35. Die Biologik der NSDAP und Das Prinzip der aggressiven Gruppe

Adolf Hitler

Die Biologik der NSDAP

und

Das Prinzip der aggressiven Gruppe

Uns ist immer gepredigt worden, das 3.Reich sei einzigartig und der Holocaust das  schlimmste Verbrechen aller Zeiten. Doch schon in meiner Schülerzeit war ich der Meinung, dass das nicht stimmt. 3.Reiche hat es viele gegeben und Massenmorde ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte menschliche Geschichte. Der 2.Weltkrieg war einfach nur größer, weil es mehr Menschen zum Sterben und bessere Waffen zum Töten gegeben hat. Und ich hatte schon als Schüler das Gefühl, dass da ein Mechanismus dahinter steckt, der solche Dinge immer wieder auf ähnliche Art und Weise passieren lässt. Ich bilde mir ein, den Mechanismus gefunden zu haben. Das war vor ca. 20 Jahren, also etwa 15 Jahre nachdem ich den Mechanismus vermutet habe. Es war eher Zufall, ein Nebenprodukt der quantisierten Nutzenfunktion und des Gründerexperiments, wobei beide, besonders das zweite Gesetz damals noch nicht in der heutigen Form existiert haben, aber so ähnlich.

Kurze Wiederholung:

Die quantisierte Nutzenfunktion

Grafik h

Die quantisierte Nutzenfunktion beschreibt einen Zusammenhang zwischen einer Gütermenge Y(T), die in einem Betrachtungszeitraum T zur Verfügung steht und dem daraus entstehenden Nutzen. Der wichtigste Punkt ist E(T) das Existenzminimum, also die Gütermenge E, die man braucht um den Betrachtungszeitraum T zu überleben.

Gründer

Das 2.Gesetz ist das Gründergesetz, das einen Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Lebensqualität und relativer Bevölkerungsdichte herstellt. Man kann die Lebensqualität auch als Durchschnittsnutzen betrachten, Nutzen und Lebensqualität sind daher ähnliche Begriffe.

Dieser Artikel handelt vom Zustand der absoluten Überbevölkerung. Am besten versteht man die Situation anhand eines Beispiels.

Machen wir ein Gedankenexperiment!

Nehmen wir ein abgeschlossenes Tal, das im Betrachtungszeitraum T = 4 Monate einer Tierart Yg(T) (= Gesamtgütermenge im Zeitraum T) 60000 Gütereinheiten zur Verfügung stellt. Das Existenzminimum pro Monat beträgt 10 Gütereinheiten, in 4 Monaten also E(T) = 40 Gütereinheiten. Es leben 1200 Individuen der Tierart im Tal.

Dividiert man die gesamte Gütermenge Y(T) durch das Existenzminimum E(T) 60000/40 = 1500, das ist die maximale Bevölkerungsdichte, mehr Individuen können den Betrachtungszeitraum im Tal nicht überleben. Das Verhältnis aus Einwohnerzahl zu maximaler Bevölkerungsdichte 1200/1500 = 0,8 oder 80% ist die relative Bevölkerungsdichte. Das Tal ist dicht besiedelt, so nehmen wir an.

Jetzt lassen wir etwas passieren, was z.B. vor der französischen Revolution oder in Irland vor den Hungersnöten passiert ist.

Am 8. Juni 1783 brach der Vulkan Lakagígar in Island aus und zwar bis zum 17. Februar 1784, dazu kam der parallele Ausbruch benachbarter Vulkane. Die ausgespuckten Aschewolken führten in ganz Europa zu jahrelanger Abkühlung und Missernten mit Hungersnöten, einer der Auslöser der französischen Revolution. Die Bastille wurde gestürmt, weil man darin Getreidevorräte vermutete, so mein Wissensstand.

In Irland wurde die Kartoffel etwa 1588 eingeführt, angeblich aus Plünderungen gestrandeter Schiffe der von den Engländern besiegten spanischen Armada. Die Kartoffel wächst in Irland hervorragend, was zu einer Bevölkerungsexplosion führte, bis die Kartoffelfäule eingeschleppt wurde, die mehrere Ernten vernichtete. In der großen Hungersnot von 1845 bis 1852 starben über 1 Mill Menschen, mehr als 2 Mill wanderten aus. Die dramatische Entwicklung kann man an folgender Grafik ersehen:

Irland

Wir nehmen also z.B. eine Veränderung (Klima oder anderes) an mit dem Effekt, dass die zur Verfügung stehende Gesamtgütermenge von 60000 auf 40000 sinkt. Die maximale Bevölkerungsdichte sinkt daher von 1500 auf 1000 (= 40000/40). Die relative Bevölkerungsdichte steigt dadurch von 80% auf 1200/1000 = 1,2 oder 120 Prozent. Dies ist der Zustand absoluter Überbevölkerung. Jetzt wird’s interessant, was passiert?

Es gibt wie so oft mehrere Möglichkeiten. Wir nehmen der Einfachheit halber an, die Gütermenge ist einfach da und kann beliebig aufgeteilt werden. Eines ist klar. Da nur Güter für 1000 Individuen da sind, werden max. 1000 überleben. Nach dem Zeitraum T müssen also mindestens 200 gestorben sein. Probieren wir einfach.

Nehmen wir zuerst an, die 1200 Bewohner des Tales sind sozial und teilen. Dann hat jeder einzelne 40000/1200  = ca. 33 Gütereinheiten zur Verfügung, das ist aber zu wenig, zum Überleben braucht man mindestens 40, so die Annahme, d.h. alle müssen sterben. Im Falle des sozialen Teilens wird also niemand überleben. Große Katastrophe!

Gut, andere Annahme, das Verhalten ist 3 Monate sozial. Dann sind 1200 x 30 = 36000 Gütereinheiten aufgebraucht und noch 4000 übrig. Das langt für den letzten Monat gerade noch für 4000/10 = 400 Individuen, mindestens 800 müssen sterben.

Nehmen wir als nächstes an, die Bewohner des Tales sind 2 Monate lang sozial. Dann sind 1200 x 20 = 24000 Gütereinheiten aufgebraucht, es sind also noch 40000 – 24000 = 16000 übrig. Damit könnten theoretisch noch 16000/20 = 800 Individuen überleben, 400 müssen sterben.

Bei 1 Monat sozialem Handeln wären es theoretisch 933, die noch überleben könnten, 267 müssten sterben.

Wird nicht sozial gehandelt, d.h. lässt man von vornherein 200 verhungern oder bringt sie einfach um, dann können 1000 also das Maximum überleben. Den Kannibalismus lasse ich der Einfachheit halber weg, da ist mir das Rechnen jetzt einfach zu mühsam.

Seht ihr, worauf das Ganze hinausläuft?

In einer Situation der absoluten Überbevölkerung gibt es keine soziale, friedliche oder gewaltfreie Lösung!

Je schneller und effektiver egoistisch bzw. gewalttätig gehandelt wird umso besser das Ergebnis. Sobald sozial gehandelt wird, verschlechtert sich die Ausgangslage für alle. Dabei ist Gewalt in dieser Situation nicht einmal das Schlimmste. Stellt euch vor, ihr hättet die Wahl erschossen zu werden oder zu verhungern bzw. an Tuberkulose (typische Erkrankung bei schlechter Versorgung) zu sterben. Ich würde das Erste wählen.

(Kurzer Einschub: Würde die Bevölkerungszahl nicht 1200 sondern 700 betragen, dann wäre die Situation anders. Die Reduktion der max. Bevölkerungsdichte von 1500 auf 1000 wäre kein Problem. Man sieht daran sehr einfach, dass soziale Sicherheit von der Bevölkerungsdichte abhängt. Je weniger Einwohner, umso sicherer die Lebensgrundlage!!)

Ok, was jetzt. Wie spielt sich eine solche Situation in der Realität ab. 200 müssen sterben und keiner will dazu gehören. Es gibt schon wieder zahlreiche Möglichkeiten und die hängen davon ab, um welche Tierart es sich handelt. Eine typische Lösung sind Rangordnungen. Die Ranghöheren essen zuerst, die Rangniedrigeren kriegen nichts und verhungern. Viele Tierarten machen es tatsächlich so, manche lassen auch die eigenen Kinder verhungern. Der menschliche Feudalismus ist so eine Rangordnung, es gibt aber noch viele andere in der menschlichen Gesellschaft. Auch Kannibalismus ist eine Strategie. Auch soziales bzw. friedliches Handeln gibt es, mit oben geschilderten Folgen.

