40. Allmacht gegen Logik oder Wie wird man Atheist

Logik

Allmacht gegen Logik

oder

Wie wird man Atheist

Ich war einmal gläubig. Gott und so. Das ist lange her. In meiner Jugendzeit, also wenn man anfängt, sich zu fragen, was das Ganze soll. Das geht auf einen meiner Religionslehrer zurück, echt ein lässiger Typ, der hat überzeugt, Idealismus ohne nachzudenken.

Dann ist ein anderer Religionslehrer gekommen, der wollte, dass wir denken, schwerer Fehler! Begonnen hat das Denken mit einem Spruch aus der Bibel: „Mach Dir die Erde Untertan“. Dieser Religionslehrer hat tatsächlich versucht, diesen Spruch als Aufruf zum Naturschutz zu interpretieren. Kennt ihr das Gefühl, wenn jemand etwas sagt und ihr denkt euch einfach: „So ein Blödsinn!“. Genauso ist es mir damals ergangen.

Die Menschen aus der Zeit dieses Spruches, haben nicht einmal gewusst, was Naturschutz überhaupt ist. Lebenserwartung 35 – 40 Jahre, den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, keine Medizin, jederzeit krank werden und sterben können, oft nicht wissen, was man morgen zu essen kriegt usw. Die haben andere Probleme gehabt. „Rettet die Wale“ war sicherlich das Letzte, was die Menschen damals bewegt hat. Wie auch immer dieser Spruch gemeint war, so sicherlich nicht!

Das hat mich geärgert, da habe ich angefangen, das zu tun, was der Religionslehrer wollte, Denken! Und dann kam irgendwann die entscheidende Frage: Woher wissen die das alles eigentlich? Da gibt es ein paar Bücher, Bibel, Koran, Talmud etc. , da stehen irgendwelche Sachen drin und die werden einfach als absolute Wahrheit angesehen. Aber woher wissen die Religionslehrer denn, dass das Alles stimmt? Kann man das überprüfen, kann man das beweisen? Vor allem sind diese Bücher in einer Zeit geschrieben worden, in der die meisten Menschen geglaubt haben, die Erde sei eine Scheibe. Die haben im Vergleich zu uns schlicht keine Ahnung gehabt.

Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sämtliche Religionslehrer in allen Religionsstunden nicht einen einzigen Beweis für die Existenz all dieser Dinge vorgebracht haben. Es ist so, man muss glauben, überzeugt sein, Wahrheit erkennen, nur wer glaubt ist moralisch oder gut usw. usw. usw.. Kein Argument, kein Beweis, nicht einmal ein Indiz, nichts. Ich war verwirrt.

Ich liebe Gedankenexperimente, das war damals schon so, ich war 15. Mir ist damals folgendes „logisches(?!)“ Experiment eingefallen:

Nehmen wir an, die Welt sei von einem allmächtigen Gott geschaffen worden und zwar vor einer Stunde. Der liebe Gott (über lieb kann man streiten, aber das lassen wir jetzt einfach) hat die Welt, die wir kennen, einfach vor einer Stunde geschaffen und zwar so wie wir sie im Gedächtnis haben. Er hat das Universum geschaffen, unser Sonnensystem, die Erde, das Leben, all unsere Erinnerungen an frühere Zeiten, die es dann gar nicht gegeben hat, alle Fossilien in den Gesteinen, die uns die Erdgeschichte vorgaukeln, alle scheinbaren Naturgesetze, die ganze Menschheitsgeschichte, die es auch nicht gegeben hat, mit allen Geschichtsbüchern, Aufzeichnungen usw.. Da dieser allmächtige Gott allmächtig ist, kann er das. Wenn irgendjemand einen Beweis dafür hat, dass das nicht möglich wäre, kann er mir das gerne schreiben, ich habe in den letzten 35 Jahren keinen gefunden. So weit so gut, es könnte so gewesen sein.

Jetzt machen wir folgendes, wir verlegen das Gedankenexperiment in die Zukunft. Nehmen wir an, wir machen morgen um die gleiche Zeit das gleiche Gedankenexperiment. Wir nehmen also in 24 Stunden an, die Welt sei vor einer Stunde erschaffen worden. Das könnten wir machen, es spricht nichts dagegen, wenn es heute geht, muss es morgen auch gehen. Der Haken: Wenn wir morgen (also in 24 Stunden) vor einer Stunde erschaffen werden, dann existieren wir noch gar nicht, weil die Welt ja erst in 23 Stunden erschaffen wird! Dich, den Leser dieses Artikels, gibt es also überhaupt noch nicht. Theoretisch wäre es möglich. Unlogisch!

Das Gedankenexperiment hat mich fasziniert und gleichzeitig noch mehr verwirrt. Es gibt übrigens andere ähnliche Gedankenexperimente zu diesem Thema, ich habe einmal eines in einem Leserbrief des Magazins „Spektrum der Wissenschaften“ zum Thema Religion entdeckt. Ich habe lange gebraucht, viele Jahre, um herauszufinden, was es bedeutet. Das Experiment hat den Charakter eines mathematischen Beweises.

Die Mathematik funktioniert über mathematische Beweise. Grundlage dieser Beweise sind sogenannte Axiome, unbewiesene Tatsachen. 1 + 1 = 2 ist ein Beispiel für so ein Axiom. Jeder weiß, dass 1 + 1 = 2 stimmt, aber woher eigentlich? Kann irgendjemand von euch beweisen, dass das stimmt? Geht  nicht! 1 + 1 = 2 ist unbewiesen, es ist eine Beobachtung, die überall richtig zu sein scheint, es gibt keine Beobachtung, die dagegen spricht. Es ist also so eine Art Naturgesetz. Das sind Gesetze, die nach Beobachtung unabhängig von Ort und Zeit immer richtig sind. Der Bereich der Mathematik, die sich mit Axiomen beschäftigt, nennt man Axiomatik. Meines Wissens gibt es 17 mathematische Axiome, das könnte sich inzwischen wieder geändert haben, es sind aber erstaunlich wenige. Wenn man jetzt eine mathematische Formel hat und man will wissen, ob die Formel richtig ist, dann versucht man durch Umformungen oder Beweistechniken die Formel auf die Axiome zurückzuführen. Gelingt das, nimmt man an, die Formel ist richtig, führt es zu einem Widerspruch, nimmt man an, die Formel ist falsch. Diese Vorgangsweise ist extrem erfolgreich, die ganze Mathematik funktioniert so und damit alle Naturwissenschaften und die Technik.

Die Logik ist die Grundlage der Mathematik, sie besteht auch aus Regeln (darüber gibt es dicke Bücher), die ebenfalls den Charakter von Naturgesetzen haben, gleich den Axiomen.

Was passiert jetzt wenn man logisch über den Begriff der Allmacht nachzudenken versucht. Was Logik ist haben wir geklärt, aber was ist eigentlich Allmacht? Da gibt es eine schöne Definition von einem Freund (Theoretischer Physiker):

Allmacht bedeutet, dass man jedes Gesetz übertreten kann und jedes beliebige Gesetz schaffen kann, wo keines existiert, man kann einfach alles machen.

Bei meinem Gedankenexperiment ist die Logik das Axiom: „Das logische Denken ist richtig“. Der allmächtige Gott ist die zu beweisende Formel: „Es gibt einen allmächtigen Gott“. Das Gedankenexperiment führt zum Widerspruch, was heißt: „Wenn die Logik richtig ist, kann es keinen allmächtigen Gott geben“. Das Problem: Man könnte das Gedankenexperiment auch umdrehen. Man könnte als Axiom die Aussage nehmen: „Es gibt einen allmächtigen Gott“, und als Formel: „Die Logik ist richtig“. Dann wäre das Ergebnis die Aussage: „Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, ist die Logik falsch“. Eigentlich ist es ja klar. Ein allmächtiger Gott kann auch dann existieren, wenn er logisch widerlegt wird, er muss sich ja nicht an die Gesetze der Logik halten, eben allmächtig!

Doch welches Axiom ist richtig? Hält sich unsere Welt an Naturgesetze, oder gibt es da etwas, was die Naturgesetze missachten kann? Die Religionsgemeinschaften sind sich dieses philosophischen Problems bewusst und deswegen gibt es im Christentum das „Wunder“. Also Ereignisse, die nicht naturwissenschaftlich erklärbar sind. Die werden dann als Gottesbeweis betrachtet.

Das Problem bei den Wundern: Die passieren immer woanders! Ich würde so gerne einmal ein Wunder sehen! Aber die Wunder meiden mich, wie die Regenwürmer das Sonnenlicht, das ist zwar kein Beweis, aber zumindest sehr verdächtig. Wundersam ist hingegen, was die Leute alles für ein Wunder halten. Zum Wunder gehört offensichtlich die Leichtgläubigkeit, man muss glauben, was einem gesagt wird, ohne es zu hinterfragen.

Ich habe einmal das Ergebnis einer Wunderheilung gesehen. Das war ein Kind mit einem Hirntumor. Der Tumor ist operiert worden und nach kürzester Zeit war der Tumor wieder da. Den Eltern ist gesagt worden, das Kind wird sterben. Ist es aber nicht. Aus unerklärlichen Gründen hat der neuerliche Tumor die Operationshöhle ausgefüllt, ist dann stehen geblieben und dann sogar wieder geschrumpft. Das Kind lebt heute noch. Das Problem: Wenn irgendwo im Körper eine Wundhöhle verursacht wird, entsteht Granulationsgewebe, sogenanntes Wundfleisch. Das füllt die Wundhöhle aus, bleibt dann stehen und zieht sich dann zusammen. Es entsteht eine Narbe. Jede Hautwunde wird so geschlossen. Das ist im Hirn zwar ungewöhnlich, wird der Mechanismus ausgelöst, läuft er aber vollautomatisch ab. Würde mich nicht wundern, wenn man bei einer Probe des wundergeheilten Tumors schlicht und ergreifend Narbengewebe finden würde. Blöd aber auch, schon wieder kein Wunder!

Beobachtet man die Natur, gibt es 2 Phänomene: Die man durch Naturgesetze erklären kann und die man noch nicht erklären kann, und die werden zahlenmäßig immer weniger. Bestätigte Beobachtungen, die für ein allmächtiges Wesen sprechen, gibt es keine, jedenfalls nicht für einen nicht leichtgläubigen Menschen. Man braucht also keinen Gott, um die Welt erklären zu können. Naturwissenschaften, Mathematik und Logik sind als Axiome völlig ausreichend. Oder wie der Mathematiker Laplace zu Napoleon über Gott gesagt hat: „Auf diese Hypothese bin ich nicht angewiesen“.

Ich kann das heute besser formulieren, mein Wissensstand ist größer als damals mit 15. Aber im Prinzip sind mir damals all diese Dinge auf einfachere Weise sehr schnell klar geworden (hat ungefähr 3 Monate gedauert). Und doch ist ein letzter Zweifel geblieben. Wenn es keinen Beweis für die Existenz eines Gottes gibt, warum glauben dann so viele Menschen an einen? Das war die letzte Frage, die mich mit 15 vom Atheismus abgehalten hat.

Die Frage wurde auf einer Busfahrt beantwortet. Ein Schulkollege hat sich auf dem Weg nach Bregenz in Hard neben mich gesetzt und wir sind ins Diskutieren gekommen. Irgendwie sind wir bei Gott gelandet. Ich habe ihm meine Zweifel und meine Argumente dargelegt, worauf er eine überraschende Antwort gegeben hat: „Ich kann gegen deine Argumente nichts sagen, aber ich werde trotzdem an Gott glauben. Denn wenn ich wüsste, dass es keinen Gott gibt, hätte das Leben für mich keinen Sinn mehr“. Ich bin genau in diesem Moment zum Atheist geworden. Der Satz hat nämlich den Verdacht bestätigt, dass die Menschen nicht an Gott glauben, weil es einen gibt, sondern weil sie wollen, dass es einen gibt. Sie brauchen ihn.

Es ist ganz einfach. Wir Menschen sind Lebewesen, wir wollen leben. Sterben und dann nicht mehr da sein, ist für viele eine nicht zu ertragende Vorstellung. Deswegen hofft man, dass es anders ist. Viele Menschen leben besser mit einer unrealistischen Illusion als mit der nicht immer sympathischen Realität. Und jede Religion ist in irgendeiner Weise mit der Hoffnung auf ein danach verbunden.

Außerdem ist die Religion eine einfache Antwort auf alles, was man nicht weiß. Wissenschaftler müssen sich anstrengen, um etwas zu verstehen. Naturwissenschaft ist für viele zu kompliziert. Religiöse Menschen haben mit Gott eine Generalausrede, mit der sie alles auf simple Weise erklären können.

Die Religion ist die Wissenschaft der Einfältigen und der Schwachen.

Wobei schwach nicht dumm oder ungebildet bedeutet, sondern lediglich die nicht vorhandene Fähigkeit, eine unangenehme Realität akzeptieren zu können. Die Hoffnung ist so übermächtig, dass der gesunde Menschenverstand quasi psychisch überrumpelt wird. Deswegen gibt es auch religiöse Wissenschaftler.

Ein paar Jahre später habe ich bemerkt, dass man Gott nicht nur nicht beweisen kann sondern auch nicht widerlegen kann, so bin ich zum Agnostiker geworden und das bin ich heute noch.

Ein abschließendes Wort zur Sozialdemokratie. Eine Partei, die sich auf die Seite der Schwächeren stellt, sollte Menschen nicht dafür verurteilen, dass sie einfältig oder schwach sind. Viele Menschen wären ohne Religion hilflos oder unglücklich und das kann nicht das Ziel sozialdemokratischer Politik sein. Die Religionsfreiheit ist daher eine Grundlage sozialdemokratischer Politik und Menschen aller Religionen sollten in der Sozialdemokratie willkommen sein. Leider sind viele Religionen genauso rückständig, wie die Zeit in der sie entstanden sind. So sind Religionen oft der Quell undemokratischer und asozialer Grundeinstellungen. Daher sollte die Sozialdemokratie ihre Grundwerte über die der Religionen stellen. Grundwerte wie Demokratie, Menschenrechte, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit müssen allen Religionen gegenüber unveräußerlich sein und sollten von allen Religionen uneingeschränkt geachtet werden müssen. Und es sollte meines Erachtens deutlicher als in der Vergangenheit Politik der SPÖ sein, dies auch einzufordern.

Freundschaft

Peter

 

Advertisements

39. Die Todesstrafe und Die 3 Grundprinzipien der Unwissenheit

Strick

Die Todesstrafe

und

Die 3 Grundprinzipien der Unwissenheit

Der Artikel beginnt mit einem der verrücktesten Zufälle meines Lebens, der mich auch noch sehr beeinflusst hat. Ich habe neben meinem Medizinstudium auch Politikwissenschaft studiert und zwar im Fächerbündel mit Zeitgeschichte und Volkswirtschaft. Eine Vorlesung, die ich regelmäßig besucht habe, wurde von Prof. Steininger vom Institut für Zeitgeschichte der Uni Innsbruck gehalten, mit dem Titel: „Die Geschichte der USA“. Es kann sein, dass der Titel etwas anders gelautet hat, aber jedenfalls so ähnlich. Eine Vorlesungsstunde hatte die Entstehung des Staates Utah zum Thema, die untrennbar mit der Religionsgemeinschaft der Mormonen verbunden ist, die von einem gewissen Joseph Smith gegründet wurde. Zum Schluss hat der Herr Professor einen Film gezeigt an dessen Ende ein Flugzeug startet, in dem junge Mormonen aufbrechen, um ihren Glauben in die  Welt hinaus zu tragen.

Am nächsten Morgen um 10 Uhr 30 läutet es an der Tür zu meiner Studentenwohnung in der Höttinger Au und draußen stehen 2 19-jährige Herren in Anzug und Krawatte direkt aus Salt Lake City (Utah), das Buch Mormon unterm Arm und wollen mich bekehren. Ich habe meinen Augen und Ohren nicht getraut, aber die waren wirklich da.

Mich wollten schon viele bekehren aber ich bin hartnäckig ungläubig. Mit den Leuten reden tu ich aber schon, es interessiert mich. Die Zeugen Jehovas kommen inzwischen nicht mehr. Eine nette Dame hat mir gesagt, dass es einen Gott gibt, worauf ich um seine Telefonnummer gebeten habe. Danach bin ich aus der Liste der potentiell Erleuchteten gestrichen worden. Ein Zeuge hat mir einmal mit erhobenen Armen eine grandiose Predigt an der Haustüre gehalten. Ich weiß zwar nicht mehr, was er gesagt hat, aber er war hinreißend enthusiastisch.

Doch zurück zu den Mormonen. Wir haben gefrühstückt und geredet, klar, Frühstück ist immer gut! Und dann haben sie eine überraschende Argumentation gebracht, den Entropietod.

