die menschliche Zivilisation zerstört worden. Naturschutzgebiete und Nationalparks erscheinen auf der europäischen Landkarte wie ein löchriger mottenzerfressener Fleckerlteppich, auf dem kleine Naturgebiete dem dominierenden menschlichen Zivilisationsraum gegenüberstehen. Das hat dazu geführt, dass viele Tier- und Pflanzenarten in großen Teilen Europas ausgerottet worden sind oder zumindest in Bedrängnis sind.

Meine Idee besteht darin, einerseits diese Gebiete zu vergrößern, andererseits Korridore zu schaffen, über die diese Gebiete miteinander verbunden sind. Diese Korridore könnten z.B. extensiv bzw. naturnahe forstwirtschaftlich genutzte Waldgebiete sein, in denen sich Tiere und Pflanzen ansonsten frei bewegen bzw. ausbreiten dürfen.

Da die Menschen in diesen Gebieten mit Wildtieren zusammenleben müssten, könnte man dies durch steuerliche oder andere Maßnahmen begünstigen um damit verbundene Nachteile auszugleichen.

Ziel müsste es sein, einen über ganz Europa hinweg zusammenhängenden Naturraum zu schaffen, in dem sich Wildtiere und zwar auch die vielerorts bereits ausgerotteten Großtiere, frei leben und bewegen können, der Naturpark Europa.

Erstens müsste dazu der politische Wille vorhanden sein.

Zweitens  müssten wir lernen, mit der Natur zusammenzuleben. Ich schreibe diesen Artikel mitten im Okawangodelta, einem Ort, an dem dieses Zusammenleben noch selbstverständlich ist und auch funktioniert. Daher weiß ich dass es geht.

Drittens müsste man akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich vor so etwas fürchten, bzw. die damit verbundenen Einschränkungen nicht wollen. Bären, Wölfe, Wisente und Büffel als Nachbarn sind halt nicht jedermanns Sache. Für diese Menschen müsste außerhalb des Naturparks genügend Raum vorhanden bleiben, um weiterhin anders leben zu können. Man müsste Naturpark und Nicht-Naturpark ausreichend effektiv trennen. In Botswana werden zum Teil Doppelzäune verwendet, um diese Trennung zu gewährleisten, z.B. zwischen Okawangodelta und der Stadt Maun. Aus diesem Grund glaube ich, dass Förster, Jäger und Naturwarte hier eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung spielen würden.

Viertens wäre eine vernünftige Bevölkerungspolitik entscheidende Grundlage für die Umsetzung. Bei stetigem vielleicht sogar noch bewusst provoziertem Bevölkerungswachstum wird der Zivilisationsdruck auf Grund und Boden die Umsetzung unmöglich machen.

Meines Erachtens könnte es funktionieren und erste Schritte sind bereits getan. Die Naturgebiete in Europa werden langsam größer und einige Tierarten kehren bereits wieder zurück. Der Wille zum Naturschutz ist größer als jemals zuvor. Was fehlt, ist ein langfristiges allgemein akzeptiertes Gesamtkonzept. Man müsste es formulieren, ausarbeiten und demokratisch beschließen am besten europaweit.

Wer weiß, vielleicht klappt es eines Tages. Mich würde es freuen!

Freundschaft

Peter

Okawangodelta, Botswana 2018