Der interessanteste Fall sind Lebewesen die große Gruppen bilden und Gewalt ausüben können, also „hochentwickelte soziale“ Lebewesen, Menschen. Menschen sind in so einer Situation dazu im Stande genau das zu tun, was theoretisch ideal ist. Sie können sich zu großen Gruppen organisieren und bringen eine notwendig erscheinende Zahl an Individuen oder sich gegenseitig um. Das geschieht zwar nicht immer aber doch regelmäßig. Aber wer bringt wen um? Nach welchem Kriterium wird entschieden wer zu einer Gruppe gehört und wer nicht. Antwort: beliebig. Jedes Unterscheidungsmerkmal und jeder Mechanismus ist recht, wenn nur eine Zugehörig erkannt werden kann. Es kann die Zugehörigkeit zu einer Familie sein, zu einer Religionsgemeinschaft, einer Kultur, Sprache, Partei, Region, gesellschaftlichen Schicht usw. . Wenn also eine kleinere Gruppe von den anderen identifiziert werden kann und diese sich in der Minderheit bzw. in der schwächeren Position befindet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass genau die auf der Strecke bleibt. Sie werden von der stärkeren Gruppe ermordet. Und das ist in dieser Situation nicht einmal asozial, weil durch diese Handlungsweise eine maximale Anzahl von Individuen überleben kann. Und weil das so ist, ist es in dieser Situation eine logische bzw. bio-logische Handlungsweise. Eine solche Gruppe, die durch Gewalt den eigenen Lebensraum bzw. die eigene Lebensgrundlage auch auf Kosten anderer sichert, nenne ich eine „aggressive Gruppe“.

Es gibt zahlreiche Begriffe, die für aggressive Gruppen stehen. 2 allgemein bekannte sind Rudel und Nation. Das Rudel hat ein Revier, die Nation ein Staatsgebiet jedenfalls meistens, der Mechanismus ist der Gleiche.

Jetzt kommt ein wichtiger Punkt. Die oben geschilderte Situation, nämlich dass man vorher weiß, wie viele Gütereinheiten zur Verfügung stehen, ist eine Vereinfachung, die zumeist nicht zutrifft. Oft hat man nur eine grobe unsichere Abschätzung künftiger Entwicklungen. „Die Zukunft, ungewiss sie ist.“, wie schon Meister Yoda zu sagen pflegte. Deshalb versuchen Menschen, wie auch andere intelligente Lebewesen, soweit sie dazu im Stande sind, zukünftige Entwicklungen abzuschätzen und verhalten sich dementsprechend. Für das Verhalten von Lebewesen ist daher nicht nur die momentane Situation entscheidend sondern die Entwicklung der Situation bzw. wie sie gesehen wird, sprich die „Erwartungshaltung“. Die Bildung aggressiver Gruppen geschieht daher nicht nur in einer Situation der absoluten Überbevölkerung sondern prinzipiell, um für zukünftige Ereignisse gewappnet zu sein. Die Bereitschaft tatsächlich gewalttätig zu reagieren steigt mit der relativen Bevölkerungsdichte und der negativen Erwartungshaltung. Das ist das Prinzip der aggressiven Gruppe:

Die Wahrscheinlichkeit gewalttätigen Verhaltens durch aggressive Gruppen ist umso größer je höher die relative Bevölkerungsdichte und umso negativer die Erwartungshaltung.

Dies ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Gesetze sozialen Verhaltens vieler sozialer Tierarten einschl. des Menschen. Da der Mensch als sicherlich höchst entwickelte Tierart zur Bildung besonders großer, gut organisierter Gruppen im Stande ist, tritt dieses Gesetz beim Menschen besonders deutlich zu Tage.

So, nächster Schritt.  Wir machen jetzt aus dem geschlossenen Tal ein offenes System. Es können Individuen ins Tal einwandern oder auswandern. Die Auswanderung aus dem Tal entschärft die Situation im Tal und senkt die Anzahlt der notwendigen Todesfälle (siehe oben am Beispiel Irland). Problem: Außerhalb des Tales leben wahrscheinlich Individuen derselben Tierart, für die sich die Situation verschlechtert, die werden nicht begeistert sein. Wie müsste sich eine große aggressive Gruppe verhalten, um all ihren Individuen das Überleben zu sichern und für die Zukunft die besten Lebensbedingungen zu ermöglichen? Im Prinzip ist es logisch. Einerseits müsste sie die Minderheit im eigenen Tal ermorden oder vertreiben, andererseits müsste sie die Umgebung erobern und mit deren Bewohnern dasselbe machen. Also:

  1. Vernichtung oder Vertreibung der Minderheiten im eigenen Tal oder Lebensraum.
  2. Eroberung von zusätzlichem Lebensraum.
  3. Vernichtung oder Vertreibung der Lebewesen im eroberten Gebiet.

Genau an dieser Stelle war ich vor ca. 20 Jahren zum ersten Mal. Mir ist plötzlich aufgefallen, dass ich dieses Schema kenne, vergleicht selber:

  1. Vernichtung oder Vertreibung der Juden, Zigeuner, Behinderten und politischen Gegner.
  2. Eroberung neuer Siedlungsgebiete für Deutsche („Lebensraum im Osten“).
  3. Vernichtung und Vertreibung der dort ansässigen Bevölkerung.

Die Vorgangsweise entspricht exakt dem politischen Programm bzw. der Vorgangsweise der NSDAP oder des 3.Reiches.

Die Anwendung der quantisierten Nutzenfunktion auf einen offenen absolut überbevölkerten Lebensraum führt direkt zur politischen Vorgangsweise der NSDAP und des 3.Reiches.

Zwischen den ersten Versuchen einer Definition der quantisierten Nutzenfunktion in meiner Studentenzeit und dieser Aussage liegen ca. 10 Jahre.

Einen Konflikt, der auf die Vertreibung oder Vernichtung eines anderen Bevölkerungsteils ausgelegt ist, bzw. in dem aggressive Gruppen um Lebensraum und Ressourcen kämpfen, bezeichne ich als Verdrängungskonflikt. Da es dabei um existentielle Grundlagen geht, werden solche Konflikte oft mit äußerster Brutalität ausgetragen.

Man kann dieses Schema mehr oder weniger vollständig bzw. mit lokalen Abweichungen auch in vielen eigentlich den meisten anderen Krisensituationen finden. Der momentanen Destabilisierung vieler arabischer und afrikanischer Staaten ist z.B. eine Phase massiven Bevölkerungswachstums vorausgegangen also steigende relative Bevölkerungsdichte. Ähnlich war es auch am Anfang des 20.Jhr. , am besten sieht man das am Beispiel eines Herrn namens Adolf Hitler. Die Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung Wiens in den letzten 200 Jahren.

Wienbevölkerung

Die höchste Bevölkerungszahl hatte Wien etwa 1910 mit über 2 Mill Einwohnern, nach einer Zeit der Bevölkerungsexplosion auch durch Zuwanderung aus dem Osten darunter viele Juden. Es war eine Zeit großer Massenarmut, die durch die Bevölkerungsexplosion mitverursacht wurde. Es waren vor allem die Arbeiter, also die sozial Schwächsten, die unter der zunehmenden Konkurrenz um Ressourcen sprich Arbeit und Wohnraum besonders zu leiden hatten (Siehe dazu auch den letzten Artikel Nr. 34: Das Gründerexperiment). Adolf Hitler hat von 1907 bis 1913 in Wien gewohnt, also genau in dieser Zeit. Und er war zeitweise im Obdachlosenasyl und im Männerheim, war also einer der Verlierer dieser Zeit. Er hat die Auswirkungen der beschriebenen Mechanismen hautnah miterlebt. Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass diese Dinge zusammenhängen, also kein Zufall sind. Darauf aufmerksam gemacht hat mich ein deutscher Philharmoniker und Afrikareisender aus Düsseldorf, mit dem ich in Westuganda über den letzten Genozid in Ruanda und die Bevölkerungsentwicklung diskutiert habe. Das war am Virunga-Nationalpark, also dem Gebiet, in das die Menschen aus Ruanda 1994 vor dem Massenmord geflohen sind. Die Situation dort war übrigens ganz ähnlich, ebenfalls vorhergehende Bevölkerungsexplosion.

Dass der Erste und der Zweite Weltkrieg in einer Phase massiven Bevölkerungswachstums passiert sind, passt auch ins Konzept. Für mich waren das Überbevölkerungskriege. Insbesondere der 2.Weltkrieg passt exakt. Bevölkerungswachstum, dazu die Weltwirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit (das entspricht einer Verschlechterung der Versorgungslage mit Erhöhung der relativen Bevölkerungsdichte) und dementsprechend negativer Erwartungshaltung. Dazu ein politischer Führer der zum Zeitpunkt höchster Bevölkerungsdichte in Wien selbst Opfer der daraus entstehenden Missstände war. Als Ergebnis das 3.Reich, der „Idealtypus einer Aggressiven Gruppe“ mit dem anschließenden Gemetzel, das ich als allgemein bekannt betrachte.