Die Entropie ist einer der grundlegendsten Begriffe der Naturwissenschaften und beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Zustandes. In der Chemie ist es der wichtigste Begriff überhaupt. Alle physikalischen und chemischen Prozesse gehen immer vom Zustand niedriger zum Zustand höherer Wahrscheinlichkeit, d.h. ein chemischer Prozess läuft nur dann ab, wenn sich dabei die Entropie erhöht. Stellt euch ein Glas Wasser vor, in das ein Tropfen Farbe fällt. Zuerst ist die Farbe an einem Punkt konzentriert, dann verteilt sie sich immer gleichmäßiger im Wasser.  Der Prozess läuft immer in dieselbe Richtung ab niemals umgekehrt. Die gleichmäßige Verteilung ist wahrscheinlicher als die Konzentration an einem Ort (kann man mathematisch  einfach beweisen).

Eine Möglichkeit die Entropie zu erhöhen ist Wärmeabgabe, deswegen laufen die meisten Reaktionen, bei denen Wärme abgegeben wird, freiwillig oder spontan ab. Das ist der Grund für unsere Körpertemperatur. Unser Stoffwechsel kann nur ablaufen, wenn wir an die Umgebung Wärme abgeben. Das gleiche gilt auch für Maschinen, Autos werden warm beim Fahren. Ob ein Prozess genügend Wärme abgeben kann, hängt natürlich von der Umgebungstemperatur ab. Deswegen laufen chemische Prozesse bei unterschiedlichen Temperaturen oft in entgegengesetzte Richtungen ab. Typisches Beispiel, das Schmelzen von Eis bzw. das Gefrieren von Wasser.

Wenn in einem Reagenzglas eine chemische Reaktion abläuft und alles umgesetzt ist, dann ist der Zustand höchster Entropie erreicht, die Reaktion bleibt stehen oder endet. Jetzt stellt euch vor unser Universum ist ein großes Reagenzglas, in dem eine Reaktion abläuft. Wenn alle Wärme abgegeben ist und allgemein der Zustand höchster Entropie erreicht ist, dann bleibt alles stehen, keine Änderung mehr und damit auch kein Leben. Diesen hypothetischen Zustand nennt man Wärmetod oder Entropietod.

Und da es keinen Prozess gibt, der das umdrehen kann oder weil kein Prozess bekannt ist der den Ausgangszustand hätte herstellen können, muss es einen Gott geben, genauso haben die beiden Mormonen argumentiert. Die waren gut vorbereitet, selber haben die sich das sicher nicht ausgedacht, aber es hat gewirkt, ich war überrascht. Gläubige Menschen, die gute Argumente haben, habe ich bis dahin nicht gekannt.

Ich bin immer noch nicht gläubig. Das Ganze hat nämlich einen Haken eigentlich sogar zwei. Natürlich wäre es möglich, dass sie Recht haben. Nur besagt das 1. nicht, dass es dann genau der Gott ist, an den sie glauben, es könnte auch ein anderer sein, z.B. der Gott der Moslems oder der Juden, die Götter der Hindus oder irgendwelcher Indianervölker, oder das fliegende Spagettimonster oder vielleicht sogar das allmächtige Gummibärchen. 2. gibt es auch jede Menge nicht religiöse Möglichkeiten. Vielleicht gibt es physikalische Prozesse, die das bewerkstelligen, nur kennen wir sie noch nicht. Früher haben die Leute geglaubt, die Erde sei flach, eine Scheibe. Ist sie aber nicht, sie ist rund, und das ist sie auch wenn man es nicht sieht oder weiß, oder doch nicht? Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie es sein könnte, und wie es wirklich ist, wissen wir ganz einfach nicht.

Wissen, ein schwieriges Wort, was wissen wir überhaupt?

Wir nehmen mit unseren Sinnesorganen Reize auf und verarbeiten die mit unserem Hirn zu einem Bild, einer Hypothese von der Welt, die wir als Realität bezeichnen. Wir wissen aber nicht, ob das Ganze stimmt, es könnte auch alles FakeNews sein. Ein Film, der sich mit dieser Möglichkeit beschäftigt, ist der Film Matrix, wobei die Matrix ein Computerprogramm ist, das uns eine virtuelle Realität vorgaukelt, die real nicht existiert, während wir Menschen verkabelt und in Dauernarkose für die Maschinenwelt als Kraftwerke fungieren. Es könnte so sein, niemand kann beweisen, dass es nicht so ist. Eigentlich wissen wir nichts und alles, was wir zu wissen glauben, ist nichts als Hypothese und das sind die beiden ersten Grundprinzipien der Unwissenheit.

  1. Ich weiß, dass ich nichts weiß (Sokrates).
  2. Jedes Wissen ist Vermutung (Popper).

(Anmerkung: Sokrates und Popper waren 2 Philosophen, die sich beide mit dem Begriff Wissen beschäftigt haben.)

Naturwissenschaftlich betrachtet können wir Hypothesen durch Beobachtungen untermauern. Wenn man damit Dinge berechnen kann und Vorhersagen treffen kann, dann geht man davon aus, dass eine Hypothese stimmt. Aber was ist mit den Dingen, die jenseits aller Hypothesen liegen bzw. für die es keine passenden Beobachtungen oder Hypothesen gibt. Was kann man über die Dinge aussagen, die man nicht weiß? Was ist mit dem Entropietod, was kann man über ihn sagen, gibt es ihn oder nicht? Antwort, keine Ahnung! Und das ist das dritte Grundprinzip:

  1. Ich weiß nicht, was ich nicht weiß (Ich).

Dieses dritte Grundprinzip habe ich für mich in der Zeit nach der Geschichte mit den Mormonen formuliert.

D.h., es ist nicht möglich über Dinge, zu denen keine Beobachtungen vorliegen, irgendwelche Aussagen zu treffen, alles ist möglich und alles ist gleich wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. Jeder kann alles behaupten, niemand weiß wer Recht oder Unrecht hat. Der Gott der Mormonen ist eine Möglichkeit, eine von unendlich vielen, viele, die alle gleichermaßen unbewiesen sind. Eigentlich wissen wir nicht einmal, ob wir etwas nicht wissen oder wieviel. Nicht überzeugend, da glaube ich lieber an das fliegende Spagettimonster, das gibt’s zwar vermutlich auch nicht, aber das schmeckt wenigstens gut!

Die 3 Grundprinzipien der Unwissenheit beschreiben meine philosophische Grundeinstellung, kurz und einfach.

Was hat das mit der Todesstrafe zu tun? Sehr viel, es ist meines Erachtens sogar entscheidend!

Stellt euch vor, ihr seid Richter in einem Mordprozess. Der Mord ist um 18 Uhr passiert. Es gibt 2 verdächtige Personen. Die 1. Person hat kein Alibi von 16 – 20 Uhr, nur davor und danach, die 2. Person hat kein Alibi von 20 – 24 Uhr, aber ebenfalls davor und danach. Bei beiden Personen gibt es etwas, das man nicht weiß, aber: Man weiß, was man nicht weiß. Ich nenne das: Bekanntes Unwissen. Und daher kann man sich überlegen ob dieses Unwissen bedeutend ist oder nicht. Person 2 hat für die Tatzeit ein Alibi. Dass man nicht weiß wo die Person danach also zwischen 20 und 24 Uhr war, spielt keine Rolle. Person 1 hat für die Tatzeit kein Alibi, dieses Unwissen ist bedeutend, sie könnte der Mörder sein.

Das viel größere Problem ist der Fall, in dem es etwas gibt, was niemand weiß, woran niemand denkt oder womit niemand rechnet. Diesen Fall nenne ich: Unbekanntes Unwissen. Es ist immer wieder vorgekommen, dass eindeutige Urteile gefällt worden sind und sich später herausgestellt hat, dass Beweise gefälscht waren, Gutachten qualitativ schlecht waren, Geständnisse erpresst worden sind, schlecht ermittelt worden ist, etc. Wenn einem Richter davon während des Gerichtsverfahrens nichts bekannt wird, kann er im guten Glauben ein scheinbar korrektes Urteil fällen, das bei Bekanntsein der unbekannten Fakten niemals gefällt worden wäre.

Das Problem ist grundsätzlich. Eigentlich kann ein Richter niemals sicher sein, dass es nicht irgendetwas Wichtiges gibt, wovon er keine Kenntnis hat, oder: Er weiß nicht, was er nicht weiß! Aus diesem Grund ist ein 100% oder zweifelsfrei sicheres Urteil gar nicht möglich. Jedes Urteil ist daher immer eine Wahrscheinlichkeitsabschätzung, der Irrtum ist immer möglich.

Das führt zu einem weiteren Problem. Es gibt im Rechtswesen den bekannten Spruch: „Im Zweifel für den Angeklagten“. Wenn aber ein zweifelsfrei richtiges Urteil gar nicht möglich ist, dann müsste man laut diesem Spruch alle Angeklagten freisprechen, egal wie sicher das Urteil auch immer erscheinen mag. Aus diesem Grund habe ich den Spruch umgedreht:

Ein Urteil, das ohne Zweifel richtig ist, ist immer ein Fehlurteil!

Denn ein zweifelsfrei richtiges Urteil beweist nicht die zweifelsfreie Schuld des Angeklagten sondern lediglich die fachliche und charakterliche Unfähigkeit des Richters bzw. der Geschworenen.

Die wichtigste Eigenschaft des Richters ist daher meines Erachtens die Fähigkeit zur Selbstkritik, die Fähigkeit das eigene Urteil zu hinterfragen, um die Wahrscheinlichkeit des Irrtums korrekt einschätzen zu können. Dazu gehört natürlich auch, dass man die charakterliche Größe besitzt, gefällte Urteile im Nachhinein in Frage zu stellen, um Fehlurteile, die jedem mit gewisser Wahrscheinlichkeit passieren müssen, wieder rückgängig machen zu können. Dazu bedarf es aber eines Rechtssystems, das solche Vorgangsweisen auch zulässt. Dies führt zu folgendem Grundsatz:

In einem nach Gerechtigkeit strebenden demokratischen Rechtssystem sollten alle Strafen so gestaltet werden, dass sie möglichst lange und umfassend wieder rückgängig gemacht werden können, um Im Falle eines Justizirrtums die zu Unrecht verurteile Person rehabilitieren und Schadenersatz leisten zu können.

Es gibt genau eine Strafe, die diesem Grundsatz am allermeisten widerspricht, die Todesstrafe!

Einen Toten rehabilitieren ist ein schlechter Witz.

Die Amerikaner also die USA, in der die Todesstrafe bis heute praktiziert wird, sind sich dieses Problems bewusst und versuchen das Problem zu umgehen, indem es zahlreiche Berufungsinstanzen gibt und die Todesstrafe meist erst nach Jahrzehnten vollstreckt wird. Das löst das Problem aber nicht vollständig und schafft ein neues.

Man müsste sich eigentlich denken, die Todesstrafe sei kostengünstig, da es billiger ist, jemanden zu töten, als ihn jahrzehntelang einzusperren und zu beaufsichtigen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die ständige rechtliche und politische Auseinandersetzung hat dazu geführt, dass die Todesstrafe zur besonders teuren Strafform geworden ist. Eine Hinrichtung ist in den USA wesentlich teurer als eine lebenslange Haft. Wenn man noch bedenkt, dass die abschreckende Wirkung der Todesstrafe im Vergleich zur lebenslangen Haft gleich null ist, bleibt eigentlich kein Argument mehr übrig, das dafür spricht.

Wenn es da nicht die „Gerechtigkeit“ gäbe. Ist euch schon einmal aufgefallen, das die Worte „gerecht“ und „gerächt“ fast identisch sind, sprachlich sind sie völlig identisch und geschrieben fast völlig mit Ausnahme eines einzigen Buchstaben. Dazu kommt noch die zumindest verwandte Bedeutung beider Worte. Ein Tor, der glaubt, das sei ein Zufall. Es gibt viele Menschen, die Rache für ein erlittenes Unrecht als durchaus gerecht empfinden. Gerächt ist gerecht! Und deswegen gibt es Menschen, die die Todesstrafe als die gerechtere Strafe empfinden. Dagegen lässt sich schwer argumentieren. Was dagegen spricht ist ein moralisches Prinzip.

Es sollte in einem demokratischen Sozialstaat ein Tabu sein, einen Menschen gegen seinen Willen zu töten, zumindest, wenn es sich praktisch vermeiden lässt.

Darüber kann man natürlich auch streiten, Moral ist Ansichtssache. Der Gerechtigkeitsunterschied zwischen der Todesstrafe und einer lebenslangen oder langjährigen Haft ist aber jedenfalls nicht besonders groß. Und dieser kleine Unterschied rechtfertigt keinesfalls das bewusst in Kauf genommene Risiko, unumkehrbare Justizirrtümer zu begehen.

Die Todesstrafe ist nicht ungerecht, sie ist ein rechtlicher, sicherheitspolitischer und praktischer Unfug.

Freundschaft

Peter

 

 

38. Lern Deutsch oder geh nach Hause

Lern Deutsch oder geh nach Hause

Kopftuch

Der Artikel geht mir seit Monaten durch den Kopf. Er kommt an dieser Stelle, weil ich ihn unbedingt nach Art.35 (Die Biologik der NSDAP und Das Prinzip der aggressiven Gruppe) schreiben wollte. Man kann die Ideen nicht verstehen, wenn man diesen Artikel nicht vorher gelesen hat.

Die Geschichte beginnt auf der B 190, der Bundesstraße zwischen Lauterach und Dornbirn. Ich war damals mit meinem froschgrünen Daihatsu Charade unterwegs und dann ist dieser blonde ca. 1.80m große vielleicht ein paar Jahre ältere Mann am Straßenrand gestanden und hat gestoppt. Ich hab ihn mitgenommen. Er hat einen komischen Dialekt gesprochen, den ich nicht zuordnen konnte, holländisch klar, groß, blond.

Irgendwie hat er im weiteren Gespräch Vertrauen gefasst und dann hat er seine Lüge gestanden, ich hätte es nie erraten. Kein Holländer sondern Türke, Reiseführer. Woher der komische Dialekt kommt? Ganz einfach, deutsch nicht in der Fabrik gelernt sondern in der Schule, deswegen klingt es ganz anders.

Der Grund der Lüge war ganz einfach. Jedes Mal, wenn er gesagt hat, er sei Türke, haben ihn die Leute hier schlecht behandelt. Als Holländer war das ganz anders, und da man ihm mit seiner großen blonden Statur und dem Dialekt den Holländer abgenommen hat, hat er sich als Holländer ausgegeben, da war man dann ganz anders, hat ihn höflich behandelt.

Die Türken waren damals schon unbeliebt. Wenig später hat mir ein Geschäftsmann, der viel mit Türken zu tun gehabt hat und deswegen türkisch gelernt hat, um sich mit den Türken hier verständigen zu können, gesagt:

„Das mit den Türken, das wird ein schlimmes Ende nehmen.“

Das war vor ungefähr 30 Jahren etwa 1986.

25 Jahre später, etwa 2011, bringt auf einem Lagerplatz im Vorarlberger Oberland ein Arbeiter, offensichtlich Gastarbeiter, eine Gasflasche, vermutlich leer. Ein einheimischer Arbeiter fragt ihn, was er will. Der Gastarbeiter, wahrscheinlich Türke, versucht es ihm zu erklären, kann aber praktisch kein Deutsch. Irgendwann versucht er es mit türkisch, worauf der einheimische Arbeiter explodiert: „Hier Österreich, nicht Türkei, hier wird deutsch geredet.“ Der türkische Arbeiter versteht nichts, Gasflasche.

Die Szene sagt eigentlich alles aus, die Türken reden immer noch türkisch, die Österreicher sind genervt und aggressiv. Der nicht-deutsch-sprechende türkische Gastarbeiter war etwa 50, also vermutlich bereits 20-25 Jahre in Vorarlberg. Die Integration funktioniert immer noch nicht, aber die Stimmung hat sich geändert.

Ich bin mit dieser Situation aufgewachsen. Der Löwen in Hard, das war das Türkenlokal. Einheimische sind dort nicht hingegangen, nur Türken, nur Männer. Und nach den Sommerferien, wenn die Gastarbeiter von der Türkei oder sonst woher zurückgekommen sind, dann war Läuseepedemie, jedes Jahr.

DDT ist ein weißes Pulver, das hat man dann in die Haare gestreut bekommen und dann waren die Läuse weg. Das ist heute verboten, wegen der Vögel und der Eierschalen, die Jungen kennen das nicht mehr. Ich weiß noch gut, wie Läusenissen und Läusekämme ausschauen. Ich war damals 12.

Es gibt am Kornmarktplatz in Bregenz ein Fitnessstudio, da gehe ich über Mittag oft hin. Es ist im ersten Stock und wenn mir warm ist und ich auskühlen muss, gehe ich ans Fenster und schaue auf den Platz hinunter. Nirgendwo wird einem so sehr bewusst, was Parallelgesellschaft bedeutet wie hier am Fenster. Wenn viele Leute auf dem Platz sind, mache ich oft ein Gedankenexperiment, ich liebe Gedankenexperimente!

Man kann sich vorstellen, dass von den Leuten auf dem Platz ein Teil plötzlich nicht mehr da ist. Dann werden in Gedanken immer wieder einzelne Menschen stehen bleiben und mit der Luft reden, weil man Leute, die sich kennen, begegnen und miteinander reden weggedacht hat, und die fehlen dann. Jetzt stellt euch einmal vor man würde alle mit Kopftuch und deren Begleitung wegdenken oder umgekehrt. Dann würde niemand alleine stehen und mit der Luft reden. Die unterschiedlichen Gruppen gehen aneinander vorbei, sie ignorieren sich. Es ist schon erstaunlich, dass es möglich ist, dass 2 fast völlig getrennte Welten, die miteinander nichts zu tun haben wollen, auf ein und demselben Platz existieren können. Das Ganze funktioniert wie ein kulturelles Apartheitssystem, d.h. Funktionieren ist eigentlich das falsche Wort. Eigentlich ist es deshalb so weil da etwas nicht funktioniert.

Ich bin kein großer Gesellschaftstiger, ich habe eher einen kleinen Bekanntenkreis, der ist aber sehr gemischt. Wenn man Leute für ihre Ansichten verurteilt dann redet niemand mit einem, da ich gerne beobachte, verurteile ich nicht oder nur sehr selten, und deswegen habe ich das Gefühl dass Menschen manchmal mit mir reden und zwar auch über schwierige Themen. Ich habe einmal versucht abzuschätzen, wie viele Antiislamisten es in meiner Umgebung gibt, es dürften etwa 25 – 33% sein. Etwas später ist eine Meinungsumfrage veröffentlicht worden, die für Österreich 31% angegeben hat, exakt mein Schätzwert.

Antiislamisten, das sind zumeist keine Rechtsradikalen, da machen es sich manche Leute sehr einfach mit ihrem Urteil. Nein, es sind zumeist ganz normale Leute, die was das Zusammenleben mit den Moslems anbelangt resigniert haben: „Die haben eine andere Kultur“, „Sie passen sich nicht an“, etc. (2 Vorarlberger beide über 40). Die Jungen äußern sich da deutlicher: „Die sollen ihre 7 Sachen packen und verschwinden“, (20-jährige Vorarlbergerin).  Die meisten sind dabei nicht bösartig, ein häufiger Satz: „Ich will denen nichts Böses tun, aber das Zusammenleben funktioniert einfach nicht“ (z.B. ca. 65 jähriger Vorarlberger). Man kann alle diese Äußerungen eigentlich mit einem Satz zusammenfassen:

„Wir wollen mit den Moslems nicht mehr zusammenleben“.

Die anderen 2/3 bis 3/4 der Gesellschaft sind zwar nicht antiislamisch, aber zufrieden mit der Situation sind die allerwenigsten. Statistisch sieht man das am besten bei der Frage des EU-Beitritts der Türkei, es sind regelmäßig 75 – 90 % dagegen lediglich 10 – 20 % dafür. Und das  merkt man auch in den Gesprächen. Selbst die gutmütigsten Menschen, die ich kenne, haben sich zu meinem Erstaunen in letzter Zeit kritisch geäußert.

Wie konnte es so weit kommen? Ich glaube, man kann das nur verstehen, wenn man selber einmal im türkischen Hinterland war. Wir haben einen Bauernhof an der iranischen Grenze besucht. Der Bauer hatte 2 Frauen. Die sind bei unserem Eintreten in die einfache Lehmhütte im hinteren Eck des dunklen Raumes gestanden und haben sich nicht getraut uns zu begrüßen. Erst nach unserer Aufforderung haben sie sich überwunden und dass wir ihnen die Hand zum Gruß gereicht haben, war für sie eine besonders außergewöhnliche Geste. Der Status der Frauen, irgendwo zwischen Maultier und Mikrowellenherd. Die waren echt nett, richtig gastfreundlich, aber im Vergleich zu uns derart rückständig, dass die Bezeichnungen Mittelalter oder Steinzeit fast noch Komplimente sind. Wie wir gegangen sind haben uns die Kinder noch kilometerlang verfolgt, um uns hinterherzuwinken. Wir waren die große Attraktion, Besuch aus Europa gibt’s nicht jeden Tag.

Jetzt stelle man sich vor, diese Leute kommen als Gastarbeiter zu uns. Andere Sprache, Religion, Kultur, patriarchale Familienstrukturen, keine Erfahrungen mit Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichheit der Geschlechter, keine Bildung, oft Analphabeten. Die müssen in kürzester Zeit Jahrhunderte aufholen und können zum Teil nicht einmal in der eigenen Sprache schreiben und lesen. Dass man sich da in der eigenen Gruppe leichter tut, ist logisch. Und da nicht ein paar gekommen sind sondern viele, war das auch ganz einfach möglich. Das hat sich auch in Wien in Integrationsklassen gezeigt. Gemischte Klassen, in denen es keine gemeinsame Sprache gibt, fördern die Integration, da man deutsch lernen muss, um sich verständigen zu können. Hat man hingegen viele Kollegen aus dem eigenen Land, ist es einfacher so zu leben, als wäre man noch zu Hause, und so haben sich Subkulturen oder Parallelgesellschaften gebildet. Ich glaube, die Nichtintegration war nicht deren Absicht, sie haben einfach das getan, was wir in ihrer Situation auch gemacht hätten. Sie sind den leichtesten Weg gegangen. Und dafür kann man sie nicht verurteilen, außerdem können sie ja nichts dafür, dass sie in eine rückständige Welt geboren worden sind.

Die große Anzahl hat noch einen Effekt gehabt. Wären es wenige gewesen, hätte es die Einheimischen kaum gestört, da sie damit nicht in Kontakt gekommen wären. Da es viele waren, macht eine ganze Gesellschaft schlechte Erfahrungen mit dem Ergebnis allgemeiner Ablehnung. Das passiert natürlich nur dann, wenn die mitgebrachten kulturellen Eigenheiten von den Einheimischen als unangenehm empfunden werden. Also:

Integration ist umso schwieriger, je größer die kulturelle Distanz.

und

Integration ist ein Mengenproblem, eine große Anzahl lässt die negativen Effekte spürbar werden und kann die Integration durch Bildung von Subkulturen gleicher Einwanderer behindern.

Den zweiten Grund, den ich sehe, ist das Fehlverhalten der Politik. Man hat der Entwicklung viel zu lange zugeschaut ohne zu reagieren. Die Hoffnung war, das Problem würde sich eines Tages von selber lösen, was bei vielen Einwanderergruppen auch tatsächlich passiert ist. Dass es bei einzelnen nicht geschehen ist, wollte man nicht sehen. Und darüber reden, ist angesichts unserer speziellen Geschichte besonders schwierig. Stattdessen hat man jeden, der die Problematik angesprochen hat, öffentlich an den Pranger gestellt, bzw. als Rassisten und Rechtsradikalen betitelt. So hat man mindestens 2 Generationen von Österreichern quasi verboten über dieses Thema zu reden. Erst jetzt nach mindestens 5 Jahrzehnten misslungener Integration beginnt langsam eine zwar meistens aufgeregte aber manchmal auch vernünftige Diskussion über dieses Thema.

Das quasi Redeverbot hat mit der Nichtintegration einzelner Gruppen das Gegenteil von dem bewirkt, was man wollte. Einerseits hat sich über Jahrzehnte der Ärger über die Missstände angestaut, andererseits hat sich das Gefühl entwickelt, die Einwanderer dürfen bei uns tun und lassen, was sie wollen: „Man muss sich doch nicht alles gefallen lassen“ (25 jährige Vorarlbergerin) oder die aggressivere Variante: „Lieber bin ich ein Rassist, als dass ich mir das noch gefallen lasse“ (etwas älterer Vorarlberger).

Spätestens seit der Kölner Silvesternacht hat sich etwas verändert. Die Leute reden immer öfter darüber und zwar offen. Ich habe in den letzten 9 Jahren, seit ich wieder in Vorarlberg bin, lediglich 2 positive Äußerungen über die Integrationspolitik gehört, die negativen waren zahlreich.

Ich untersuche eine junge Frau (bin Arzt), die Frau kann praktisch kein Deutsch. Da ich sie aufklären müsste, sage ich meinen Arbeitskollegen, dass ich die Untersuchung eigentlich nicht legal durchführen kann. Die schauen mich ungläubig an und meinen: „Aber das ist doch normal bei uns.“ Ich mache die Untersuchung. Nicht untersuchen wäre für die Frau wahrscheinlich die schlechtere Variante gewesen. Die sprachliche Nichtintegration hat viele praktische Nachteile. Viele normale Prozesse werden zur Herausforderung, wenn die Kommunikation nicht möglich ist. Wenn dann klar wird, dass die Person seit Jahrzehnten in Österreich wohnt, schütteln inzwischen viele nur noch den Kopf. In den Krankenhäusern und Arztpraxen kommen täglich 10 – 20 % (persönliche Schätzung) Patienten mit sehr eingeschränkten Deutschkenntnissen. Bei 500 Patienten am Tag sind das täglich 50 – 100. Für die Mitarbeiter ist es ein tagtägliches Ärgernis. Den Vorschlag türkisch zu lernen, um sich verständigen zu können, macht inzwischen niemand mehr.

Es muss für die moslemische Minderheit ziemlich deprimierend sein. Die Ablehnung muss massiv zu spüren sein. Wenn Du Ahmed oder Ayse heißt, bist Du bei uns ein Mensch 2.Klasse, und wenn Du ein Kopftuch trägst und nicht richtig Deutsch kannst, bist Du ein Mensch 5.Klasse.

Ich spreche mit einer Mitarbeiterin des AMS. Sie klagt darüber, dass tagtäglich Frauen mit Kopftuch und geringen Deutschkenntnissen zu ihr kommen, und sie sie nicht vermitteln kann. Niemand will diese Frauen haben. Der Fall der Ablehnung einer Frau mit Kopftuch in einer Vorarlberger Arztpraxis, übrigens ganz in der Nähe von mir, ist kein Einzelfall. Nur dass es die meisten diskreter machen. (Anmerkung: Das Gespräch mit der AMS Mitarbeiterin hat sich vor 1 – 2 Jahren abgespielt, den Absatz habe ich zufällig wenige Tag vor der Veröffentlichung des Problemberichtes aus dem Vorarlberger AMS geschrieben).

Dass sich die Einwanderer in ihre eigene Gruppe zurückziehen ist verständlich, aber das ist das nächste Problem. Funktioniert die Integration nicht, reagieren viele mit verständlicher Ablehnung. Die verstärkt die Bildung von Parallelgesellschaften, was die Ablehnung wieder vergrößert, ein Teufelskreis. Ich nenne es einen

Selbstverstärkenden Separierungsmechanismus.

Sehr gut beobachten kann man das auch am Wohnungsmarkt. Ich habe 2 Freunde, die mir unabhängig voneinander erzählt haben, dass sie auf Grund von moslemischen Nachbarn ihre Wohnungen verkauft haben und woanders hingezogen sind. Beide haben das als eine der besten Entscheidungen ihres Lebens bezeichnet. Beide sind übrigens alles andere als gehässig oder radikal. Mir ist da so richtig bewusst geworden, dass nicht integrierte Nachbarn für die Leute eine echte Einschränkung ihrer Lebensqualität bedeuten.

Ein Problem stellt das auch für die Immobilienmakler dar. Wenn in einen Block nicht integrierte Familien einziehen, führt dies zu einem Wertverlust bei den anderen Wohnungen. Die werden schwer vermietbar oder unverkäuflich. Sind einmal welche drinnen, können die restlichen Wohnungen nur noch an ähnliche Personen vermietet werden. Einheimische ziehen dann nicht mehr dort hin. Es gibt in Hard am Bodensee, dort bin ich aufgewachsen, einen Block mit dem Spitznamen „Klein Ankara“, nur noch moslemische Familien. Die Separierung findet also auch räumlich statt.

Ähnliches habe ich auch schon bei Arbeitsplätzen beobachtet.

Ein besonderes Problem scheint das Ganze für die Einwandererkinder zu sein. Die hängen in der Luft. Auf der einen Seite sind sie hier aufgewachsen und Teil dieses Landes, andererseits sind sie Teil einer oft nicht integrierten Einwanderergesellschaft, weswegen sie von den Einheimischen angefeindet werden. Ich habe kürzlich unabhängig voneinander mit 3 perfekt integrierten Einwandererkindern gesprochen. Zu meinem Erstaunen waren sie alle 3 verärgert über ihre Landsleute, die sich nicht integrieren und ihnen dadurch das Leben schwer machen. Besonders krass war eine junge Frau, die sich so über die Nichtintegration ihrer Familie geärgert hat, dass sie folgenden Satz zu ihrer eigenen Mutter gesagt hat: „Lern deutsch oder geh nach Hause!“. Ich hab mir gedacht, wenn eine Tochter das zur eigenen Mutter sagen kann, weil es ein so großes Problem ist, dann kann ich diesen Satz auch als Titel für diesen Artikel verwenden.

Dass der Ärger der Jungen sich nicht nur gegen die eigenen Leute richtet, sondern manchmal auch gegen unsere Gesellschaft, ist für mich logisch. Ich kann die 17-jährigen verstehen, die in den Dschihad ziehen, auch wenn ich es für völlig falsch halte.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar Sachen klarstellen. Die letzten Absätze waren weder Anklage noch Schuldzuweisung und zwar in keine Richtung, sondern einfach eine persönliche Bestandsaufnahme, so wie ich die Dinge sehe oder erlebe.

Es ist mir persönlich völlig egal, welche Religion ein Mensch hat. Da ich selbst Agnostiker bin, sind für mich Christen, Juden, Moslems, Hinduisten, Buddhisten etc. sowieso das Gleiche, einfach Menschen die an komische Sachen glauben, an Geister, Gespenster, Seelen und so. Und dass man sich wegen unterschiedlicher Gespenster gegenseitig umbringt ist mir einigermaßen unverständlich. D.h. dass Menschen anderer Religion kommen, stört mich nicht. Ganz im Gegenteil, da merken die Katholiken wenigstens, dass sie nicht alleine auf dieser Welt sind, tut ihnen ganz gut.

Mit ist auch bewusst, dass man nicht alle gleichsetzen kann. Natürlich gibt es auch unter den Moslems Leute, die sich gut integrieren und es gibt unterschiedliche Gruppen, die sich unterschiedlich verhalten. Die Türken nehme ich nur deswegen als Beispiel, weil sie die größte Gruppe sind.

Es gibt allerdings einen Punkt, der mich tatsächlich ärgert. Es hat vor kurzem eine Volksabstimmung über das Präsidialsystem in der Türkei gegeben. De facto war es die Abstimmung über die Errichtung einer islamisch konservativen Diktatur oder zumindest ein Riesenschritt in diese Richtung. In Österreich haben 70% der hier lebenden türkischen Staatsbürger für das Präsidialsystem gestimmt.  Das heißt, da gehen Leute in ein anderes Land mit einer anderen Kultur, ein Land in dem Demokratie und Wohlstand herrschen und die Menschenrechte weitgehend beachtet werden, alles Dinge von denen sie profitieren. Und obwohl sie selbst Minderheit sind, stimmen sie für die Errichtung einer islamisch konservativen Diktatur in ihrer eigenen Heimat, eine Diktatur, in der die Menschrechte mit Füssen getreten werden und Minderheiten mit militärischen Mitteln unterdrückt und schikaniert werden. Obwohl ich dieses Verhalten unter gewissen Gesichtspunkten verstehen kann, akzeptieren kann ich es nicht. Auch wenn ich für die nächste Äußerung wahrscheinlich kritisiert werde, ich kann es nicht anders formulieren, ich empfinde es als Zumutung.

Ich habe was Kultur anbelangt eine inzwischen unpopuläre Einstellung, ich bin Anhänger einer multikulturellen Gesellschaft. In einer multikulturellen Gesellschaft gibt es überall Nischen und Ecken, wo es Neues zu entdecken gibt, das ist schön. Aber ich bin mir der Tatsache bewusst, dass eine multikulturelle Gesellschaft auch eine schwierige Gesellschaft ist. Es gibt auf Grund der größeren Unterschiede auch größeres Konfliktpotential, es gibt mehr Reibungsflächen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte bin ich der Überzeugung, dass das nicht so funktionieren kann, dass man alle Menschen in einen Topf schmeißt und dann wartet, bis sie sich gegenseitig die Kehle durchschneiden. Nein, eine multikulturelle Gesellschaft braucht Regeln. Und sie braucht nicht schöne, nette, liebe, gute, himmelblaue, rosarote oder hellgrüne Regeln sondern funktionierende Regeln und das ist nicht immer das Gleiche. Aber welche?