Doch wir sind noch nicht fertig.

Aggressive Gruppen sind nach außen aggressiv, nach innen kann das ganz anders ausschauen, da können ausgesprochen soziale Handlungsweisen praktiziert werden. Am deutlichsten sieht man das bei Menschen mit faschistoidem Gedankengut. Ein Paradebeispiel ist die vor einigen Jahren verstorbene Hannelore Honecker, die ehemalige First Lady der DDR. Sie wurde als ausgesprochener sogar liebenswürdiger Familienmensch beschrieben. Politisch war sie eine linke Fanatikerin, die noch kurz vor ihrem Tod ihre Bereitschaft zeigte, politische Gegner (z.B. aufmüpfige Sozialdemokraten wie mich) gnadenlos zu ermorden. Solche Menschen besitzen ein ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken, alles was gut ist wird gefördert, was man für schlecht hält, wird vernichtet. Ich habe eine alte Nationalsozialistin gekannt, die der Hannelore Honecker sogar ähnlich geschaut hat, und die einen ganz ähnlichen Charakter gehabt hat. Nur, dass die politischen Ansichten entgegengesetzt waren. Nach innen liebenswürdiger Familienmensch, nach außen gnadenloser Hass auf das, was man als Feind empfindet, die Juden zum Beispiel.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel habe ich in Buchform in meiner Studentenzeit auf einem Flohmarkt erworben:

„Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“

Vom J.F.Lehmanns Verlag – München – Berlin 1943

Ich habe in meiner Studentenzeit eine Rezension über dieses Buch geschrieben und finde es immer noch höchst spannend, weil es die zu Grunde liegenden biologischen Mechanismen zeigt. Nur anders als sich die Autorin, eine Fr.Dr.Johanna Haarer (ihr könnt in Wikipedia über sie nachlesen) sich das vermutlich gewünscht hätte. Das Buch wurde übrigens in NS-bereinigter Form auch nach dem Krieg aufgelegt. Medizinisch ist es soweit ich das als Arzt aber nicht Gynäkologe beurteilen kann ausgezeichnet. Das Buch enthält eine Widmung von „Georg“, Wien, 18.Feb.1944.

In dem Buch werden Informationen über Schwangerschaft, Geburt und Kinderbetreuung korrekt oft geradezu liebenswürdig dargeboten und andererseits mit Rassenwahn und Kriegsmentalität verbunden. Geradezu erschreckend interessant! Dieses Beisammensein von Liebe und Hass hat mich schon immer fasziniert. Merke:

Aggressive Gruppen sind typischerweise nach außen aggressiv und nach innen sozial!

Man muss sich über folgenden Zusammenhang im Klaren sein. Artgenossen umbringen ist nicht wirklich etwas Schönes. Man ist ein Mörder, und das will eigentlich niemand sein. Definiert man den, der ermordet werden soll, aber als böse oder schädlich, dann ist das Ermorden plötzlich etwas Gutes oder zumindest notwendiges. Man wird vom Mörder zum Held. Auf die Art und Weise fällt es Mitgliedern aggressiver Gruppen leicht, das biologisch Unvermeidliche zu tun. Da der Mensch in seiner Entstehungsgeschichte unzählige Male existentielle Notsituationen überleben musste, ist diese Reaktionsweise tief in uns verwurzelt. Rassismus ist daher keineswegs reines Psychopathentum sondern eine in bestimmten Situationen biologisch sinnvolle Grundeinstellung. Deswegen tritt das Phänomen in diesen Situationen auch immer wieder auf. Ich habe in Sri Lanka einen singhalesischen Rechtsradikalen kennengelernt. Der rassistische Hass auf die Tamilen hat mich sofort an Hannelore Honecker bzw. die alte Nazidame erinnert. Wir sind von dem singhalesischen Rassisten übrigens äußerst gastfreundlich bewirtet worden.

Rassismus ist ein biologischer Trick, um es Menschen oder prinzipiell Lebewesen zu erleichtern etwas zu tun, was normalerweise biologisch unsinnig ist. Leider sind Rassisten meistens zu blöd oder zu engstirnig, um solche Zusammenhänge verstehen zu können. Ein Adolf Hitler wäre dazu vermutlich nicht im Stande gewesen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die Ausdrücke „biologisch sinnvoll“ oder „ideal“ nicht im Sinne von moralisch erstrebenswert verwende. Ganz im Gegenteil, ich verabscheue derartige politische Grundeinstellungen. Mir geht es hier nur um die Mechanismen. Ich bin davon überzeugt, dass man die Mechanismen verstehen muss, um derartige Entwicklungen zu verhindern.

Schauen wir uns einmal die 5 Buchstaben an:

NSDAP Nationalsozialistische Deutsche ArbeiterPartei

Partei steht für die Organisationsform. Nationalsozialistisch steht für eine aggressive Gruppe, nach außen national-aggressiv nach innen sozial. Deutsch ist das Erkennungsmerkmal, das die Zugehörigkeit zur aggressiven Gruppe definiert, oder natürlich wer nicht dazu gehört. Und Arbeiter sind genau die Bevölkerungsgruppe, die am Schwächsten ist, daher am meisten unter bevölkerungspolitischen Fehlentwicklungen leidet und damit am sensibelsten reagiert bzw. am deutlichsten die Tendenz zu aggressiv nationalistischem Verhalten zeigt. Außerdem war es damals in den Städten die größte Bevölkerungsgruppe. Es ist faszinierend, wie viel Biologie in diesen 5 Buchstaben steckt.

Das Rattenexperiment:

Ich habe mir, um das Prinzip der aggressiven Gruppe experimentell zu beweisen ein Experiment ausgedacht. Die Idee ist damals vor 20 Jahren entstanden, ich habe sie nie umgesetzt, ihr werdet gleich sehen warum. Die Versuchsobjekte wären Ratten, aber nicht Laborratten sondern freilebende Ratten. Ratten sind hochintelligent, sozial und können extrem aggressiv bzw. gewalttätig sein. Damit sind sie dem Menschen ausgesprochen ähnlich. Meine Idee war folgende. Man könnte einige Ratten in einem künstlichen Lebensraum halten und ihnen jeden Tag eine bestimmte Menge Futter geben. Sie würden sich vermehren und den Lebensraum bald mit max. Bevölkerungsdichte ausfüllen. Dann könnte man die Futtermenge schlagartig verringern, auf z.B. 25% der Ursprungsmenge, und schauen, was passiert. Es wäre möglich, dass die Situation durch Rangordnung gelöst wird. Möglich wäre aber auch, dass es zur aggressiven Gruppenbildung mit Krieg und Massakern kommt. Es wäre auch interessant zu beobachten, ob das Verhalten durch die Anwesenheit unterschiedlicher Familien, Rassen etc. beeinflusst wird. Würde mich nicht wundern, wenn sich die Ratten genauso verhalten würden wie die Nazis. Wenn es klappt, wäre das ein ausgesprochen brutales Experiment, da beobachte ich lieber die Natur.

Der nächste Punkt: Die Anwesenheit unterschiedlicher Gruppen, die sich nicht verstehen, ist in einer solchen Situation ein Katalysator für die Entstehung aggressiven Gruppenverhaltens. Insbesondere, wenn das Gefühl entsteht, verdrängt zu werden. So können Verdrängungskonflikte auch dann entstehen, wenn noch keine Überbevölkerungsproblematik gegeben ist. Aus diesem Grund messe ich der Integrationspolitik zwischen unterschiedlichen Gruppen aller Art besondere Bedeutung zu. Dass ich mit der diesbezüglichen Vorgangsweise der SPÖ und der Grünen nicht zufrieden bin, wird Thema von Artikel 37 sein.

Die beschriebenen Mechanismen sind auch Ursache dafür, dass niemand in einer Minderheitensituation leben möchte. In Notsituationen mit aggressiver Gruppenbildung sind Minderheiten in der schwächeren Position und Gewalt und Willkür meist wehrlos ausgeliefert. Aus diesem Grund versuchen Völker unabhängig zu sein, um genau diese Minderheitensituation zu verhindern. Dies ist meines Erachtens eine wesentliche Triebfeder zur Bildung von Nationalstaaten. Es gibt in Europa 1 Volk und 1 Religionsgemeinschaft, die quer über den Kontinent in vielen Staaten Minderheiten sind, Zigeuner und Juden. Beide können ein Lied davon singen, was das bedeutet.