Zuerst muss man sich einmal überlegen, was Integration eigentlich bedeutet. Kommen Menschen in ein anderes Land, müssen sie mit den Einheimischen zusammenleben, und umgekehrt. Deswegen sind genau das die Gradmesser für gelungene Integration:

Wenn die Einheimischen mit dem Verhalten der Zuwanderer zufrieden sind, d.h. wenn das Zusammenleben auf eine angenehme Weise funktioniert, dann ist Integration gelungen.

D.h. entscheidend ist nicht die Meinung irgendwelcher Parteifunktionäre oder das Einhalten irgendwelcher Vorschriften sondern die Meinung der Leute, bei denen das Zusammenleben stattfindet. Wenn die sagen, es funktioniert, dann ist es gut. Wenn die sagen, es funktioniert nicht, dann ist das so und dann hat man das zu akzeptieren. Und wenn Leute in ein anderes Land gehen und sich dort so verhalten, dass sie zum Ärgernis werden, dann gibt’s Stunk. Und das ist nicht nur hier so, sondern überall auf der Welt.

So, wenn wir jetzt 70% der türkischen oder moslemischen Einwanderer als nicht integriert betrachten (Anm: Leute, die für die Errichtung einer islamisch konservativen Diktatur sind, kann ich nicht als integriert betrachten, deswegen 70%), dann bedeutet das, dass die Einheimischen mit großer Wahrscheinlichkeit immer und immer wieder schlechte Erfahrungen mit diesen Einwanderergruppen machen. Die logische Konsequenz ist eine immer größere Ablehnung dieser Gruppen. Und die Tatsache, dass dieser Prozess seit einem halben Jahrhundert anhält, erklärt die jetzige Stimmungslage.

Will man das ändern, muss man also den Prozentsatz von 70% nicht integrierten Personen umkehren und zwar deutlich umkehren. Wenn 90% gut integriert wären, würden die Leute zunehmend positive Erfahrungen machen und dann würde sich das Stimmungsbild langsam aber stetig bessern.

So weit so gut, doch ich bin noch nicht fertig. Es gibt noch einen Aspekt, der enorm wichtig und für Sozialdemokraten extrem schwer zu akzeptieren ist, da es nicht in ihre Denkwelt hinein passt, das Problem der Kultergrenzenverschiebung. Die Wanderbewegungen der letzten Jahrzehnte waren einseitig und mit diesen Wanderbewegungen sind auch die Kulturen der Menschen gewandert, frei nach dem Motto: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, und es sind Menschen gekommen“ (Max Frisch 1965). Wenn diese Menschen sich mit den Einheimischen vermischt hätten, wäre das kein Problem. Da das überwiegend nicht passiert ist, ist es zu einer Kulturgrenzenverschiebung gekommen, die von immer mehr Menschen als Bedrohung empfunden wird. Wenn dieser Prozess so weiter geht, könnte dies über kurz oder lang in einem Verdrängungskonflikt enden. Der Begriff Verdrängungskonflikt ist bei mir ein definierter Begriff, dessen Bedeutung ich im Artikel 35 erklärt habe, deswegen habe ich diesen Artikel an dieser Stelle platziert. Ich kann nur dringendst davor warnen, diese Gefahr zu unterschätzen! Es gibt jetzt schon Leute, die sich mit Schusswaffen versorgen, um sich gegen die Moslems zu wehren. Und auch auf der anderen Seite ist eine gewisse Radikalisierung zu spüren. Dazu ein Spruch eines etwa 13-jährigen türkischstämmigen Hauptschülers zu einer einheimischen Mitschülerin: „In 20 Jahren werden wir hier den Ton angeben, und dann werdet ihr nach unserer Schnauze tanzen, so wie wir jetzt nach eurer Schnauze tanzen“. Gefallen ist der Spruch in einer Hauptschule in Hard am Bodensee vor etwa 3 Jahren. Nach einem Gespräch mit einem Freund aus Lustenau habe ich das Gefühl, dass solche Vorkommnisse zwar nicht die Regel, aber auch keine Einzelfälle mehr sind. Das passt auch zum immer aggressiver werdenden Diskussionsklima im Internet. Bei mir läuten jedenfalls die Alarmglocken. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, könnte das schlimmstenfalls mit der gewaltsamen Vertreibung oder Ermordung der moslemischen Bewohner Österreichs bzw. Europas enden. Und sollte irgendeiner von euch der Ansicht sein, dass ich übertreibe, dann nehmt ein Geschichtsbuch und lest nach, was in diesem Europa Menschen anderen Menschen angetan haben. Es gibt keinen Grund, warum das alles nicht wieder passieren könnte.

Der klassische Verdrängungskonflikt, den es momentan gibt sind die Rohinga in Myanmar. Eine nicht integrierte Bevölkerungsgruppe, die durch Einwanderung und hohe Geburtenrate größer geworden ist und die einheimische Bevölkerung immer mehr verdrängt. Die einheimische Bevölkerung steht den Rohinga logischerweise mit Hass und Verachtung gegenüber. Ist eine Situation einmal so weit fortgeschritten, sind friedliche Lösungen praktisch nicht mehr möglich.

Die dümmsten Politiker sagen vorher: Seid lieb und nett zueienander!

Und wenn die Scherben auf der Straße und die Leichen in den Gräben liegen meinen sie:

Wie hat denn das nur passieren können?

Wir haben es also mit 3 grundlegenden Problemen zu tun:

1. Das Integrationsproblem

2. Das Mengenproblem

3. Die Kulturgrenzenverschiebung

Da die jetzige Integrationspolitik der Sozialdemokratie (Die Grünen zähle ich jetzt einfach dazu), die überwiegend fördert aber weder fordert, überprüft noch Konsequenzen zieht, jahrzehntelanges Nichtfunktionieren der Integration zur Folge gehabt hat, betrachte ich diese Art von Integrationspolitik als gescheitert.

Zu 1.: Es gibt aus meiner Sicht nur eine einzige Möglichkeit. Man muss klar definieren, was Integration für uns bedeutet, das muss man den Einwanderern mitteilen, man muss einen Zeitraum definieren, in dem die Integration bewerkstelligt werden muss, und danach muss das überprüft werden. Diejenigen, die sich bemühen ein Teil unserer Gesellschaft zu werden, die sollen unabhängig von Religion, Kultur, Rasse, Herkunft oder Muttersprache herzlich willkommen sein und sollen Menschen 1. Klasse sein und nicht Menschen 2., 3. oder 5.Klasse. Und denen, die das im Integrationszeitraum nicht können oder wollen, denen sollten wir höflich aber eindeutig die Richtung ihres Heimatlandes zeigen, d.h. sie sollten zurückgeführt werden. Ich wäre nach erfolgreicher Integration sogar dafür, eine Probezeit von zusätzlichen 10 – 20 Jahren einzuführen, in denen die Aufenthaltsbewilligung aberkannt werden kann, wenn sich die erfolgreiche Integration als Irrtum herausstellen sollte. Aus diesem Grund bin ich auch für eine vorübergehend verpflichtende Doppelstaatsbürgerschaft, weil man einem Doppelstaatsbürger eine Staatsbürgerschaft entziehen und ihn wieder zurückschicken kann. Wenn man 5-10 Jahre als Integrationszeitraum nimmt, dann könnte diese Vorgangsweise in 10-20 Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Situation führen. Ziel muss es sein, dass die hier befindlichen Einwanderer zum überwiegenden Teil gut integriert sind, damit die Menschen gute Erfahrungen mit ihnen machen können und sich dadurch die Stimmgungslage ändert.

Zu 2.: Ich halte es, solange die Integration nicht funktioniert, für extrem gefährlich, den Prozentsatz an moslemischen Einwohnern weiter zu erhöhen. Dies ist vor allem für die jetzt hier lebenden Moslems eine Gefahr, da dies zu einer Eskalation führen könnte, mit allen damit verbundenen Folgen, die gerade diese Personengruppe treffen würde. Aus diesem Grund bin ich für einen vorübergehenden Einwanderungsstopp für moslemische Einwanderer. Hat man die Integration zum Funktionieren gebracht und hat sich dadurch die Stimmungslage verbessert, kann man sich überlegen wie man das neu gestaltet, womit ich schon beim nächsten Punkt bin.

Zu 3.: Man könnte die einseitige Kulturverschiebung verhindern, indem man ein Prinzip anwendet, das ich als selektives Austauschprinzip bezeichne. (Zum Austauschprinzip siehe Art.1 über das Thema Bevölkerungspolitik). Wenn man aus moslemischen Länder nur so viele Leute einwandern lässt, wie umgekehrt Leute in diese Länder auswandern, dann würde dies langfristig nicht zu einer Verschiebung sondern zu einer Vermischung führen. Vermischung unter Ausschaltung von Verdrängungseffekten und funktionierende Integration könnte eine Methode sein, das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen langfristig zu bewerkstelligen.

Der Staat bei dem man das an besten ausprobieren könnte wäre meines Erachtens Tunesien. Der Staat ist relativ klein, die bevölkerungspolitischen Probleme halten sich da in Grenzen, und demokratisch, im Gegensatz zur Türkei, die aus diesem Grund für die Aufnahme in die EU momentan völlig ungeeignet ist. Und wenn das hier im Kleinen funktioniert, könnte man das später bei größeren Staaten genauso machen. Im Gegensatz zu vielen anderen Österreichern bin ich langfristig nicht dagegen, die Türkei in die EU aufzunehmen. Natürlich nicht in der jetzigen Verfassung, sondern erst nachdem sich das Land zur demokratischen Gesellschaft entwickelt hat. Aber auch dann braucht man einen realpolitisch funktionierenden Weg. In einem Staat, mit einem Pass und einer Währung ohne Grenzkontrollen mit dem Motorrad von der portugiesischen Atlantikküste bis zum Ararat zu fahren, das wäre lässig, mich würde es freuen, wenn es eines Tages klappt. Ich glaube aber nicht, dass ich das noch erleben werde, das braucht Zeit, viel Zeit.

Und nun zur Sozialdemokratie!

Ich formuliere es provokant. Die Integrationspolitik der Sozialdemokraten ist geprägt durch 3 Vorgangsweisen: Ein paar Kurse anbieten, die Augen vor der Realität verschließen und jeden, der sich über die Missstände beschwert, als Neonazi beschimpfen. Damit hat man nicht nur wesentlich zum Nichtfunktionieren der Integration beigetragen sondern hat auch noch die eigene Wählerschaft verärgert und zur Radikalisierung beigetragen. Bevölkerungspolitik und Integration sind zwei Hauptgründe, aus denen die Leute der SPÖ und den Grünen davongelaufen sind. Und die es noch nicht gemacht haben, sind ratlos. Ich habe nicht das Gefühl, dass es in meiner persönlichen Umgebung auch nur eine einzige Person gibt, die der Sozialdemokratie die Lösung von Integrationsproblemen überhaupt noch zutraut. Die Erwartungshaltung an die Sozialdemokratie ist am absoluten Nullpunkt! Wenn man einmal erlebt hat, wie Eltern über ihr Kind im Schulalter diskutieren, das in eine Klasse mit 60% Migrationshintergrund geht und in dem die Mädchen von männlichen moslemischen Jugendlichen angehalten werden sich nicht „haram“ zu kleiden, dann weiß man, die werden nie wieder SPÖ oder Grün wählen. Die Integrationspolitik ist ein sozialdemokratisches Desaster.

Dabei hat das Umdenken in der SPÖ bereits begonnen. Und lustigerweise sind es die Feminist/inn/en (mit denen ich ja nicht immer 100%ig einer Meinung bin), die auf die Barrikaden gehen. Viele sind nicht mehr bereit zu dulden, dass Frauen von bestimmten Einwanderergruppen als Menschen 2.Klasse behandelt werden (Da bin ich mit den Feminist/inn/en übrigens ganz einer Meinung, ein seltener Moment!). Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in der Vorarlberger SPÖ jetzt schon eine deutliche Mehrheit für das Kopftuchverbot im öffentlichen Raum gibt. Und auch die Grünen sind am Nachdenken. Dass bei Demonstrationen Männer und Frauen (mit Kopftuch) getrennt demonstrieren müssen, scheint auch für die Grünen zu viel des Guten zu sein.

Dabei zeigt gerade das Kopftuch wie zwiespältig die Situation ist. Ich habe ein Gespräch mit einer perfekt integrierten herzallerliebsten konservativen jungen Muslima (mit Kopftuch) geführt, in dem sie sich darüber beschwert hat, dass man ihr das Tragen des Tuches verbieten will, sich aber gleichzeitig über die Nichtintegration ihrer Landsleute geärgert hat.

Ich bin bei der SPÖ, weil ich einer Partei angehören will, die versucht, auch schwierige Probleme auf eine liebenswürdige, menschliche und soziale Weise zu lösen. In diesem Satz stecken aber nicht nur die Worte liebenswürdig, menschlich und sozial sondern auch das Wort lösen. Und das heißt, dass die Politik so liebenswürdig, menschlich und sozial als möglich sein sollte, aber auch so konsequent wie notwendig, um die Probleme tatsächlich zu lösen. Niemand hat etwas davon, wenn Probleme auf liebenswürdige Art und Weise nicht gelöst werden. Damit bewirkt man mitunter das Gegenteil von dem, was man eigentlich will. Und in diesem Bereich hat sich bereits zu vieles zum Negativen entwickelt. Und das sollten wir aufhalten, sonst wird’s gefährlich.

Die Sozialdemokratie braucht ein funktionierendes Integrationskonzept, sonst wird es ein schlimmes Ende mit den Türken nehmen.

Freundschaft

Peter

 

 

 

 

 

37.Lieber Christian, liebe SPÖ

Offener Brief zurück!

Lieber Christian, liebe SPÖ

Ich bin langjähriges SPÖ Mitglied und einigermaßen unzufrieden. Vor 2-3 Jahren war ich derart entsetzt über meine Partei, dass ich mir überlegt habe auszutreten und zum ersten Mal in meinem Leben FPÖ zu wählen. Stattdessen habe ich mich entschlossen wieder politisch aktiv zu werden.

Ich bin kein Linker, sondern einer der wenigen aus der politischen Mitte, die der Partei noch nicht davongelaufen sind. Meine Kritik entspricht, wie ich aus diversen Diskussionen inzwischen weiß, dem, was viele in den letzten Jahren zu ÖVP und FPÖ davor aber auch zu den Grünen vertrieben hat. Inzwischen hat sich vieles gebessert, doch bei weitem nicht alles.

Das Diskussionspapier ist ein gutes Beispiel dafür.

Zuerst die positiven Punkte:

Dass dem Naturschutz große Bedeutung beigemessen wird ist notwendig, die Hainburg-SPÖ hat man hoffentlich hinter sich gelassen.

Die Betonung der Wirtschaft ist erfreulich, ohne funktionierende Wirtschaft kein Sozialstaat.

Das liberale Gesellschaftsbild ist gut, das bedarf keines weiteren Kommentars.

Die SPÖ ist eine soziale Partei, das ist selbstverständlich.

Nun zu den Problemen:

Allgemein: Man merkt dem Text an, dass die SPÖ in den letzten 30 Jahren an den linken Rand gerutscht ist. Marxisten und Feminist/inn/en sind fixe Bestandteile der SPÖ, aber sie sind nicht die Mitte der Partei und schon gar nicht die Mitte der Gesellschaft. Man kann nicht Politik für die linken 20% der Gesellschaft machen und sich dann wundern, dass man von 80% nicht gewählt wird.

Einzelne konkrete Beispiele:

Punkt 20 (Anmerkung: aus dem Diskussionspapier der SPÖ) ist eine glatte Selbstlüge. Der Rechtspopulismus ist auf die Unfähigkeit der Sozialdemokratie zurückzuführen Migrations- und Integrationsprobleme zu lösen.

Die Migration ist einer der wesentlichen Gründe für die schwarzblaue Koalition. Wer es nicht glaubt, soll einfach die Leute fragen, die in jüngster Zeit zu ÖVP und FPÖ gewechselt sind. Das Thema wird im Diskussionspapier gerade einmal „kurz“ erwähnt. Das zeigt, wie planlos die SPÖ in diesem Bereich ist.

Der Bereich Integration ist nett formuliert, da die Integration einzelner Gruppen mit dieser Politik über Jahrzehnte nicht funktioniert hat, aber nicht ausreichend.

Es wird die Privatisierung kritisiert. Dass die SPÖ mit Misswirtschaft und Selbstbedienungsmentalität dazu beigetragen hat, wird verschwiegen.

Viel wird von Demokratie geredet, allerdings ohne zu erwähnen, dass die demokratischen Strukturen der SPÖ Nachkriegsniveau haben, und somit alles andere als modern sind. Demokratie muss man machen, nicht nur davon reden!

Dem politischen Gegner wird autoritäres und undemokratisches Verhalten vorgeworfen. Dass am linken Rand der SPÖ völlig selbstverständlich Länder wie Kuba oder die frühe Sowjetunion verherrlicht werden, also Staaten in denen ich als überzeugter Demokrat im Gefängnis sitzen würde, darüber will man nicht reden.

Die Wirtschaftskrise 2008 wird erwähnt, dass die Krise u.a. durch staatliche Schuldenmacherei verursacht worden ist, hat die SPÖ scheinbar nicht mitbekommen, wohl deswegen, weil viele in der SPÖ am liebsten so weitermachen würden.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist für mich moralische Selbstverständlichkeit, der Feminismus ist mir, wie vielen anderen in der politischen Mitte, aber zu radikal und zu autoritär. Eigentlich steht er im Widerspruch zu den liberalen Grundwerten, die an anderer Stelle im Diskussionspapier formuliert werden.

Ein Bereich der völlig fehlt, ist Parteibuchwirtschaft und Machtmissbrauch.

Zusammengefasst sind Migration, Integration, Budgetpolitik, Staatswirtschaft, Frauenpolitik, Demokratie, Machtmissbrauch u.a. für jemanden aus der politischen Mitte derzeit keine Gründe SPÖ zu wählen.

Darum ein paar Tipps:

Kein linker Sozialismus: Sucht euch eine Truppe in der auch Leute aus der Mitte vorhanden sind, am besten auch Leute, die der SPÖ davongelaufen sind, und dann macht ein Programm mit dem alle können.

Keine Feindbilder: Die SPÖ sollte Politik für Menschen machen und nicht gegen. Das zweite ist für viele abschreckend.

Keine halben Sachen: Die SPÖ war schon in der Zeit, in der ich beim VSSTÖ war, also am Ende der Ära Kreisky, 20 Jahre hinten, heute sind es 50 Jahre. Wenn ihr jetzt 40 Jahre aufholt seit ihr immer noch 10 Jahre zurück. Also macht es richtig!

Keine Selbstbeweihräucherung: Die SPÖ hat in den letzten 30 Jahren in vielen Bereichen schlechte Politik gemacht. Das wissen sowieso alle. Also sprecht es selber an. Dann wissen die Leute wenigstens, dass man kapiert hat, dass etwas schief gelaufen ist.

Keine Schuldzuweisungen: An der schlechten Politik der SPÖ sind nicht die anderen Schuld. Der SPÖ ist die Fähigkeit zur selbstkritischen Betrachtung völlig abhanden gekommen.

Realismus und Vernunft: Die SPÖ hat es geschafft diese beiden Dinge zu rechten Begriffen zu machen. Wenn alle, die realistisch und vernünftig sind, rechts wählen, dann bleibt die schwarzblaue Regierung noch 100 Jahre.

Schwierige Themen: Es macht keinen Sinn, schwierige Themen zu verschweigen. Die Leute haben dann berechtigterweise das Gefühl, das die SPÖ in diesen Bereichen unfähig ist.

Funktionierende Lösungen (Der wichtigste Punkt): In den oben genannten Themenbereichen (Migration, Integration, Budgetpolitik, Staatswirtschaft, Frauenpolitik, Demokratie, Machtmissbrauch u.a.) sehe ich in dem Diskussionspapier keine funktionierenden Lösungen. Viele trauen der SPÖ funktionierende Politik in diesen Bereichen eigentlich nicht mehr zu. Also redet nicht um den heißen Brei, sondern macht es so konkret als irgend möglich. Da muss man aber zuerst einmal funktionierende Lösungen haben und da schaut es in der SPÖ momentan ziemlich düster aus.

Die SPÖ muss sich meines Erachtens entscheiden: Wollt ihr eine linkssozialistische Partei sein, o.k.. Dann seid aber mit 20% zufrieden. Und früher oder später wird es euch dann so gehen, wie den Sozialisten in Frankreich mit Macron oder den italienischen Sozialdemokraten mit den 5 Sternen. Und dann bin ich weg. Wollt ihr eine sozialdemokratische Volkspartei sein, besser. Dann bleibe ich. Aber dann muss sich was ändern!

Freundschaft

Peter

36. Mikroökonomie und Makroökonomie, Neudefinition

Mikroökonomie

und

Makroökonomie,

Neudefinition

Ich habe in meiner Studentenzeit die Idee gehabt, volkswirtschaftliche Formeln so zu verallgemeinern, dass man mit ihnen das Verhalten aller Lebewesen in allen Lebensräumen beschreiben kann . Die letzten 10 Artikel haben sich mit diesem Thema befasst. Meine Vorgangsweise war, zuerst ein Modell für kleine Gesellschaften zu entwerfen und dann zahlenmäßig immer größere Gesellschaften zu betrachten. Dies hat zuerst zur Quantisierten Nutzenfunktion geführt, die meines Erachtens das Verhalten einzelner Lebewesen gut beschreibt.

Quantisierte Nutzenfunktion

Grafik h

Die Quantisierte Nutzenfunktion beschreibt den Zusammenhang zwischen der Gütermenge Y und dem Nutzen N für eine einzelnes Individuum.

Die Anwendung auf ganze Lebensräume mit einer größeren Zahl an Individuen hat aber nicht funktioniert, was dann zur Entstehung des Gründergesetzes geführt hat.

Gründer

Das Gründergesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der Relativen Bevölkerungsdichte und der durchschnittlichen Lebensqualität in einem Lebensraum mit begrenzten Ressourcen.

Die letzten Artikel beschreiben diese Entwicklung. Es beginnt bei der Einpersonengesellschaft in einem abgeschlossenen System (Art.28 Das Antarktisproblem und der fette Börsenmakler) und endet bei der Betrachtung ganzer Nationen in einem offenen System (Art.35 Die Biologik der NSDAP und Das Prinzip der aggressiven Gruppe).

Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass die von mir formulierten Gesetzmäßigkeiten bereits beschrieben wurden. Die Quantisierte Nutzenfunktion habe ich zu meiner Überraschung in einem Religionsbekenntnis gefunden (Art.29 Ratatuille, das Jahreszeitenproblem und die Ökonomische Quantentheorie). Das Gründergesetz habe ich auch an einem Ort gefunden, den ich nicht erwartet hätte und zwar in den Büchern der Mikroökonomie. Dort kann man es finden, aber unter anderem Namen, das klassische Ertragsgesetz. Hier 2 verschiedene Darstellungen aus dem Internet:

ertragskurve-2

 

ertragsgesetz.png

Das Klassische Ertragsgesetz

Das Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen einem Produktionsfaktor und dem Ertrag Y. Die orange Kurve ist der Ertrag Y. Die dunkelblaue Kurve ist der Grenzertrag, also die erste Ableitung oder die Steigung, sie ist dort am höchsten, wo die orange Kurve am steilsten ist. Die entscheidende Kurve ist die hellblaue Kurve e, der Durchschnittsertrag. Man kann leicht sehen, dass die Kurve e dem Gründergesetz sehr ähnlich ist, nur flacher, das hängt aber von der Skalierung ab.

Die Ertragsfunktion wurde zuerst von einem französischen Ökonomen namens Anne Robert Jacques Turgot (1727 – 1781) beschrieben und zwar für die Landwirtschaft, also z.B. Ertrag einer bestimmten landwirtschaftlichen Fläche. Man kann sie aber auch für andere Produktionssituationen verwenden, wie z.B. Fabriken. In der Form habe ich sie kennengelernt.

Stellen wir uns eine landwirtschaftliche Fläche mit der Fläche A (= area) vor und als Produktionsfaktor Landarbeiter. Dann stellt das Ertragsgesetz bzw. die Linie e den Durchschnittsertrag Y/n in Abhängigkeit von der Anzahl n (n = number) der Landarbeiter dar. Mathematisch:

Y/n = Y/n(n)

oder in Worten: Der Durchschnittsertrag Y/n ist eine Funktion der Anzahl der Landarbeiter n.

Betrachten wir jetzt das Gründergesetz. Reduziert man die Lebensqualität auf die in einem Lebensraum zur Verfügung stehende Nahrung oder Gütermenge Y (eigentlich der genutzte Anteil des Lebensraumes), dann ist die durchschnittliche Lebensqualität die Nahrung oder Gütermenge dividiert durch die Gesamtzahl der im Lebensraum befindlichen Individuen n, also Y/n. Die relative Bevölkerungsdichte ist die Bevölkerungsdichte = n/A dividiert durch die max. Bevölkerungsdichte und die ergibt sich aus der maximal möglichen Nahrungsmenge oder Ertrag im Lebensraum Yg (g = gesamt) dividiert durch das Existenzminimum E und die Fläche A, wobei ich immer von einem Betrachtungszeitraum T ausgehe also Yg(T) und E(T). Die relative Bevölkerungsdichte ist also n/[Yg(T)/E(T)], die Fläche kürzt sich weg. Yg(T)/E(T) ist aber in einem bestimmten Lebensraum eine Konstante. Übrig bleibt für die Funktion also:

Y/n = Y/n(n)

oder in Worten: Die durchschnittliche Lebenqualität Y/n ist eine Funktion der Anzahl der Individuen n. D.h. es sind weitgehend identische oder zumindest sehr ähnliche Funtionen.

Man muss aber ein bißchen aufpassen. Im Gründergesetz fasse ich alle Effekte der Bevölkerungsdichte zusammen, z.B. auch genetische Vorteile großer Gruppen, es gibt also auch ein paar Unterschiede.

Woher kommt die Übereinstimmung? Man muss sich einfach vorstellen, die landwirtschaftliche Fläche ist der Lebensraum und die Landarbeiter sind die Bewohner des Lebensraumes. Das Entscheidende ist die Betrachtungsweise. In beiden Fällen werden alle Individuen oder Landarbeiter im Lebensraum oder der Landwirtschaft betrachtet, deswegen kommt man auf die gleichen Gesetze, und das gilt im Prinzip für alle Lebensräume und alle Lebewesen bzw. für alle Betriebe und alle Arten von Arbeitern, Hauptsache die Ressourcen im Lebensraum sind begrenzt. Weil das so ist, eignet sich diese Regel bestens für eine bioökonomische (= Biologie + Ökonomie) Definition des Begriffes Makroökonomie.

Die Makroökonomie betrachtet das Verhalten aller Lebewesen in einem Lebensraum mit begrenzten Ressourcen.

Lebewesen sind dabei zumeist Individuen einer Tierart, es können aber auch Individuen unterschiedlicher Tierarten sein, wenn sie um die gleichen begrenzten Ressourcen konkurrieren.

Der wesentliche Unterschied des Gründergesetzes zum Ertragsgesetz ist, dass ich über das Existenzminimum eine max. Bevölkerungsdichte eingeführt habe und daraus ein bevölkerungsökonomisches Gesetz gemacht habe, für mich persönlich das wichtigste Gesetz der Makroökonomie. Die wichtigste makroökonomische Größe ist meines Erachtens die relative Bevölkerungsdichte. Mir ist unverständlich, dass diese Größe in den Büchern der Makroökonomie nicht vorkommt, im Index makroökonomischer Bücher findet man den Begirff der Bevöllkerungsdichte nicht. Wie können die Makroökonomen etwas über den wirtschaftlichen Zustand eines Staates aussagen, wenn sie nicht wissen, wieviele Menschen überhaupt versorgt werden müssen? Glauben die vielleicht, dass in einem Land wie Österreich 500 Mill Menschen leben können? Unsinn! Ich gebe euch daher einen provokanten Tipp:

Wenn in einem Buch über Makroökonomie der Begriff der Bevölkerungsdichte nicht vorkommt, dann kauft das Buch nicht. Denn egal wie günstig es auch immer sein mag, es ist das Geld nicht wert!

Wie hoch die Lebensqualität des einzelnen Individuums bei durchschnittlicher Gütermenge Y/n tatsächlich ist kann man über die Quantisierte Nutzenfunktion herausfinden. Diese Funktion steckt also sowohl im Begriff der durchschnittlichen Lebensqualität als auch über das Existenzminimum in der max. Bevölkerungsdichte. Genaugenommen ist das Gründergesetz eine Anwendung der Quantisierten Nutzenfunktion auf alle Lebewesen eines ganzen Lebensraumes, so ist es ja auch entstanden. Auch hier ist meines Erachtens die Betrachtungsweise entscheidend. Betrachtet man einzelne Lebewesen in einem Lebensraum mit begrenzten Ressourcen, kann man den Nutzen immer mit der Quantisierten Nutzenfunktion beschreiben, man kommt also immer auf die gleiche Gesetzmäßigkeit. Deswegen eignet sich diese Regel für die bioökonomische Definition des Begriffes Mikroökonomie:

Die Mikroökonomie betrachtet das Verhalten einzelner Lebewesen in einem Lebensraum mit begrenzten Ressourcen.

Jetzt ist es an  der Zeit dieses Kapitel abzuschließen. Die Tabelle ist eine Zusammenfassung der letzten Artikel:

Ökonomische Quantentheorie:

Tabelle

Das Existenzminimum E(T) also die zum Überleben des Betrachtungszeitraumes T notwendige Gütermenge E ist dabei ein bioökonomisches Quantum. Es gibt viele bioökonomische Quanten. Niemand kauft ein halbes Auto, macht keinen Sinn, das Auto ist also auch ein Quantum, aber das Existanzminimimum ist mit Abstand das wichtigste, also das bioökonomische Fundamentalquantum.

Es ist ein seltsamer Moment. Damit habe ich eine Idee, die ich vor 25 Jahren gehabt habe, zu Ende gebracht. Wenn ich Volkswirtschaft studiert hätte, wäre das so nicht möglich gewesen. Es waren die Anregungen aus der Physik, Mathematik, Chemie, Biologie und insbesondere der Vergleichenden Verhaltensforschung also der Naturbeobachtung, die mich beeinflusst haben.

Ob das jemals eine Bedeutung haben wird, weiss ich nicht, vielleicht versinken all meine Überlegungen irgendwo im bedeutungslosen Nirwana des Datenchaos. Aber ich habe es zumindest probiert.

Freundschaft

Peter

 

35. Die Biologik der NSDAP und Das Prinzip der aggressiven Gruppe

Adolf Hitler

Die Biologik der NSDAP

und

Das Prinzip der aggressiven Gruppe

Uns ist immer gepredigt worden, das 3.Reich sei einzigartig und der Holocaust das  schlimmste Verbrechen aller Zeiten. Doch schon in meiner Schülerzeit war ich der Meinung, dass das nicht stimmt. 3.Reiche hat es viele gegeben und Massenmorde ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte menschliche Geschichte. Der 2.Weltkrieg war einfach nur größer, weil es mehr Menschen zum Sterben und bessere Waffen zum Töten gegeben hat. Und ich hatte schon als Schüler das Gefühl, dass da ein Mechanismus dahinter steckt, der solche Dinge immer wieder auf ähnliche Art und Weise passieren lässt. Ich bilde mir ein, den Mechanismus gefunden zu haben. Das war vor ca. 20 Jahren, also etwa 15 Jahre nachdem ich den Mechanismus vermutet habe. Es war eher Zufall, ein Nebenprodukt der quantisierten Nutzenfunktion und des Gründerexperiments, wobei beide, besonders das zweite Gesetz damals noch nicht in der heutigen Form existiert haben, aber so ähnlich.

Kurze Wiederholung:

Die quantisierte Nutzenfunktion

Grafik h

Die quantisierte Nutzenfunktion beschreibt einen Zusammenhang zwischen einer Gütermenge Y(T), die in einem Betrachtungszeitraum T zur Verfügung steht und dem daraus entstehenden Nutzen. Der wichtigste Punkt ist E(T) das Existenzminimum, also die Gütermenge E, die man braucht um den Betrachtungszeitraum T zu überleben.

Gründer

Das 2.Gesetz ist das Gründergesetz, das einen Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Lebensqualität und relativer Bevölkerungsdichte herstellt. Man kann die Lebensqualität auch als Durchschnittsnutzen betrachten, Nutzen und Lebensqualität sind daher ähnliche Begriffe.

Dieser Artikel handelt vom Zustand der absoluten Überbevölkerung. Am besten versteht man die Situation anhand eines Beispiels.

Machen wir ein Gedankenexperiment!

Nehmen wir ein abgeschlossenes Tal, das im Betrachtungszeitraum T = 4 Monate einer Tierart Yg(T) (= Gesamtgütermenge im Zeitraum T) 60000 Gütereinheiten zur Verfügung stellt. Das Existenzminimum pro Monat beträgt 10 Gütereinheiten, in 4 Monaten also E(T) = 40 Gütereinheiten. Es leben 1200 Individuen der Tierart im Tal.

Dividiert man die gesamte Gütermenge Y(T) durch das Existenzminimum E(T) 60000/40 = 1500, das ist die maximale Bevölkerungsdichte, mehr Individuen können den Betrachtungszeitraum im Tal nicht überleben. Das Verhältnis aus Einwohnerzahl zu maximaler Bevölkerungsdichte 1200/1500 = 0,8 oder 80% ist die relative Bevölkerungsdichte. Das Tal ist dicht besiedelt, so nehmen wir an.

Jetzt lassen wir etwas passieren, was z.B. vor der französischen Revolution oder in Irland vor den Hungersnöten passiert ist.