Die Juden sind besonders interessant. Nach den zahllosen Verfolgungen ist die Idee eines eigenen Judenstaates entstanden, um einen Ort auf der Welt zu haben, an dem man nicht mehr anderen Menschen ausgeliefert ist. So ist Israel entstanden. Nach der Gründung haben sich Juden aus aller Welt aufgemacht, um in Israel eine neue Heimat zu finden. Israel ist dadurch in ein Überbevölkerungsproblem gerutscht. Ergebnis: Rechtsruck, wobei neuerdings offen über die völkerrechtswidrige Annexion des Westjordanlandes debattiert wird, „Lebensraum im Osten“! Es ist verblüffend, wie die biologischen Mechanismen immer wieder auf die gleiche Weise wirken. Und selbst die, die am allermeisten darunter gelitten haben, sind dagegen nicht immun, alles Menschen oder Tiere oder Lebewesen, wie Du und Ich.

Die Schilderungen erklären, warum ich mit der momentanen Politik so unzufrieden bin. Man hat in letzter Zeit in die dichtest besiedelten europäischen Staaten hunderttausende bis Millionen moslemischer Einwanderer importiert, obwohl die Integration dieser Religionsgruppe über Jahrzehnte hinweg nicht funktioniert hat. Man schafft sich also bewusst eine Überbevölkerungssituation mit einer gut abgrenzbaren unbeliebten Bevölkerungsgruppe. Wenn jetzt eine Wirtschaftskrise wie 1929 dazu kommt, dann sind wir genau dort, wo wir schon einmal waren, dann werden die Moslems von heute zu den Juden von morgen. Super habt ihr das gemacht, ich bin stolz auf euch!

Ich habe vor der Dummheit der Gutmenschen mindestens genau so viel Angst, wie vor der Gewaltbereitschaft der Bösmenschen.

Denn die einen legen mit ihrer Unfähigkeit Zusammenhänge zu verstehen und Probleme zu lösen, den anderen den Roten Teppich aus!

Ich fasse zusammen:

Überbevölkerung und existenziell negative Erwartungshaltung erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Bildung aggressiver Gruppen. Die daraus möglicherweise entstehenden Verdrängungskonflikte werden zumeist mit äußerster Brutalität ausgetragen. Will man derartige Konflikte vermeiden muss man die Ursachen vermeiden: Überbevölkerung bzw. Bevölkerungswachstum in dicht besiedelten Ländern, negative Erwartungshaltung und schlechte Integration unterscheidbarer Gruppen.

Zur Vermeidung notwendig sind also:

  1. Restriktive Bevölkerungspolitik insbesondere in dicht besiedelten Staaten.
  2. Stabilität: politisch, wirtschaftlich und sozial.
  3. Funktionierende Integrationspolitik zwischen allen unterscheidbaren Gruppen.

Das Wort „Funktionieren“ wird große Bedeutung im Artikel 37 über Integrationspolitik haben.

Freundschaft

Peter

 

 

 

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34. Das Gründerexperiment

Mit 15 bin ich zum ersten Mal über Deutschland geflogen. Der Blick aus dem Fenster hat ein Land gezeigt, dass bis zum Horizont aus Städten, Dörfern, Feldern und Nutzwäldern besteht. Mein erster Gedanke: Unglaublich, wie dicht besiedelt dieses Land ist!

 

Santa Cruz del Islote

Dieser Lebensraum ist voll.

Das Gründerexperiment

Dieses Gedankenexperiment hat eine lange Vorgeschichte. Die ersten Überlegungen gehen auf meine Studentenzeit zurück, also die Zeit, in der ich als Studentenvertreter für den VSSTÖ und die Kritische Medizin in Innsbruck tätig war. Ich habe immer wieder zum Teil mit großem Zeitaufwand daran herumgebastelt. Die letzten Änderungen sind erst in letzter Zeit also nach 30 Jahren dazugekommen.

Das Gründerexperiment mündet in das Gründergesetz, das meines Erachtens die wichtigste theoretische Grundlage sozialdemokratischer und ökologischer Politik ist, jedenfalls für mich. Die Missachtung der darin beschriebenen Zusammenhänge erklärt in hohem Maße die schwierige Situation, in der sich sozialdemokratische und grüne Parteien heute europaweit befinden. Es erklärt andererseits in einfacher Weise, warum sogenannte rechts- aber weniger häufig auch linkspopulistische Parteien momentan so erfolgreich sind, die fast 2/3 Mehrheit der katholisch-nationalistischen Parteien in Österreich ist ein Beispiel dafür.

Wie in vielen anderen Fällen auch, bin ich irgendwann draufgekommen, dass es dieses Gesetz in der Volkswirtschaft bereits gibt, allerdings an anderer Stelle, die meines Erachtens falsch ist. Davon später bzw. in einem der nächsten Artikel mehr.

Das eigentliche Problem, das mich zum Gründerexperiment geführt hat, war die Begrenztheit des Lebensraumes bzw. der Ressourcen. Mir war aus verschiedensten Tierfilmen und persönlichen Beobachtungen klar, dass das Verhalten von Lebewesen einerseits von dem Bedürfnis gelenkt wird, selbst am Leben zu bleiben und sich fortzupflanzen, andererseits von der Begrenztheit der Ressourcen eines Lebensraumes, was Überleben nur für eine begrenzte Anzahl von Lebewesen möglich macht. Ich habe in den letzten Artikeln beschrieben, wie man das Verhalten einzelner Lebewesen aber auch von Gruppen von Lebewesen mit der quantisierten Nutzenfunktion beschreiben kann. Das hat sich aus meiner Sicht als sehr erfolgreich erwiesen. Da die quantisierte Nutzenfunktion für kleine Verhältnisse, also für Einzelpersonen und kleine Gruppen, so gut geeignet ist, habe ich versucht, diese Funktion so zu verändern, dass man sie für ganze Lebensräume anwenden kann. Über viele Jahre hinweg habe ich die Funktion immer wieder abgewandelt und mich in immer wiederkehrende Widersprüche verwickelt. Gleichzeitig habe ich mich mit anderen Themen beschäftigt. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ein anderes Gedankenexperiment besser geeignet ist, Lebensräume zu beschreiben, das Gründerexperiment. Schlussendlich haben sich die beiden Denklinien wieder vereint. Davon am Ende dieses Artikels.

Ich habe lange überlegt, ob ich für dieses Experiment eine Insel oder ein Tal verwenden soll. Eigentlich ist es egal. Eine Insel ist ein abgeschlossener Lebensraum. Das macht es einfacher sich bestimmte Zusammenhänge zu überlegen, weil Einflüsse von außen nicht vorkommen. Ich habe mich aber gerade deswegen für das Tal entschieden, weil man ein abgeschlossenes Tal (z.B. durch hohe umgebende Berge) gedanklich jederzeit durch einen Pass in ein offenes System umwandeln kann. Das macht den nächsten Schritt einfacher.

Macht mit mir ein Gedankenexperiment!

Stellt euch ein Tal vor mit einem ebenen Talboden. Links und rechts steigen die Hänge des Tales langsam auf und enden in einem unüberwindbaren Gebirge. Das Tal ist abgeschlossen. Die linke und die rechte Seite des Tales sind symmetrisch. Der Talboden ist der ideale Lebensraum für das Lebewesen, das wir betrachten, Mensch Tier, Pflanze, ist eigentlich egal. Der Einfachheit halber nehme ich eine Tierart, bei der jedes einzelne Individuum oder Paar ein Revier bestimmter Größe besetzt. Da jeder Mensch eine bestimmte landwirtschaftliche Fläche benötigt, passt das auch gut zur Tierart Mensch. Die Talhänge sind weniger ideale Lebensräume, wobei die Lebensbedingungen umso schlechter sind, je höher man am Hang ist.

Tal

Tal in Island

Der Einfachheit nehme ich an, dass sich die Verhältnisse in dem Tal während des Gedankenexperimentes nicht ändern, also keine Klimaänderung und kein technischer Fortschritt.

So, jetzt nehmen wir an, dass durch irgendeinen nicht üblichen Prozess eine neue Tierart in das Tal kommt und dieses besiedelt. Wir überlegen uns jetzt einfach was passiert und wie es den Lebewesen dabei geht, genauer überlegen wir uns wie hoch die Lebensqualität der Lebewesen zu jedem Zeitpunkt der Besiedelung ist.

Der Name „Gründergesetz“ kommt vom Gründereffekt, einem Begriff aus der Genetik, den ich aus meiner Zeit als Medizinstudent kenne. Wenn eine kleine Anzahl von Menschen einen neuen Lebensraum besiedelt, kann man später bei allen Bewohnern des Lebensraumes genetische Eigenschaften der ersten Siedler, der Gründer, finden, das ist der Gründereffekt.

Gut, nehmen wir an, es kommt ein Lebewesen oder eine Person in das Tal, z.B. Robinson Crusoe. Allein wird er sich nicht vermehren können, das Tal wird nicht besiedelt, Lebensqualität null.

Nehmen wir an, es sind 2 Personen. Dann wird’s schon besser, vorausgesetzt es sind Männchen und Weibchen und richtiges Alter, sonst passiert das Gleiche. Aber danach Inzucht, nicht gut. Lebensqualität gering.

Nehmen wir an, es ist eine Gruppe. Dann sind wahrscheinlich Männchen und Weibchen darunter und es gibt eine gewisse genetische Variabilität. Die Besiedelung kann funktionieren. Lebensqualität deutlich besser.

Man sieht schon an diesem ersten Beispiel, dass hier die Lebensqualität mit der Größe der Gruppe und damit mit der Bevölkerungsdichte steigt. Dieses Problem der kleinen Zahlen kennt man auch bei Tierarten, die vor der Ausrottung stehen. Ist die Zahl der restlichen Individuen zu klein, ist der Genpool zu klein und diese Genarmut führt zu Behinderungen und erhöhter Krankheitsanfälligkeit mit dem Ergebnis, dass der Bestand gefährdet ist.

Am Anfang der Besiedelung gibt es einen Zeitraum, in dem sich Neuankömmlinge an den neuen Lebensraum anpassen müssen. Das kann durch Verhaltensänderungen oder über mehrere Generationen durch genetische Anpassung erfolgen. In dieser Zeit steigt die Lebensqualität unabhängig von der Bevölkerungsdichte, nach der Anpassung verschwindet dieser Effekt.

Bei gruppenbildenden Tierarten führt eine höhere Anzahl von Individuen zur möglichen Gruppenbildung mit Spezialisierung von Tätigkeiten und damit höherer Effektivität bei der Erfüllung verschiedenster Aufgaben. Beim Menschen ist dieser Effekt sehr ausgeprägt, einer der wichtigsten Ursachen steigender Lebensqualität durch höhere Bevölkerungsdichte.

Diese Effekte führen am Anfang der Besiedelung zu steigender Lebensqualität bei steigender Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte ist, umso schwächer werden diese Effekte, die Zunahme der Lebensqualität erfolgt daher immer langsamer.

Solange der ideale Lebensraum also der Talboden nur lückenhaft besiedelt ist, geht dieser Prozess immer weiter. Da genügend  Platz da ist, müssen sich die Nachkommen nur einen freien Platz nehmen und diesen besiedeln, alles gut.

Mit der Zeit wird der ideale Lebensraum immer voller, es wird für die Nachkommen immer schwieriger einen freien Platz zu finden. Das ist der Moment, wo die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte zum Tragen kommen. Es entsteht Konkurrenz um Lebensraum, der immer knapper wird. Das gilt in identischer Art und Weise auch für andere knappe Ressourcen, der Einfachheit halber nehme ich nur den Lebensraum. Es gibt einen Punkt an dem die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte die positiven Effekte übersteigen. Ab diesem Moment nimmt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte nicht mehr zu sondern ab. Da die Lebensqualität bis zu diesem Punkt mit der Bevölkerungsdichte gestiegen ist, herrscht hier maximale Lebensqualität. Aus diesen Gründen nenne ich diesen Punkt die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Wichtig!:

Die ideale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand in dem der ideale Lebensraum also der Talboden noch nicht vollständig besetzt ist!

Vermehrt sich die Tierart oder das Lebewesen, das wir betrachten, weiter, dann ist der ideale Lebensraum irgendwann voll. Wenn zusätzliche Lebewesen auf die Welt kommen, dann muss jemand auf den Hang ausweichen, aber wer? Antwort ganz einfach, der Schwächere. Das lässt sich durch zahllose Beobachtungen aus dem Tierreich aber auch aus der menschlichen Gesellschaft belegen. Das ist ein Effekt, den ich lange übersehen habe. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass lediglich die durchschnittliche Lebensqualität sinkt und dass alle gleichmäßig betroffen sind. Für die Starken ist das aber nicht das große Problem, solange sie sich im idealen Lebensraum behaupten können. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft sogar den Effekt, dass Stärkere von Bevölkerungswachstum profitieren, während sozial Schwächere Schaden nehmen. Derartige Effekte sind gerade für die Sozialdemokratie besonders wichtig. Davon weiter unten mehr.

Besiedelung

Mexiko Stadt von oben, das Tal ist voll, die Stadt weicht auf die Hänge aus.

Bei weiterem Bevölkerungswachstum werden die Schwächsten immer mehr an den Rand des Hanges gedrängt, die Konkurrenz um Lebensraum wird immer härter, die Lebensbedingungen für die Schwächsten werden immer schlechter, und beide Effekte führen zu ständig sinkender durchschnittlicher Lebensqualität. Sind auch die Hänge vollständig besetzt, dann ist der gesamte Lebensraum voll, dieser Zustand ist die maximale Bevölkerungsdichte. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, müssen die Überzähligen verhungern, da sie keinen Lebensraum mehr finden.

All diese Phänomene lassen sich in der Natur und beim Menschen beobachten, eines von unzähligen Beispielen, Biber. Jungtiere müssen das elterliche Revier verlassen, wenn sie erwachsen werden. Sie müssen einen freien Lebensraum und einen Geschlechtspartner finden, klappt das nicht, sterben sie oder sie können sich nicht fortpflanzen.

Schauen wir uns das in einer Grafik an.

Gründer

Bei niedriger Bevölkerungsdichte ist die Lebensqualität gering, steigt dann aber schnell an, um dann langsamer zu werden und einen Maximalwert zu erreichen, die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Anschließend sinkt sie wieder. Die Grafik erreicht dann einen Punkt, an dem der Lebensraum voll ist, die maximale Bevölkerungsdichte. Die maximale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand, in dem die Schwächsten gerade genug zum Überleben haben, sie leben am Existenzminimum. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, so wird ein Zustand erreicht, der nur vorrübergehend existieren kann, da die Schwächsten keine Lebensgrundlage mehr haben und daher sterben müssen. Dieser Zustand ist theoretisch so interessant, dass ich ihm einen eigenen Artikel widmen werde und zwar den nächsten.

Liegt die Bevölkerungsdichte unter der idealen Bevölkerungsdichte, so bezeichne ich einen Lebensraum als dünn besiedelt. Dünn besiedelt bedeutet, dass die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte steigt.

Oberhalb der idealen Bevölkerungsdichte nenne ich einen Lebensraum dicht besiedelt. Dicht besiedelt bedeutet, dass die durchschnittliche Lebensqualität mit Zunahme der Bevölkerungsdichte also mit Bevölkerungswachstum abnimmt.

Ist ein Lebensraum so dicht besiedelt, dass große Teile der Bevölkerung in Armut also in der Nähe des Existenzminimums leben müssen, nenne ich das relative Überbevölkerung. Die relative Überbevölkerung liegt auf der Grafik knapp unterhalb der max. Bevölkerungsdichte. Oberhalb der maximalen Bevölkerungsdichte nenne ich den Zustand absolute Überbevölkerung.

Der Doppelname ideale oder kritische Bevölkerungsdichte hat einen Hintergrund. Die Lebensqualität kann abhängig von der Bevölkerungsdichte ein Plateau bilden, in diesem Fall ist die ideale Bevölkerungsdichte keine Punkt sondern ein Bereich. Die kritische Bevölkerungsdichte ist dann der Punkt, wo das Plateau oder der Bereich endet. Das ist aus einem einfachen Grund wichtig. Ab diesem Punkt sinkt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte, was eine Verhaltensänderung der Lebewesen zur Folge hat. Ab hier wird Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung oder Vermehrung  als Belastung empfunden, was zunehmend ablehnendes oder aggressives Verhalten zur Folge hat.

Es kann auch 2 kritische Bevölkerungsdichten geben. Stellt euch vor, es gibt in dem Tal neben dem Talboden ein Hochplateau, dann gibt es auch bei der Lebensqualität 2 Plateaus mit 2 Punkten ab denen die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte sinkt.

Je nach Größe und Beschaffenheit des Tales können viele oder wenige Individuen im Tal leben. Entscheidend ist daher nicht die Einwohnerzahl oder die Bevölkerungsdichte sondern das Verhältnis aus Einwohnern zu den im Tal zur Verfügung stehenden Ressourcen, dieses Verhältnis nenne ich die relative Bevölkerungsdichte, das ist der wichtigste Parameter.