Am 8. Juni 1783 brach der Vulkan Lakagígar in Island aus und zwar bis zum 17. Februar 1784, dazu kam der parallele Ausbruch benachbarter Vulkane. Die ausgespuckten Aschewolken führten in ganz Europa zu jahrelanger Abkühlung und Missernten mit Hungersnöten, einer der Auslöser der französischen Revolution. Die Bastille wurde gestürmt, weil man darin Getreidevorräte vermutete, so mein Wissensstand.

In Irland wurde die Kartoffel etwa 1588 eingeführt, angeblich aus Plünderungen gestrandeter Schiffe der von den Engländern besiegten spanischen Armada. Die Kartoffel wächst in Irland hervorragend, was zu einer Bevölkerungsexplosion führte, bis die Kartoffelfäule eingeschleppt wurde, die mehrere Ernten vernichtete. In der großen Hungersnot von 1845 bis 1852 starben über 1 Mill Menschen, mehr als 2 Mill wanderten aus. Die dramatische Entwicklung kann man an folgender Grafik ersehen:

Irland

Wir nehmen also z.B. eine Veränderung (Klima oder anderes) an mit dem Effekt, dass die zur Verfügung stehende Gesamtgütermenge von 60000 auf 40000 sinkt. Die maximale Bevölkerungsdichte sinkt daher von 1500 auf 1000 (= 40000/40). Die relative Bevölkerungsdichte steigt dadurch von 80% auf 1200/1000 = 1,2 oder 120 Prozent. Dies ist der Zustand absoluter Überbevölkerung. Jetzt wird’s interessant, was passiert?

Es gibt wie so oft mehrere Möglichkeiten. Wir nehmen der Einfachheit halber an, die Gütermenge ist einfach da und kann beliebig aufgeteilt werden. Eines ist klar. Da nur Güter für 1000 Individuen da sind, werden max. 1000 überleben. Nach dem Zeitraum T müssen also mindestens 200 gestorben sein. Probieren wir einfach.

Nehmen wir zuerst an, die 1200 Bewohner des Tales sind sozial und teilen. Dann hat jeder einzelne 40000/1200  = ca. 33 Gütereinheiten zur Verfügung, das ist aber zu wenig, zum Überleben braucht man mindestens 40, so die Annahme, d.h. alle müssen sterben. Im Falle des sozialen Teilens wird also niemand überleben. Große Katastrophe!

Gut, andere Annahme, das Verhalten ist 3 Monate sozial. Dann sind 1200 x 30 = 36000 Gütereinheiten aufgebraucht und noch 4000 übrig. Das langt für den letzten Monat gerade noch für 4000/10 = 400 Individuen, mindestens 800 müssen sterben.

Nehmen wir als nächstes an, die Bewohner des Tales sind 2 Monate lang sozial. Dann sind 1200 x 20 = 24000 Gütereinheiten aufgebraucht, es sind also noch 40000 – 24000 = 16000 übrig. Damit könnten theoretisch noch 16000/20 = 800 Individuen überleben, 400 müssen sterben.

Bei 1 Monat sozialem Handeln wären es theoretisch 933, die noch überleben könnten, 267 müssten sterben.

Wird nicht sozial gehandelt, d.h. lässt man von vornherein 200 verhungern oder bringt sie einfach um, dann können 1000 also das Maximum überleben. Den Kannibalismus lasse ich der Einfachheit halber weg, da ist mir das Rechnen jetzt einfach zu mühsam.

Seht ihr, worauf das Ganze hinausläuft?

In einer Situation der absoluten Überbevölkerung gibt es keine soziale, friedliche oder gewaltfreie Lösung!

Je schneller und effektiver egoistisch bzw. gewalttätig gehandelt wird umso besser das Ergebnis. Sobald sozial gehandelt wird, verschlechtert sich die Ausgangslage für alle. Dabei ist Gewalt in dieser Situation nicht einmal das Schlimmste. Stellt euch vor, ihr hättet die Wahl erschossen zu werden oder zu verhungern bzw. an Tuberkulose (typische Erkrankung bei schlechter Versorgung) zu sterben. Ich würde das Erste wählen.

(Kurzer Einschub: Würde die Bevölkerungszahl nicht 1200 sondern 700 betragen, dann wäre die Situation anders. Die Reduktion der max. Bevölkerungsdichte von 1500 auf 1000 wäre kein Problem. Man sieht daran sehr einfach, dass soziale Sicherheit von der Bevölkerungsdichte abhängt. Je weniger Einwohner, umso sicherer die Lebensgrundlage!!)

Ok, was jetzt. Wie spielt sich eine solche Situation in der Realität ab. 200 müssen sterben und keiner will dazu gehören. Es gibt schon wieder zahlreiche Möglichkeiten und die hängen davon ab, um welche Tierart es sich handelt. Eine typische Lösung sind Rangordnungen. Die Ranghöheren essen zuerst, die Rangniedrigeren kriegen nichts und verhungern. Viele Tierarten machen es tatsächlich so, manche lassen auch die eigenen Kinder verhungern. Der menschliche Feudalismus ist so eine Rangordnung, es gibt aber noch viele andere in der menschlichen Gesellschaft. Auch Kannibalismus ist eine Strategie. Auch soziales bzw. friedliches Handeln gibt es, mit oben geschilderten Folgen.

Der interessanteste Fall sind Lebewesen die große Gruppen bilden und Gewalt ausüben können, also „hochentwickelte soziale“ Lebewesen, Menschen. Menschen sind in so einer Situation dazu im Stande genau das zu tun, was theoretisch ideal ist. Sie können sich zu großen Gruppen organisieren und bringen eine notwendig erscheinende Zahl an Individuen oder sich gegenseitig um. Das geschieht zwar nicht immer aber doch regelmäßig. Aber wer bringt wen um? Nach welchem Kriterium wird entschieden wer zu einer Gruppe gehört und wer nicht. Antwort: beliebig. Jedes Unterscheidungsmerkmal und jeder Mechanismus ist recht, wenn nur eine Zugehörig erkannt werden kann. Es kann die Zugehörigkeit zu einer Familie sein, zu einer Religionsgemeinschaft, einer Kultur, Sprache, Partei, Region, gesellschaftlichen Schicht usw. . Wenn also eine kleinere Gruppe von den anderen identifiziert werden kann und diese sich in der Minderheit bzw. in der schwächeren Position befindet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass genau die auf der Strecke bleibt. Sie werden von der stärkeren Gruppe ermordet. Und das ist in dieser Situation nicht einmal asozial, weil durch diese Handlungsweise eine maximale Anzahl von Individuen überleben kann. Und weil das so ist, ist es in dieser Situation eine logische bzw. bio-logische Handlungsweise. Eine solche Gruppe, die durch Gewalt den eigenen Lebensraum bzw. die eigene Lebensgrundlage auch auf Kosten anderer sichert, nenne ich eine „aggressive Gruppe“.

Es gibt zahlreiche Begriffe, die für aggressive Gruppen stehen. 2 allgemein bekannte sind Rudel und Nation. Das Rudel hat ein Revier, die Nation ein Staatsgebiet jedenfalls meistens, der Mechanismus ist der Gleiche.

Jetzt kommt ein wichtiger Punkt. Die oben geschilderte Situation, nämlich dass man vorher weiß, wie viele Gütereinheiten zur Verfügung stehen, ist eine Vereinfachung, die zumeist nicht zutrifft. Oft hat man nur eine grobe unsichere Abschätzung künftiger Entwicklungen. „Die Zukunft, ungewiss sie ist.“, wie schon Meister Yoda zu sagen pflegte. Deshalb versuchen Menschen, wie auch andere intelligente Lebewesen, soweit sie dazu im Stande sind, zukünftige Entwicklungen abzuschätzen und verhalten sich dementsprechend. Für das Verhalten von Lebewesen ist daher nicht nur die momentane Situation entscheidend sondern die Entwicklung der Situation bzw. wie sie gesehen wird, sprich die „Erwartungshaltung“. Die Bildung aggressiver Gruppen geschieht daher nicht nur in einer Situation der absoluten Überbevölkerung sondern prinzipiell, um für zukünftige Ereignisse gewappnet zu sein. Die Bereitschaft tatsächlich gewalttätig zu reagieren steigt mit der relativen Bevölkerungsdichte und der negativen Erwartungshaltung. Das ist das Prinzip der aggressiven Gruppe:

Die Wahrscheinlichkeit gewalttätigen Verhaltens durch aggressive Gruppen ist umso größer je höher die relative Bevölkerungsdichte und umso negativer die Erwartungshaltung.

Dies ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Gesetze sozialen Verhaltens vieler sozialer Tierarten einschl. des Menschen. Da der Mensch als sicherlich höchst entwickelte Tierart zur Bildung besonders großer, gut organisierter Gruppen im Stande ist, tritt dieses Gesetz beim Menschen besonders deutlich zu Tage.

So, nächster Schritt.  Wir machen jetzt aus dem geschlossenen Tal ein offenes System. Es können Individuen ins Tal einwandern oder auswandern. Die Auswanderung aus dem Tal entschärft die Situation im Tal und senkt die Anzahlt der notwendigen Todesfälle (siehe oben am Beispiel Irland). Problem: Außerhalb des Tales leben wahrscheinlich Individuen derselben Tierart, für die sich die Situation verschlechtert, die werden nicht begeistert sein. Wie müsste sich eine große aggressive Gruppe verhalten, um all ihren Individuen das Überleben zu sichern und für die Zukunft die besten Lebensbedingungen zu ermöglichen? Im Prinzip ist es logisch. Einerseits müsste sie die Minderheit im eigenen Tal ermorden oder vertreiben, andererseits müsste sie die Umgebung erobern und mit deren Bewohnern dasselbe machen. Also:

  1. Vernichtung oder Vertreibung der Minderheiten im eigenen Tal oder Lebensraum.
  2. Eroberung von zusätzlichem Lebensraum.
  3. Vernichtung oder Vertreibung der Lebewesen im eroberten Gebiet.

Genau an dieser Stelle war ich vor ca. 20 Jahren zum ersten Mal. Mir ist plötzlich aufgefallen, dass ich dieses Schema kenne, vergleicht selber:

  1. Vernichtung oder Vertreibung der Juden, Zigeuner, Behinderten und politischen Gegner.
  2. Eroberung neuer Siedlungsgebiete für Deutsche („Lebensraum im Osten“).
  3. Vernichtung und Vertreibung der dort ansässigen Bevölkerung.

Die Vorgangsweise entspricht exakt dem politischen Programm bzw. der Vorgangsweise der NSDAP oder des 3.Reiches.

Die Anwendung der quantisierten Nutzenfunktion auf einen offenen absolut überbevölkerten Lebensraum führt direkt zur politischen Vorgangsweise der NSDAP und des 3.Reiches.

Zwischen den ersten Versuchen einer Definition der quantisierten Nutzenfunktion in meiner Studentenzeit und dieser Aussage liegen ca. 10 Jahre.

Einen Konflikt, der auf die Vertreibung oder Vernichtung eines anderen Bevölkerungsteils ausgelegt ist, bzw. in dem aggressive Gruppen um Lebensraum und Ressourcen kämpfen, bezeichne ich als Verdrängungskonflikt. Da es dabei um existentielle Grundlagen geht, werden solche Konflikte oft mit äußerster Brutalität ausgetragen.

Man kann dieses Schema mehr oder weniger vollständig bzw. mit lokalen Abweichungen auch in vielen eigentlich den meisten anderen Krisensituationen finden. Der momentanen Destabilisierung vieler arabischer und afrikanischer Staaten ist z.B. eine Phase massiven Bevölkerungswachstums vorausgegangen also steigende relative Bevölkerungsdichte. Ähnlich war es auch am Anfang des 20.Jhr. , am besten sieht man das am Beispiel eines Herrn namens Adolf Hitler. Die Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung Wiens in den letzten 200 Jahren.

Wienbevölkerung

Die höchste Bevölkerungszahl hatte Wien etwa 1910 mit über 2 Mill Einwohnern, nach einer Zeit der Bevölkerungsexplosion auch durch Zuwanderung aus dem Osten darunter viele Juden. Es war eine Zeit großer Massenarmut, die durch die Bevölkerungsexplosion mitverursacht wurde. Es waren vor allem die Arbeiter, also die sozial Schwächsten, die unter der zunehmenden Konkurrenz um Ressourcen sprich Arbeit und Wohnraum besonders zu leiden hatten (Siehe dazu auch den letzten Artikel Nr. 34: Das Gründerexperiment). Adolf Hitler hat von 1907 bis 1913 in Wien gewohnt, also genau in dieser Zeit. Und er war zeitweise im Obdachlosenasyl und im Männerheim, war also einer der Verlierer dieser Zeit. Er hat die Auswirkungen der beschriebenen Mechanismen hautnah miterlebt. Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass diese Dinge zusammenhängen, also kein Zufall sind. Darauf aufmerksam gemacht hat mich ein deutscher Philharmoniker und Afrikareisender aus Düsseldorf, mit dem ich in Westuganda über den letzten Genozid in Ruanda und die Bevölkerungsentwicklung diskutiert habe. Das war am Virunga-Nationalpark, also dem Gebiet, in das die Menschen aus Ruanda 1994 vor dem Massenmord geflohen sind. Die Situation dort war übrigens ganz ähnlich, ebenfalls vorhergehende Bevölkerungsexplosion.

Dass der Erste und der Zweite Weltkrieg in einer Phase massiven Bevölkerungswachstums passiert sind, passt auch ins Konzept. Für mich waren das Überbevölkerungskriege. Insbesondere der 2.Weltkrieg passt exakt. Bevölkerungswachstum, dazu die Weltwirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit (das entspricht einer Verschlechterung der Versorgungslage mit Erhöhung der relativen Bevölkerungsdichte) und dementsprechend negativer Erwartungshaltung. Dazu ein politischer Führer der zum Zeitpunkt höchster Bevölkerungsdichte in Wien selbst Opfer der daraus entstehenden Missstände war. Als Ergebnis das 3.Reich, der „Idealtypus einer Aggressiven Gruppe“ mit dem anschließenden Gemetzel, das ich als allgemein bekannt betrachte.

Doch wir sind noch nicht fertig.

Aggressive Gruppen sind nach außen aggressiv, nach innen kann das ganz anders ausschauen, da können ausgesprochen soziale Handlungsweisen praktiziert werden. Am deutlichsten sieht man das bei Menschen mit faschistoidem Gedankengut. Ein Paradebeispiel ist die vor einigen Jahren verstorbene Hannelore Honecker, die ehemalige First Lady der DDR. Sie wurde als ausgesprochener sogar liebenswürdiger Familienmensch beschrieben. Politisch war sie eine linke Fanatikerin, die noch kurz vor ihrem Tod ihre Bereitschaft zeigte, politische Gegner (z.B. aufmüpfige Sozialdemokraten wie mich) gnadenlos zu ermorden. Solche Menschen besitzen ein ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken, alles was gut ist wird gefördert, was man für schlecht hält, wird vernichtet. Ich habe eine alte Nationalsozialistin gekannt, die der Hannelore Honecker sogar ähnlich geschaut hat, und die einen ganz ähnlichen Charakter gehabt hat. Nur, dass die politischen Ansichten entgegengesetzt waren. Nach innen liebenswürdiger Familienmensch, nach außen gnadenloser Hass auf das, was man als Feind empfindet, die Juden zum Beispiel.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel habe ich in Buchform in meiner Studentenzeit auf einem Flohmarkt erworben:

„Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“

Vom J.F.Lehmanns Verlag – München – Berlin 1943

Ich habe in meiner Studentenzeit eine Rezension über dieses Buch geschrieben und finde es immer noch höchst spannend, weil es die zu Grunde liegenden biologischen Mechanismen zeigt. Nur anders als sich die Autorin, eine Fr.Dr.Johanna Haarer (ihr könnt in Wikipedia über sie nachlesen) sich das vermutlich gewünscht hätte. Das Buch wurde übrigens in NS-bereinigter Form auch nach dem Krieg aufgelegt. Medizinisch ist es soweit ich das als Arzt aber nicht Gynäkologe beurteilen kann ausgezeichnet. Das Buch enthält eine Widmung von „Georg“, Wien, 18.Feb.1944.

In dem Buch werden Informationen über Schwangerschaft, Geburt und Kinderbetreuung korrekt oft geradezu liebenswürdig dargeboten und andererseits mit Rassenwahn und Kriegsmentalität verbunden. Geradezu erschreckend interessant! Dieses Beisammensein von Liebe und Hass hat mich schon immer fasziniert. Merke:

Aggressive Gruppen sind typischerweise nach außen aggressiv und nach innen sozial!