Die Grafik und der darin geschilderte Zusammenhang ist das Gründergesetz. Es ist so allgemein formuliert, dass man es auf alle Lebewesen in allen Lebensräumen anwenden kann. Ein unerwartetes Beispiel:

Wie kann man die Lebensqualität von Bakterien messen. Bakterien haben kein Nervensystem, von glücklich sein kann man bei Bakterien nicht reden. Wenn es Bakterien gut geht machen sie immer dasselbe, sie vermehren sich und zwar exponentiell. Betrachten wir einen Bioreaktor in dem sich Bakterien vermehren, es wird pro Zeit immer dieselbe Menge Nährstoffe zugeführt und dieselbe Menge Abfallprodukte abgeführt. Schaut man sich das Bakterienwachstum in so einem Bioreaktor an, ergibt sich folgende Kurve.

Bakterien

Bakterienwachstum in einem abgeschlossenen Lebensraum

Die lag-Phase ist die Anpassungsphase, da ist das Wachstum noch nicht exponentiell. Danach vermehrt sich das Bakterium exponentiell (exponentielle Phase), diese Phase entspricht der idealen Bevölkerungsdichte, der Bioreaktor ist noch nicht voll. Das exponentielle Wachstum endet an der kritischen Bevölkerungsdichte, hier wird die Nahrung knapp, Abfallprodukte häufen sich an, das Wachstum wird gebremst. Ab hier ist der Bioreaktor dicht besiedelt. Das Bakterienwachstum nimmt nun mit zunehmender Bevölkerungsdichte weiter ab und sinkt auf null, die Bevölkerungsdichte erreicht hier ihren Höchstwert (stationäre Phase), die maximale Bevölkerungsdichte. Die einzelnen Phasen entsprechen denen des Gründergesetzes, nur dass hier der zeitliche Ablauf dargestellt ist. Ich habe diesen Versuch hunderte Male beobachtet und zwar bei Aquarienfischen (siehe dazu Art.7: Herr Eva und Frau Adam oder Was den Menschen vom Buntbarsch unterscheidet). Exakt derselbe Ablauf, das Gründergesetz ist meines Erachtens universell.

So, jetzt stellen wir uns vor, dass sich das Klima ändert, und zwar im Sinne einer Verschlechterung. Die maximale Bevölkerungsdichte sinkt, da die Menge an Ressourcen geringer geworden ist und daher nicht mehr so viele Lebewesen im Tal leben können. Auch bei gleich bleibender Einwohnerzahl bedeutet dies ein Ansteigen der relativen Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte vorher war, umso wahrscheinlicher ist hinterher der Zustand der relativen oder absoluten Überbevölkerung, einem Zustand, der für viele absolut unerfreulich ist, insbesondere für die sozial Schwachen, die als erstes auf der Strecke bleiben. D.h.:

In einem dicht besiedelten Land ist die soziale Sicherheit umso niedriger, je höher die Bevölkerungsdichte!

Diese Situation hat sich in der Geschichte der Menschheit immer wieder ereignet. Klimaänderungen waren die Ursache der französischen Revolution, der Völkerwanderung oder auch des 30igjährigen Krieges. Vor der französischen Revolution hat es beispielsweise einen Vulkanausbruch mit anschließender Kälteperiode gegeben. Die Folge war eine Hungersnot also ein Zustand absoluter Überbevölkerung. Gehungert haben dabei nicht die Adeligen sondern die Armen und die Landbevölkerung, also die Schwächeren, exakt wie im Gründerexperiment beschrieben. Der Spruch der französischen Königin Marie Antoinette: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen“, ist zynisches Paradebeispiel für diesen Unterschied.

Jetzt machen wir aus dem abgeschlossenen System ein offenes, wir lassen Zuwanderung zu. Wenn von außen zusätzliche Individuen zuwandern, so ist das bei dünner Besiedelung kein Problem, es kann sogar positiv sein. In einem dicht besiedelten Land führt dies allerdings zu sinkender durchschnittlicher  Lebensqualität, wobei die (sozial) Schwachen davon am stärksten betroffen sind. Also:

In einem dicht besiedelten Land führt eine Erhöhung der relativen Bevölkerungsdichte durch Vermehrung, Zuwanderung und/oder eine Verschlechterung der Lebensbedingungen (z.B. durch Klimaänderung) zu sinkender durchschnittlicher Lebensqualität, wobei die sozial Schwachen am stärksten betroffen sind!

Man kann dichte Besiedelung übrigens messen (dazu Art. 10: Eins, Zwei , Viele oder Wie misst man die Bevölkerungsdichte).

Betrachten wir nun das Ganze politisch oder grün bzw. sozialdemokratisch. Eine sozialdemokratische Partei will für die Bevölkerung Wohlstand und soziale Sicherheit und zwar auch für die sozial Schwachen. Eine sozialdemokratische Partei muss daher größtes Interesse daran haben, die Bevölkerungsdichte im idealen Bereich zu halten. Bei den Grünen kommt noch hinzu, dass jeder Mensch Platz braucht, den er der Natur wegnimmt.

Bevölkerungswachstum führt zu Naturzerstörung!

Für die Grünen sollte daher die niedrigste Bevölkerungsdichte im idealen Bereich das Ziel sein.

In einem dicht besiedelten Land ergeben sich daraus 2 bevölkerungspolitische Grundsätze:

  1. Kein Bevölkerungswachstum durch Einwanderung.
  2. Freigabe aller Verhütungsmittel ohne Behinderung durch moralische, finanzielle, organisatorische oder wissensbedingte Barrieren.

Ziel: Bevölkerungswachstum verhindern, um Wohlstand und soziale Sicherheit auch für sozial Schwache  zu sichern und die Natur zu schützen.

Grundsatz:

In einem Staat mit begrenzten Ressourcen kann nur eine begrenzte Anzahl von Menschen in Wohlstand und sozialer Sicherheit leben!

Verrückterweise machen Sozialdemokraten und Grüne momentan genau das Gegenteil. „Bevölkerungswachstum durch Masseneinwanderung“ scheint das Motto zu sein. Dass diese Politik für die sozial Schwachen und die Natur im eigenen Land den größtmöglichen Schaden bedeutet, blendet man einfach aus. Man will es nicht sehen. Leute, die darauf hinweisen, werden sogar noch verbal attackiert und als unmoralisch dargestellt. In Österreich hat das dazu geführt, dass praktisch die gesamte Arbeiterschaft, die im Wirtschaftsgefüge das schwächste Glied darstellt, das Lager gewechselt hat und heute geschlossen FPÖ wählt, also eine Partei mit wirtschaftsliberaler d.h. einseitig unternehmerfreundlicher Grundeinstellung. In Deutschland wandern viele zur AFD. Verkehrte Welt! Da die SPÖ und die SPD mit ihrer Politik den Vertretungsanspruch für diese Bevölkerungsgruppe praktisch aufgegeben haben, wenden sich diese Leute denen zu, von denen sie sich besser geschützt fühlen. Und es ist ihnen nicht zu verdenken. Wenn ein (seit ein paar Tagen ehemaliger) Parteiobmann der SPD also ein sozialdemokratischer Politiker in einem dicht besiedelten Land für die Aufnahme von Einwanderern ohne Obergrenze eintritt, dann spricht es eigentlich sogar für die Intelligenz der Arbeiter, wenn sie zur AFD wechseln. Die Grünen sind kein bisschen besser. Dass in Deutschland vor allem die Sozis, in Österreich hingegen die Grünen Stimmen verlieren, hängt mit den Personen zusammen, es könnte auch umgekehrt sein. Der sogenannte Rechtsruck ist selbst verschuldet.

Meines Erachtens widerspricht die Politik der deutschen und österreichischen Grünen und Sozialdemokraten jeglicher bevölkerungspolitischer Vernunft. Beiden Parteien fällt dabei auf den Kopf, dass sie praktisch kein bevölkerungspolitisches Konzept besitzen. Die Sozialdemokraten glauben, dass man jedes Problem durch einen Betonblock lösen kann, bei den Grünen ist Jutesack stricken das Patentrezept (Ich werde jetzt langsam zynisch!). Als ökosozialer Demokrat kann ich über meine beiden Parteien nur noch den Kopf schütteln.

Apropos Betonblock. Technischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum haben den entgegengesetzten Effekt wie eine Klimaverschlechterung, d.h. im Lebensraum oder im Tal können mehr Lebewesen überleben. Das Problem: Das Tal wird dadurch nicht größer, die Ressourcen können nicht bis ins Unendliche gesteigert werden. Eigentlich werden die Ressourcen nur besser genutzt, d.h. der Wirkungsgrad steigt. Der ist aber mit 1 nach oben begrenzt, wie jeder Wirkungsgrad. Das bevölkerungspolitische Problem wird daher nicht gelöst sondern lediglich in die Zukunft verschoben.

Wie bereits erwähnt, ist Bevölkerungswachstum für Starke und Schwache nicht in gleicher Weise ein Problem, es kann sogar für die einen gut für die anderen schlecht sein. Für die Schwachen bedeutet es mehr Konkurrenz, der man nicht gewachsen ist, für die Stärkeren kann es z.B. zusätzliche Geschlechtspartner bedeuten was über die genetische Vielfalt die Überlebenschancen der Nachkommen verbessert.

In der menschlichen Gesellschaft kommt noch ein arbeitsteiliger Effekt dazu. Zuwanderung bedeutet für die Arbeitnehmer mehr Konkurrenz, für die Arbeitgeber hingegen mehr Angebot am Arbeitsmarkt, wodurch man leichter Personal bekommt bzw. Löhne und Sozialleistungen drücken kann. Sie profitieren, zumindest vorübergehend. Des einen Freud des anderen Leid.

Kurz zusammengefasst:

Bevölkerungswachstum führt in einem dicht besiedelten Land zu Naturzerstörung und sinkender durchschnittlicher Lebensqualität insbesondere der sozial Schwachen!

So lange man für dieses Problem kein vernünftiges Konzept hat, sind die Grünen und die Sozialdemokraten für mich nicht regierungsfähig. Wie so ein Konzept ausschauen könnte, habe ich in Artikel 1 geschildert (Grundprinzipien grüner und sozialdemokratischer Bevölkerungspolitik).

Zum Abschluss noch ein Hinweis. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Gründergesetz und quantisierter Nutzenfunktion.

Grafik h

Quantisierte Nutzenfunktion:

N = Nutzen, Y(T) = Gütermenge im Betrachtungszeitraum T, E(T) = Existenzminimum im Betrachtungszeitraum T

Wenn man die gesamte Gütermenge eines Lebensraumes im Betrachtungszeitraum T, Yg(T) (g für gesamt) durch das Existenzminimum E(T) dividiert, erhält man die maximale Bevölkerungszahl, dividiert durch die Fläche des Lebensraumes bekommt man die maximale Bevölkerungsdichte. Die relative Bevölkerungsdichte ist nichts anderes als die tatsächliche Bevölkerungsdichte (oder -zahl) dividiert durch die maximale Bevölkerungsdichte (oder -zahl). Man kann sie in Prozent angeben. Wenn die maximale Bevölkerungszahl Österreichs grob geschätzt 15 Mill Einwohner beträgt, dann hätten wir mit derzeit 8,82 Mill Einwohnern eine relative Bevölkerungsdichte von 8,82/15 * 100 = ca. 59 %. So hängen die beiden Gesetze zusammen, verblüffend einfach, wenn ich bedenke, wie lange ich da herumgetüftelt habe.

Freundschaft

Peter

 

 

 

 

33.Hyänen, die Großmeister der Nutzenmaximierung

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2 junge Tüpfelhyänen

Hyänen,

die Großmeister der Nutzenmaximierung

Die letzten Artikel haben sich mit kleineren Gesellschaften beschäftigt. Am Anfang ist die Einpersonengesellschaft gestanden, das „Antarktisproblem“ (Art. 28) Dann habe ich Nesthocker mit 2 Jungen betrachtet, danach Nesthocker mit mehreren Jungen, das „Pelikanproblem“ (Art.30). Mehrpersonengesellschaften waren auch das Thema in der „Ökonomie des Kannibalismus“ und in „Immer schön der Reihe nach“ (Art.31 und 32).

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Tüpfelhyäne, vom gleichen Clan wie die Jungen

Die Hyänengesellschaft ist größer. Gemeint ist dabei die Tüpfelhyäne, die anderen Arten verhalten sich auf Grund unterschiedlicher Lebensräume anders. Die Clans der Tüpfelhyänen umfassen bis über 100 Mitglieder. Der Grund sind ihre Beute und ihre Feinde. Hyänen werden bis über 80 Kilo schwer, für große Beute ist das zu wenig. Also müssen sie im Team jagen. Im Team können sie außerdem anderen Raubtieren die Beute abjagen oder sich verteidigen, insbesondere bei Löwen und Leoparden geht das alleine nicht. Es gibt auf Grund der Größe der Gesellschaft einen entscheidenden Unterschied zu z.B Wölfen. Auf Grund der Größe der Clans müssen mehrere Weibchen Junge kriegen, ansonsten ist die Anzahl der Jungen zu klein, um den Clan zu erhalten. Das führt zu ökonomisch sehr interessantem Verhalten. Aber noch sind wir nicht so weit.

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Tüpfelhyänen mit Beute

Tüpfelhyänen haben Reviere, ca. 20 qkm groß. Diese Territorien werden gegen andere Clans verteidigt, wobei es regelrechte Kriege zwischen den Clans gibt. Einzelne Tiere in fremdem Gebiet werden zumeist vertrieben oder getötet. Das Ganze erinnert sehr an kriegerische Menschengesellschaften.

Als biologische Besonderheit sind die Weibchen der Tüpfelhyänen maskulinisiert. Sie sind größer als die Männchen, und besitzen Geschlechtsorgane, die denen der Männchen ähnlich schauen.

Die Weibchen eines Clans sind verwandt, die Männchen sind zugewandert also genetisch nicht verwandt.

Hyänenclans wohnen gemeinsam in einem Bau aus Höhlen. In den Höhlen sind die Jungtiere, die sich dort vor Feinden insbesondere Löwen verstecken können.

Hyänen haben ein Gesellschaftsverhalten, das sich aus den in den letzten Artikeln geschilderten Verhaltensmustern zusammensetzt. Sie besitzen eine strenge Rangordnung, die kräftigeren Weibchen stehen hier über den Männchen (Anmerkung: Ähnlich der menschlichen Gesellschaft sind es also biologische Unterschiede, die zu unterschiedlicher Stellung von Weibchen und Männchen führen). Aber auch innerhalb der Geschlechter gibt es eine strenge Rangordnung, die vererbt werden kann, so eine Art Feudalismus. Es ist also nicht nur körperliche Stärke, die zum Rang führt, sondern auch Verwandtschaft und gegenseitige Hilfe aber auch die Zeitspanne der Zugehörigkeit. Die Rangordnung bestimmt, wer an der Beute zuerst fressen darf. Dass Rangordnungen in Notzeiten sehr effektive Instrumente der gesellschaftlichen Nutzenmaximierung sind, habe ich bereits beschrieben. Es überleben bei Nahrungsmangel maximal viele Gruppenmitglieder und davon die stärksten und gesündesten in gutem Ernährungszustand, sodass die Jagdfähigkeit der Gruppe erhalten bleibt. Bei Tüpfelhyänen hungern in Notzeiten vor allem die Männchen, die alle rangniedrig sind. Auch Berichte über Kannibalismus bei Hyänen findet man im Internet, habe ich in Tierfilmen noch nie gesehen, würde mich aber nicht wundern.

Die Rangordnung nimmt bei Hyänen extreme Ausmaße an. Hyänen jagen sowohl im Rudel als auch alleine. Große Beutetiere werden zumeist gemeinsam gejagt. Erlegt eine Hyäne alleine größere Beute ruft es die Clanmitglieder, um die Beute zu verteidigen. Gefressen wird aber nach Rang. In Notzeiten, wenn größere Beute rar ist, gehen Hyänen alleine auf Beutezug, wobei die ranghöheren Clanmitglieder in der Nähe des Baus jagen dürfen. Die rangniedrigeren Tiere müssen weiter weg jagen, wodurch ihre Jagdchancen geringer sind und sie leichter in fremdes Gebiet geraten mit den geschilderten Konsequenzen.

Hyäne 8

Einzelne Hyäne, unterwegs in der Masai Mara (Kenia)

Das führt dazu, dass die Jungen in einem Bau oft unterschiedlich gut genährt sind. Tüpfelhyänen säugen nur die eigenen Jungen. Es kann vorkommen, dass die Jungen der ranghöheren Tiere gesund und gut genährt vor dem Bau spielen, während die Jungen der rangniedrigeren Tiere in der nächsten Höhle verhungern. Das Ganze hat ähnlichen Charakter wie der Kainismus bei Pelikanen, nur dass sich der Prozess der Bevölkerungsbegrenzung hier auf Ebene der Gruppe abspielt. In guten Zeiten kommen viele Jungtiere durch, in schlechten Zeiten lässt man einen Teil verhungern, damit nicht zu viele da sind, und sie sich nicht durch gegenseitige Konkurrenz die Überlebenschancen schmälern.