Man muss sich über folgenden Zusammenhang im Klaren sein. Artgenossen umbringen ist nicht wirklich etwas Schönes. Man ist ein Mörder, und das will eigentlich niemand sein. Definiert man den, der ermordet werden soll, aber als böse oder schädlich, dann ist das Ermorden plötzlich etwas Gutes oder zumindest notwendiges. Man wird vom Mörder zum Held. Auf die Art und Weise fällt es Mitgliedern aggressiver Gruppen leicht, das biologisch Unvermeidliche zu tun. Da der Mensch in seiner Entstehungsgeschichte unzählige Male existentielle Notsituationen überleben musste, ist diese Reaktionsweise tief in uns verwurzelt. Rassismus ist daher keineswegs reines Psychopathentum sondern eine in bestimmten Situationen biologisch sinnvolle Grundeinstellung. Deswegen tritt das Phänomen in diesen Situationen auch immer wieder auf. Ich habe in Sri Lanka einen singhalesischen Rechtsradikalen kennengelernt. Der rassistische Hass auf die Tamilen hat mich sofort an Hannelore Honecker bzw. die alte Nazidame erinnert. Wir sind von dem singhalesischen Rassisten übrigens äußerst gastfreundlich bewirtet worden.

Rassismus ist ein biologischer Trick, um es Menschen oder prinzipiell Lebewesen zu erleichtern etwas zu tun, was normalerweise biologisch unsinnig ist. Leider sind Rassisten meistens zu blöd oder zu engstirnig, um solche Zusammenhänge verstehen zu können. Ein Adolf Hitler wäre dazu vermutlich nicht im Stande gewesen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die Ausdrücke „biologisch sinnvoll“ oder „ideal“ nicht im Sinne von moralisch erstrebenswert verwende. Ganz im Gegenteil, ich verabscheue derartige politische Grundeinstellungen. Mir geht es hier nur um die Mechanismen. Ich bin davon überzeugt, dass man die Mechanismen verstehen muss, um derartige Entwicklungen zu verhindern.

Schauen wir uns einmal die 5 Buchstaben an:

NSDAP Nationalsozialistische Deutsche ArbeiterPartei

Partei steht für die Organisationsform. Nationalsozialistisch steht für eine aggressive Gruppe, nach außen national-aggressiv nach innen sozial. Deutsch ist das Erkennungsmerkmal, das die Zugehörigkeit zur aggressiven Gruppe definiert, oder natürlich wer nicht dazu gehört. Und Arbeiter sind genau die Bevölkerungsgruppe, die am Schwächsten ist, daher am meisten unter bevölkerungspolitischen Fehlentwicklungen leidet und damit am sensibelsten reagiert bzw. am deutlichsten die Tendenz zu aggressiv nationalistischem Verhalten zeigt. Außerdem war es damals in den Städten die größte Bevölkerungsgruppe. Es ist faszinierend, wie viel Biologie in diesen 5 Buchstaben steckt.

Das Rattenexperiment:

Ich habe mir, um das Prinzip der aggressiven Gruppe experimentell zu beweisen ein Experiment ausgedacht. Die Idee ist damals vor 20 Jahren entstanden, ich habe sie nie umgesetzt, ihr werdet gleich sehen warum. Die Versuchsobjekte wären Ratten, aber nicht Laborratten sondern freilebende Ratten. Ratten sind hochintelligent, sozial und können extrem aggressiv bzw. gewalttätig sein. Damit sind sie dem Menschen ausgesprochen ähnlich. Meine Idee war folgende. Man könnte einige Ratten in einem künstlichen Lebensraum halten und ihnen jeden Tag eine bestimmte Menge Futter geben. Sie würden sich vermehren und den Lebensraum bald mit max. Bevölkerungsdichte ausfüllen. Dann könnte man die Futtermenge schlagartig verringern, auf z.B. 25% der Ursprungsmenge, und schauen, was passiert. Es wäre möglich, dass die Situation durch Rangordnung gelöst wird. Möglich wäre aber auch, dass es zur aggressiven Gruppenbildung mit Krieg und Massakern kommt. Es wäre auch interessant zu beobachten, ob das Verhalten durch die Anwesenheit unterschiedlicher Familien, Rassen etc. beeinflusst wird. Würde mich nicht wundern, wenn sich die Ratten genauso verhalten würden wie die Nazis. Wenn es klappt, wäre das ein ausgesprochen brutales Experiment, da beobachte ich lieber die Natur.

Der nächste Punkt: Die Anwesenheit unterschiedlicher Gruppen, die sich nicht verstehen, ist in einer solchen Situation ein Katalysator für die Entstehung aggressiven Gruppenverhaltens. Insbesondere, wenn das Gefühl entsteht, verdrängt zu werden. So können Verdrängungskonflikte auch dann entstehen, wenn noch keine Überbevölkerungsproblematik gegeben ist. Aus diesem Grund messe ich der Integrationspolitik zwischen unterschiedlichen Gruppen aller Art besondere Bedeutung zu. Dass ich mit der diesbezüglichen Vorgangsweise der SPÖ und der Grünen nicht zufrieden bin, wird Thema von Artikel 37 sein.

Die beschriebenen Mechanismen sind auch Ursache dafür, dass niemand in einer Minderheitensituation leben möchte. In Notsituationen mit aggressiver Gruppenbildung sind Minderheiten in der schwächeren Position und Gewalt und Willkür meist wehrlos ausgeliefert. Aus diesem Grund versuchen Völker unabhängig zu sein, um genau diese Minderheitensituation zu verhindern. Dies ist meines Erachtens eine wesentliche Triebfeder zur Bildung von Nationalstaaten. Es gibt in Europa 1 Volk und 1 Religionsgemeinschaft, die quer über den Kontinent in vielen Staaten Minderheiten sind, Zigeuner und Juden. Beide können ein Lied davon singen, was das bedeutet.

Die Juden sind besonders interessant. Nach den zahllosen Verfolgungen ist die Idee eines eigenen Judenstaates entstanden, um einen Ort auf der Welt zu haben, an dem man nicht mehr anderen Menschen ausgeliefert ist. So ist Israel entstanden. Nach der Gründung haben sich Juden aus aller Welt aufgemacht, um in Israel eine neue Heimat zu finden. Israel ist dadurch in ein Überbevölkerungsproblem gerutscht. Ergebnis: Rechtsruck, wobei neuerdings offen über die völkerrechtswidrige Annexion des Westjordanlandes debattiert wird, „Lebensraum im Osten“! Es ist verblüffend, wie die biologischen Mechanismen immer wieder auf die gleiche Weise wirken. Und selbst die, die am allermeisten darunter gelitten haben, sind dagegen nicht immun, alles Menschen oder Tiere oder Lebewesen, wie Du und Ich.

Die Schilderungen erklären, warum ich mit der momentanen Politik so unzufrieden bin. Man hat in letzter Zeit in die dichtest besiedelten europäischen Staaten hunderttausende bis Millionen moslemischer Einwanderer importiert, obwohl die Integration dieser Religionsgruppe über Jahrzehnte hinweg nicht funktioniert hat. Man schafft sich also bewusst eine Überbevölkerungssituation mit einer gut abgrenzbaren unbeliebten Bevölkerungsgruppe. Wenn jetzt eine Wirtschaftskrise wie 1929 dazu kommt, dann sind wir genau dort, wo wir schon einmal waren, dann werden die Moslems von heute zu den Juden von morgen. Super habt ihr das gemacht, ich bin stolz auf euch!

Ich habe vor der Dummheit der Gutmenschen mindestens genau so viel Angst, wie vor der Gewaltbereitschaft der Bösmenschen.

Denn die einen legen mit ihrer Unfähigkeit Zusammenhänge zu verstehen und Probleme zu lösen, den anderen den Roten Teppich aus!

Ich fasse zusammen:

Überbevölkerung und existenziell negative Erwartungshaltung erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Bildung aggressiver Gruppen. Die daraus möglicherweise entstehenden Verdrängungskonflikte werden zumeist mit äußerster Brutalität ausgetragen. Will man derartige Konflikte vermeiden muss man die Ursachen vermeiden: Überbevölkerung bzw. Bevölkerungswachstum in dicht besiedelten Ländern, negative Erwartungshaltung und schlechte Integration unterscheidbarer Gruppen.

Zur Vermeidung notwendig sind also:

  1. Restriktive Bevölkerungspolitik insbesondere in dicht besiedelten Staaten.
  2. Stabilität: politisch, wirtschaftlich und sozial.
  3. Funktionierende Integrationspolitik zwischen allen unterscheidbaren Gruppen.

Das Wort „Funktionieren“ wird große Bedeutung im Artikel 37 über Integrationspolitik haben.

Freundschaft

Peter

 

 

 

34. Das Gründerexperiment

Mit 15 bin ich zum ersten Mal über Deutschland geflogen. Der Blick aus dem Fenster hat ein Land gezeigt, dass bis zum Horizont aus Städten, Dörfern, Feldern und Nutzwäldern besteht. Mein erster Gedanke: Unglaublich, wie dicht besiedelt dieses Land ist!

 

Santa Cruz del Islote

Dieser Lebensraum ist voll.

Das Gründerexperiment

Dieses Gedankenexperiment hat eine lange Vorgeschichte. Die ersten Überlegungen gehen auf meine Studentenzeit zurück, also die Zeit, in der ich als Studentenvertreter für den VSSTÖ und die Kritische Medizin in Innsbruck tätig war. Ich habe immer wieder zum Teil mit großem Zeitaufwand daran herumgebastelt. Die letzten Änderungen sind erst in letzter Zeit also nach 30 Jahren dazugekommen.

Das Gründerexperiment mündet in das Gründergesetz, das meines Erachtens die wichtigste theoretische Grundlage sozialdemokratischer und ökologischer Politik ist, jedenfalls für mich. Die Missachtung der darin beschriebenen Zusammenhänge erklärt in hohem Maße die schwierige Situation, in der sich sozialdemokratische und grüne Parteien heute europaweit befinden. Es erklärt andererseits in einfacher Weise, warum sogenannte rechts- aber weniger häufig auch linkspopulistische Parteien momentan so erfolgreich sind, die fast 2/3 Mehrheit der katholisch-nationalistischen Parteien in Österreich ist ein Beispiel dafür.

Wie in vielen anderen Fällen auch, bin ich irgendwann draufgekommen, dass es dieses Gesetz in der Volkswirtschaft bereits gibt, allerdings an anderer Stelle, die meines Erachtens falsch ist. Davon später bzw. in einem der nächsten Artikel mehr.

Das eigentliche Problem, das mich zum Gründerexperiment geführt hat, war die Begrenztheit des Lebensraumes bzw. der Ressourcen. Mir war aus verschiedensten Tierfilmen und persönlichen Beobachtungen klar, dass das Verhalten von Lebewesen einerseits von dem Bedürfnis gelenkt wird, selbst am Leben zu bleiben und sich fortzupflanzen, andererseits von der Begrenztheit der Ressourcen eines Lebensraumes, was Überleben nur für eine begrenzte Anzahl von Lebewesen möglich macht. Ich habe in den letzten Artikeln beschrieben, wie man das Verhalten einzelner Lebewesen aber auch von Gruppen von Lebewesen mit der quantisierten Nutzenfunktion beschreiben kann. Das hat sich aus meiner Sicht als sehr erfolgreich erwiesen. Da die quantisierte Nutzenfunktion für kleine Verhältnisse, also für Einzelpersonen und kleine Gruppen, so gut geeignet ist, habe ich versucht, diese Funktion so zu verändern, dass man sie für ganze Lebensräume anwenden kann. Über viele Jahre hinweg habe ich die Funktion immer wieder abgewandelt und mich in immer wiederkehrende Widersprüche verwickelt. Gleichzeitig habe ich mich mit anderen Themen beschäftigt. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ein anderes Gedankenexperiment besser geeignet ist, Lebensräume zu beschreiben, das Gründerexperiment. Schlussendlich haben sich die beiden Denklinien wieder vereint. Davon am Ende dieses Artikels.

Ich habe lange überlegt, ob ich für dieses Experiment eine Insel oder ein Tal verwenden soll. Eigentlich ist es egal. Eine Insel ist ein abgeschlossener Lebensraum. Das macht es einfacher sich bestimmte Zusammenhänge zu überlegen, weil Einflüsse von außen nicht vorkommen. Ich habe mich aber gerade deswegen für das Tal entschieden, weil man ein abgeschlossenes Tal (z.B. durch hohe umgebende Berge) gedanklich jederzeit durch einen Pass in ein offenes System umwandeln kann. Das macht den nächsten Schritt einfacher.

Macht mit mir ein Gedankenexperiment!

Stellt euch ein Tal vor mit einem ebenen Talboden. Links und rechts steigen die Hänge des Tales langsam auf und enden in einem unüberwindbaren Gebirge. Das Tal ist abgeschlossen. Die linke und die rechte Seite des Tales sind symmetrisch. Der Talboden ist der ideale Lebensraum für das Lebewesen, das wir betrachten, Mensch Tier, Pflanze, ist eigentlich egal. Der Einfachheit halber nehme ich eine Tierart, bei der jedes einzelne Individuum oder Paar ein Revier bestimmter Größe besetzt. Da jeder Mensch eine bestimmte landwirtschaftliche Fläche benötigt, passt das auch gut zur Tierart Mensch. Die Talhänge sind weniger ideale Lebensräume, wobei die Lebensbedingungen umso schlechter sind, je höher man am Hang ist.

Tal

Tal in Island

Der Einfachheit nehme ich an, dass sich die Verhältnisse in dem Tal während des Gedankenexperimentes nicht ändern, also keine Klimaänderung und kein technischer Fortschritt.

So, jetzt nehmen wir an, dass durch irgendeinen nicht üblichen Prozess eine neue Tierart in das Tal kommt und dieses besiedelt. Wir überlegen uns jetzt einfach was passiert und wie es den Lebewesen dabei geht, genauer überlegen wir uns wie hoch die Lebensqualität der Lebewesen zu jedem Zeitpunkt der Besiedelung ist.

Der Name „Gründergesetz“ kommt vom Gründereffekt, einem Begriff aus der Genetik, den ich aus meiner Zeit als Medizinstudent kenne. Wenn eine kleine Anzahl von Menschen einen neuen Lebensraum besiedelt, kann man später bei allen Bewohnern des Lebensraumes genetische Eigenschaften der ersten Siedler, der Gründer, finden, das ist der Gründereffekt.

Gut, nehmen wir an, es kommt ein Lebewesen oder eine Person in das Tal, z.B. Robinson Crusoe. Allein wird er sich nicht vermehren können, das Tal wird nicht besiedelt, Lebensqualität null.

Nehmen wir an, es sind 2 Personen. Dann wird’s schon besser, vorausgesetzt es sind Männchen und Weibchen und richtiges Alter, sonst passiert das Gleiche. Aber danach Inzucht, nicht gut. Lebensqualität gering.

Nehmen wir an, es ist eine Gruppe. Dann sind wahrscheinlich Männchen und Weibchen darunter und es gibt eine gewisse genetische Variabilität. Die Besiedelung kann funktionieren. Lebensqualität deutlich besser.

Man sieht schon an diesem ersten Beispiel, dass hier die Lebensqualität mit der Größe der Gruppe und damit mit der Bevölkerungsdichte steigt. Dieses Problem der kleinen Zahlen kennt man auch bei Tierarten, die vor der Ausrottung stehen. Ist die Zahl der restlichen Individuen zu klein, ist der Genpool zu klein und diese Genarmut führt zu Behinderungen und erhöhter Krankheitsanfälligkeit mit dem Ergebnis, dass der Bestand gefährdet ist.

Am Anfang der Besiedelung gibt es einen Zeitraum, in dem sich Neuankömmlinge an den neuen Lebensraum anpassen müssen. Das kann durch Verhaltensänderungen oder über mehrere Generationen durch genetische Anpassung erfolgen. In dieser Zeit steigt die Lebensqualität unabhängig von der Bevölkerungsdichte, nach der Anpassung verschwindet dieser Effekt.

Bei gruppenbildenden Tierarten führt eine höhere Anzahl von Individuen zur möglichen Gruppenbildung mit Spezialisierung von Tätigkeiten und damit höherer Effektivität bei der Erfüllung verschiedenster Aufgaben. Beim Menschen ist dieser Effekt sehr ausgeprägt, einer der wichtigsten Ursachen steigender Lebensqualität durch höhere Bevölkerungsdichte.

Diese Effekte führen am Anfang der Besiedelung zu steigender Lebensqualität bei steigender Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte ist, umso schwächer werden diese Effekte, die Zunahme der Lebensqualität erfolgt daher immer langsamer.

Solange der ideale Lebensraum also der Talboden nur lückenhaft besiedelt ist, geht dieser Prozess immer weiter. Da genügend  Platz da ist, müssen sich die Nachkommen nur einen freien Platz nehmen und diesen besiedeln, alles gut.

Mit der Zeit wird der ideale Lebensraum immer voller, es wird für die Nachkommen immer schwieriger einen freien Platz zu finden. Das ist der Moment, wo die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte zum Tragen kommen. Es entsteht Konkurrenz um Lebensraum, der immer knapper wird. Das gilt in identischer Art und Weise auch für andere knappe Ressourcen, der Einfachheit halber nehme ich nur den Lebensraum. Es gibt einen Punkt an dem die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte die positiven Effekte übersteigen. Ab diesem Moment nimmt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte nicht mehr zu sondern ab. Da die Lebensqualität bis zu diesem Punkt mit der Bevölkerungsdichte gestiegen ist, herrscht hier maximale Lebensqualität. Aus diesen Gründen nenne ich diesen Punkt die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Wichtig!:

Die ideale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand in dem der ideale Lebensraum also der Talboden noch nicht vollständig besetzt ist!

Vermehrt sich die Tierart oder das Lebewesen, das wir betrachten, weiter, dann ist der ideale Lebensraum irgendwann voll. Wenn zusätzliche Lebewesen auf die Welt kommen, dann muss jemand auf den Hang ausweichen, aber wer? Antwort ganz einfach, der Schwächere. Das lässt sich durch zahllose Beobachtungen aus dem Tierreich aber auch aus der menschlichen Gesellschaft belegen. Das ist ein Effekt, den ich lange übersehen habe. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass lediglich die durchschnittliche Lebensqualität sinkt und dass alle gleichmäßig betroffen sind. Für die Starken ist das aber nicht das große Problem, solange sie sich im idealen Lebensraum behaupten können. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft sogar den Effekt, dass Stärkere von Bevölkerungswachstum profitieren, während sozial Schwächere Schaden nehmen. Derartige Effekte sind gerade für die Sozialdemokratie besonders wichtig. Davon weiter unten mehr.

Besiedelung

Mexiko Stadt von oben, das Tal ist voll, die Stadt weicht auf die Hänge aus.

Bei weiterem Bevölkerungswachstum werden die Schwächsten immer mehr an den Rand des Hanges gedrängt, die Konkurrenz um Lebensraum wird immer härter, die Lebensbedingungen für die Schwächsten werden immer schlechter, und beide Effekte führen zu ständig sinkender durchschnittlicher Lebensqualität. Sind auch die Hänge vollständig besetzt, dann ist der gesamte Lebensraum voll, dieser Zustand ist die maximale Bevölkerungsdichte. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, müssen die Überzähligen verhungern, da sie keinen Lebensraum mehr finden.

All diese Phänomene lassen sich in der Natur und beim Menschen beobachten, eines von unzähligen Beispielen, Biber. Jungtiere müssen das elterliche Revier verlassen, wenn sie erwachsen werden. Sie müssen einen freien Lebensraum und einen Geschlechtspartner finden, klappt das nicht, sterben sie oder sie können sich nicht fortpflanzen.

Schauen wir uns das in einer Grafik an.

Gründer

Bei niedriger Bevölkerungsdichte ist die Lebensqualität gering, steigt dann aber schnell an, um dann langsamer zu werden und einen Maximalwert zu erreichen, die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Anschließend sinkt sie wieder. Die Grafik erreicht dann einen Punkt, an dem der Lebensraum voll ist, die maximale Bevölkerungsdichte. Die maximale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand, in dem die Schwächsten gerade genug zum Überleben haben, sie leben am Existenzminimum. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, so wird ein Zustand erreicht, der nur vorrübergehend existieren kann, da die Schwächsten keine Lebensgrundlage mehr haben und daher sterben müssen. Dieser Zustand ist theoretisch so interessant, dass ich ihm einen eigenen Artikel widmen werde und zwar den nächsten.

Liegt die Bevölkerungsdichte unter der idealen Bevölkerungsdichte, so bezeichne ich einen Lebensraum als dünn besiedelt. Dünn besiedelt bedeutet, dass die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte steigt.

Oberhalb der idealen Bevölkerungsdichte nenne ich einen Lebensraum dicht besiedelt. Dicht besiedelt bedeutet, dass die durchschnittliche Lebensqualität mit Zunahme der Bevölkerungsdichte also mit Bevölkerungswachstum abnimmt.

Ist ein Lebensraum so dicht besiedelt, dass große Teile der Bevölkerung in Armut also in der Nähe des Existenzminimums leben müssen, nenne ich das relative Überbevölkerung. Die relative Überbevölkerung liegt auf der Grafik knapp unterhalb der max. Bevölkerungsdichte. Oberhalb der maximalen Bevölkerungsdichte nenne ich den Zustand absolute Überbevölkerung.

Der Doppelname ideale oder kritische Bevölkerungsdichte hat einen Hintergrund. Die Lebensqualität kann abhängig von der Bevölkerungsdichte ein Plateau bilden, in diesem Fall ist die ideale Bevölkerungsdichte keine Punkt sondern ein Bereich. Die kritische Bevölkerungsdichte ist dann der Punkt, wo das Plateau oder der Bereich endet. Das ist aus einem einfachen Grund wichtig. Ab diesem Punkt sinkt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte, was eine Verhaltensänderung der Lebewesen zur Folge hat. Ab hier wird Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung oder Vermehrung  als Belastung empfunden, was zunehmend ablehnendes oder aggressives Verhalten zur Folge hat.

Es kann auch 2 kritische Bevölkerungsdichten geben. Stellt euch vor, es gibt in dem Tal neben dem Talboden ein Hochplateau, dann gibt es auch bei der Lebensqualität 2 Plateaus mit 2 Punkten ab denen die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte sinkt.

Je nach Größe und Beschaffenheit des Tales können viele oder wenige Individuen im Tal leben. Entscheidend ist daher nicht die Einwohnerzahl oder die Bevölkerungsdichte sondern das Verhältnis aus Einwohnern zu den im Tal zur Verfügung stehenden Ressourcen, dieses Verhältnis nenne ich die relative Bevölkerungsdichte, das ist der wichtigste Parameter.

Die Grafik und der darin geschilderte Zusammenhang ist das Gründergesetz. Es ist so allgemein formuliert, dass man es auf alle Lebewesen in allen Lebensräumen anwenden kann. Ein unerwartetes Beispiel:

Wie kann man die Lebensqualität von Bakterien messen. Bakterien haben kein Nervensystem, von glücklich sein kann man bei Bakterien nicht reden. Wenn es Bakterien gut geht machen sie immer dasselbe, sie vermehren sich und zwar exponentiell. Betrachten wir einen Bioreaktor in dem sich Bakterien vermehren, es wird pro Zeit immer dieselbe Menge Nährstoffe zugeführt und dieselbe Menge Abfallprodukte abgeführt. Schaut man sich das Bakterienwachstum in so einem Bioreaktor an, ergibt sich folgende Kurve.

Bakterien

Bakterienwachstum in einem abgeschlossenen Lebensraum

Die lag-Phase ist die Anpassungsphase, da ist das Wachstum noch nicht exponentiell. Danach vermehrt sich das Bakterium exponentiell (exponentielle Phase), diese Phase entspricht der idealen Bevölkerungsdichte, der Bioreaktor ist noch nicht voll. Das exponentielle Wachstum endet an der kritischen Bevölkerungsdichte, hier wird die Nahrung knapp, Abfallprodukte häufen sich an, das Wachstum wird gebremst. Ab hier ist der Bioreaktor dicht besiedelt. Das Bakterienwachstum nimmt nun mit zunehmender Bevölkerungsdichte weiter ab und sinkt auf null, die Bevölkerungsdichte erreicht hier ihren Höchstwert (stationäre Phase), die maximale Bevölkerungsdichte. Die einzelnen Phasen entsprechen denen des Gründergesetzes, nur dass hier der zeitliche Ablauf dargestellt ist. Ich habe diesen Versuch hunderte Male beobachtet und zwar bei Aquarienfischen (siehe dazu Art.7: Herr Eva und Frau Adam oder Was den Menschen vom Buntbarsch unterscheidet). Exakt derselbe Ablauf, das Gründergesetz ist meines Erachtens universell.

So, jetzt stellen wir uns vor, dass sich das Klima ändert, und zwar im Sinne einer Verschlechterung. Die maximale Bevölkerungsdichte sinkt, da die Menge an Ressourcen geringer geworden ist und daher nicht mehr so viele Lebewesen im Tal leben können. Auch bei gleich bleibender Einwohnerzahl bedeutet dies ein Ansteigen der relativen Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte vorher war, umso wahrscheinlicher ist hinterher der Zustand der relativen oder absoluten Überbevölkerung, einem Zustand, der für viele absolut unerfreulich ist, insbesondere für die sozial Schwachen, die als erstes auf der Strecke bleiben. D.h.:

In einem dicht besiedelten Land ist die soziale Sicherheit umso niedriger, je höher die Bevölkerungsdichte!

Diese Situation hat sich in der Geschichte der Menschheit immer wieder ereignet. Klimaänderungen waren die Ursache der französischen Revolution, der Völkerwanderung oder auch des 30igjährigen Krieges. Vor der französischen Revolution hat es beispielsweise einen Vulkanausbruch mit anschließender Kälteperiode gegeben. Die Folge war eine Hungersnot also ein Zustand absoluter Überbevölkerung. Gehungert haben dabei nicht die Adeligen sondern die Armen und die Landbevölkerung, also die Schwächeren, exakt wie im Gründerexperiment beschrieben. Der Spruch der französischen Königin Marie Antoinette: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen“, ist zynisches Paradebeispiel für diesen Unterschied.

Jetzt machen wir aus dem abgeschlossenen System ein offenes, wir lassen Zuwanderung zu. Wenn von außen zusätzliche Individuen zuwandern, so ist das bei dünner Besiedelung kein Problem, es kann sogar positiv sein. In einem dicht besiedelten Land führt dies allerdings zu sinkender durchschnittlicher  Lebensqualität, wobei die (sozial) Schwachen davon am stärksten betroffen sind. Also:

In einem dicht besiedelten Land führt eine Erhöhung der relativen Bevölkerungsdichte durch Vermehrung, Zuwanderung und/oder eine Verschlechterung der Lebensbedingungen (z.B. durch Klimaänderung) zu sinkender durchschnittlicher Lebensqualität, wobei die sozial Schwachen am stärksten betroffen sind!

Man kann dichte Besiedelung übrigens messen (dazu Art. 10: Eins, Zwei , Viele oder Wie misst man die Bevölkerungsdichte).

Betrachten wir nun das Ganze politisch oder grün bzw. sozialdemokratisch. Eine sozialdemokratische Partei will für die Bevölkerung Wohlstand und soziale Sicherheit und zwar auch für die sozial Schwachen. Eine sozialdemokratische Partei muss daher größtes Interesse daran haben, die Bevölkerungsdichte im idealen Bereich zu halten. Bei den Grünen kommt noch hinzu, dass jeder Mensch Platz braucht, den er der Natur wegnimmt.

Bevölkerungswachstum führt zu Naturzerstörung!

Für die Grünen sollte daher die niedrigste Bevölkerungsdichte im idealen Bereich das Ziel sein.

In einem dicht besiedelten Land ergeben sich daraus 2 bevölkerungspolitische Grundsätze:

  1. Kein Bevölkerungswachstum durch Einwanderung.
  2. Freigabe aller Verhütungsmittel ohne Behinderung durch moralische, finanzielle, organisatorische oder wissensbedingte Barrieren.

Ziel: Bevölkerungswachstum verhindern, um Wohlstand und soziale Sicherheit auch für sozial Schwache  zu sichern und die Natur zu schützen.

Grundsatz:

In einem Staat mit begrenzten Ressourcen kann nur eine begrenzte Anzahl von Menschen in Wohlstand und sozialer Sicherheit leben!

Verrückterweise machen Sozialdemokraten und Grüne momentan genau das Gegenteil. „Bevölkerungswachstum durch Masseneinwanderung“ scheint das Motto zu sein. Dass diese Politik für die sozial Schwachen und die Natur im eigenen Land den größtmöglichen Schaden bedeutet, blendet man einfach aus. Man will es nicht sehen. Leute, die darauf hinweisen, werden sogar noch verbal attackiert und als unmoralisch dargestellt. In Österreich hat das dazu geführt, dass praktisch die gesamte Arbeiterschaft, die im Wirtschaftsgefüge das schwächste Glied darstellt, das Lager gewechselt hat und heute geschlossen FPÖ wählt, also eine Partei mit wirtschaftsliberaler d.h. einseitig unternehmerfreundlicher Grundeinstellung. In Deutschland wandern viele zur AFD. Verkehrte Welt! Da die SPÖ und die SPD mit ihrer Politik den Vertretungsanspruch für diese Bevölkerungsgruppe praktisch aufgegeben haben, wenden sich diese Leute denen zu, von denen sie sich besser geschützt fühlen. Und es ist ihnen nicht zu verdenken. Wenn ein (seit ein paar Tagen ehemaliger) Parteiobmann der SPD also ein sozialdemokratischer Politiker in einem dicht besiedelten Land für die Aufnahme von Einwanderern ohne Obergrenze eintritt, dann spricht es eigentlich sogar für die Intelligenz der Arbeiter, wenn sie zur AFD wechseln. Die Grünen sind kein bisschen besser. Dass in Deutschland vor allem die Sozis, in Österreich hingegen die Grünen Stimmen verlieren, hängt mit den Personen zusammen, es könnte auch umgekehrt sein. Der sogenannte Rechtsruck ist selbst verschuldet.

Meines Erachtens widerspricht die Politik der deutschen und österreichischen Grünen und Sozialdemokraten jeglicher bevölkerungspolitischer Vernunft. Beiden Parteien fällt dabei auf den Kopf, dass sie praktisch kein bevölkerungspolitisches Konzept besitzen. Die Sozialdemokraten glauben, dass man jedes Problem durch einen Betonblock lösen kann, bei den Grünen ist Jutesack stricken das Patentrezept (Ich werde jetzt langsam zynisch!). Als ökosozialer Demokrat kann ich über meine beiden Parteien nur noch den Kopf schütteln.

Apropos Betonblock. Technischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum haben den entgegengesetzten Effekt wie eine Klimaverschlechterung, d.h. im Lebensraum oder im Tal können mehr Lebewesen überleben. Das Problem: Das Tal wird dadurch nicht größer, die Ressourcen können nicht bis ins Unendliche gesteigert werden. Eigentlich werden die Ressourcen nur besser genutzt, d.h. der Wirkungsgrad steigt. Der ist aber mit 1 nach oben begrenzt, wie jeder Wirkungsgrad. Das bevölkerungspolitische Problem wird daher nicht gelöst sondern lediglich in die Zukunft verschoben.

Wie bereits erwähnt, ist Bevölkerungswachstum für Starke und Schwache nicht in gleicher Weise ein Problem, es kann sogar für die einen gut für die anderen schlecht sein. Für die Schwachen bedeutet es mehr Konkurrenz, der man nicht gewachsen ist, für die Stärkeren kann es z.B. zusätzliche Geschlechtspartner bedeuten was über die genetische Vielfalt die Überlebenschancen der Nachkommen verbessert.

In der menschlichen Gesellschaft kommt noch ein arbeitsteiliger Effekt dazu. Zuwanderung bedeutet für die Arbeitnehmer mehr Konkurrenz, für die Arbeitgeber hingegen mehr Angebot am Arbeitsmarkt, wodurch man leichter Personal bekommt bzw. Löhne und Sozialleistungen drücken kann. Sie profitieren, zumindest vorübergehend. Des einen Freud des anderen Leid.

Kurz zusammengefasst:

Bevölkerungswachstum führt in einem dicht besiedelten Land zu Naturzerstörung und sinkender durchschnittlicher Lebensqualität insbesondere der sozial Schwachen!

So lange man für dieses Problem kein vernünftiges Konzept hat, sind die Grünen und die Sozialdemokraten für mich nicht regierungsfähig. Wie so ein Konzept ausschauen könnte, habe ich in Artikel 1 geschildert (Grundprinzipien grüner und sozialdemokratischer Bevölkerungspolitik).

Zum Abschluss noch ein Hinweis. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Gründergesetz und quantisierter Nutzenfunktion.

Grafik h

Quantisierte Nutzenfunktion:

N = Nutzen, Y(T) = Gütermenge im Betrachtungszeitraum T, E(T) = Existenzminimum im Betrachtungszeitraum T

Wenn man die gesamte Gütermenge eines Lebensraumes im Betrachtungszeitraum T, Yg(T) (g für gesamt) durch das Existenzminimum E(T) dividiert, erhält man die maximale Bevölkerungszahl, dividiert durch die Fläche des Lebensraumes bekommt man die maximale Bevölkerungsdichte. Die relative Bevölkerungsdichte ist nichts anderes als die tatsächliche Bevölkerungsdichte (oder -zahl) dividiert durch die maximale Bevölkerungsdichte (oder -zahl). Man kann sie in Prozent angeben. Wenn die maximale Bevölkerungszahl Österreichs grob geschätzt 15 Mill Einwohner beträgt, dann hätten wir mit derzeit 8,82 Mill Einwohnern eine relative Bevölkerungsdichte von 8,82/15 * 100 = ca. 59 %. So hängen die beiden Gesetze zusammen, verblüffend einfach, wenn ich bedenke, wie lange ich da herumgetüftelt habe.

Freundschaft

Peter