Aber auch innerhalb der 2 – 3 Jungtiere eines Wurfes herrscht bittere Konkurrenz. Die Rangordnung wird sofort durch Gewalt festgelegt, wobei sich Geschwister auch gegenseitig umbringen. Auch das ähnelt wieder dem Kainismus der Pelikane. Würde mich angesichts der extremen Organisationsform nicht wundern, wenn es auch systematischen Kainismus gäbe also regelmäßigen Geschwistermord auf Grund von Nahrungsmangel. Die Bevölkerungskontrolle würde sich dann auf 2 Ebenen gleichzeitig abspielen.

Da Hyänenrudel Kriegsgesellschaften sind, ist eine große „Truppenstärke“ wichtig, um sich gegen andere Clans oder gegen Nahrungskonkurrenten durchzusetzen. Das ähnelt wieder kriegerischen Menschengesellschaften, in denen Frauen zu Soldatenmüttern stilisiert worden sind, viele Nachkommen bedeutet viele Soldaten. Daher ist es in guten Zeiten wichtig, sich schnell zu vermehren. Und da gute Zeiten schlecht vorhersehbar sind, bringt man die Jungen auf die Welt und schaut, ob man sie ernähren kann, wenn nicht, verhungern sie. Eine besonders harte aber offensichtlich effektive Form der Bevölkerungspolitik.

Andererseits sind Hyänen auch sehr soziale Lebewesen, die sich gegenseitig helfen insbesondere beim Beutefang oder der gemeinsamen Verteidigung des Baus oder der Beutetiere. Die Betreuung der Jungen wird ebenfalls gemeinsam erledigt. Auch die friedliche Koexistenz von Menschen und Hyänen ist durchaus möglich, man kann sie sogar zähmen, ahnlich wie Wölfe bzw. Hunde.

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Kind füttert Hyänen

Dazu haben sie ein komplexes Sozialverhalten mit einer eigenen Sprache, die aus verschiedenen Lauten und Gesten besteht.

Hyäne 7

 

Die Verständigungslaute der Hyänen erinnern an Lachen

(Diese beiden Bilder sind nicht von mir)

Wie auch in den vorhergehenden Artikeln bereits erwähnt, kann dieses Verhalten nur durch die quantisierte Nutzenfunktion erklärt werden, deren wesentlicher Parameter das Existenzminimum ist.

Nach der klassischen Nutzenfunktion müssten Hyänen immer teilen. Rangordnung, Kannibalismus, verhungern lassen oder Revierbildung und Methoden der Bevölkerungskontrolle können damit nicht erklärt werden.

Das faszinierende an den Tüpfelhyänen ist die extreme Zusammensetzung aus sozialem bzw. liebenswürdigem und z.T. gnadenlos egoistischem bzw. gewalttätigem Verhalten, das so gesteuert ist, dass es der Gruppe optimale Überlebenschancen sichert. Für mich sind sie daher die Großmeister der Nutzenmaximierung, wobei sie in mancher Hinsicht den Menschen gar nicht so unähnlich sind.

Freundschaft

Peter

32. Immer schön der Reihe nach oder Ökonomisches Notfallmanagment bei Raubtieren

Rang5

Immer schön der Reihe nach

oder

Ökonomisches Notfallmanagment bei Raubtieren

 

Machen wir ein Gedankenexperiment! Stellt euch vor ihr seid Teil eines Rudels von Raubtieren. Ihr müsst Beute schlagen, um euch zu ernähren, ihr wisst aber nicht, ob und in welchem Ausmaß es euch gelingen wird. Es kann sein dass es klappt, dann herrscht mitunter Überfluss. Wenn nicht, herrscht Not und ihr müsst möglicherweise verhungern. Das heißt, ihr habt keine Ahnung, wann und in welchem Ausmaß Nahrung zur Verfügung steht, dazu kann sich die Situation jederzeit und schnell drastisch ändern.

Für diejenigen, die die letzten Artikel gelesen haben, keine Angst, ich will euch nicht schon wieder mit Grafiken und Formeln belasten, es gibt keinen erkennbaren Betrachtungszeitraum T und keine klare Gütermenge Y.

Das erste, was die Situation zeigt ist folgendes. Jedes Einzellebewesen und auch jede Gruppe macht, sofern sie intellektuell dazu im Stande sind, eine Einschätzung zukünftiger Entwicklungen. Entscheidend ist daher nicht, was ist, sondern was man erwartet, die Erwartungshaltung. Dies ist sinnvoll, da man das eigene Verhalten dadurch den bevorstehenden Herausforderungen anpassen und optimieren kann.

Ich habe in den letzten Artikeln Situationen geschildert, in denen die Informationslage z.T. völlig unterschiedlich war. Der Antarktisforscher hat gewusst wann er gerettet wird und wieviel Nahrung zur Verfügung steht. Die Seefahrer im Boot waren da schon in einer schwierigeren Situation, sie haben eine Vorstellung gehabt, aber mit vielen Unsicherheiten. Die Pelikane im Nest und ihr als Mitglieder eines Raubtierrudels habt keine Ahnung, was kommen wird, schlechtest mögliche Informationslage!

Was ist zu tun, wie muss man sich verhalten?

Es gibt ein Zauberwort, dass eine einfache Lösung dieses Problems darstellt, Rangordnung!

Die Rangordnung in einem Rudel legt u.a. eine Reihenfolge fest, in der gegessen werden darf. Zuerst das ranghöchste Tier, dann das oder die nächsten in der Reihenfolge, usw.

Rang1

Stellt euch jetzt eine Notsituation vor, das Rudel hat 10 Mitglieder, es ist nur Nahrung für 7 da, 3 müssen verhungern. Teilen ist hier nicht möglich, ich habe in den letzten Artikeln dargelegt, dass Teilen das schlechteste wäre, es müssten alle verhungern, weil niemand genug bekäme. Also braucht es einen Mechanismus, der garantiert, dass nur 7 Nahrung bekommen, die anderen nicht. Nur so kann die maximale Anzahl von Individuen überleben. Die Rangordnung ist hier die ideale Vorgangsweise. Ganz egal, ob Nahrung für 3, 5 oder 8 da ist, die maximale Anzahl von Individuen überlebt, weil sich der Reihe nach die jeweils ranghöheren Tiere satt fressen, für die am Schluss bleibt nichts mehr übrig.

Rangordnungen werden oft mit dem Recht auf Fortpflanzung oder auch mit Einzelegoismus in Verbindung gebracht. Diese Vorstellung ist meines Erachtens unvollständig. Rangordnungen sind darüber hinaus ein perfektes Instrument zur Nutzenmaximierung in Gruppen, da die maximale Anzahl von Gruppenmitgliedern überleben kann.

Bei rudelbildenden Raubtieren kommt noch etwas dazu. Es langt hier oft nicht, dass man einfach überlebt, man muss auch jagdfähig bleiben, und das ist man nur, wenn man in einigermaßen guter Konstitution ist, also gut genährt. Die Rangordnung garantiert, dass die Stärksten und Gesündesten in guter Verfassung überleben, womit das jagdfähige Rudel erhalten bleibt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die potentielle Beute so groß ist, dass man sie nur im Team erlegen kann. Das ist auch der Grund, warum dieses Verhalten in rudelbildenden Raubtiergesellschaften oft besonders deutlich zu beobachten ist.

Ein typisches Beispiel sind Wölfe. An der Spitze eines Wolfsrudels stehen die Alpha-Wölfe. Nur ihnen ist es normalerweise erlaubt, Nachkommen zu zeugen. Sie fressen als erste. Darunter kommen die Beta-Wölfe und dann die rangniedrigeren Wölfe. Am untersten Ende liegen die Omega-Wölfe, die oft schikaniert oder vertrieben werden, sie fressen als letzte. Das Wolfsrudel zeigt, wie die Rangordnung dazu verwendet wird, um einerseits in Notsituationen die Stärksten überleben zu lassen und andererseits durch beschränkte Fortpflanzung und Vertreibung überzähliger Mitglieder Bevölkerungskontrolle betrieben wird. Dadurch wird der Bestand des Rudels gesichert und die Größe an die Ressourcen des Reviers angepasst. Die Vertriebenen müssen sich ein neues Revier suchen, sofern es eines gibt, oder sie sterben ohne sich fortgepflanzt zu haben. So sorgt das Rudel für Ausbreitung, falls freie Lebensräume vorhanden sind.

Rang

Rangniedrigere Wölfe verhalten sich unterwürfig (angelegte Ohren, eingezogener Schwanz, liegend, dazu passende Lautäußerungen), Konflikte und Verletzungen werden dadruch vermieden, das Rudel bleibt als Ganzes jagdfähig.

Ein anderes gutes Beispiel sind Löwen. Eine wenn nicht die häufigste Todesursache bei Löwen ist Verhungern. Erstaunlich aber war. Meines Wissens geht die Rangordnung bei Löwen so weit, dass Jungtiere verhungern, weil Alttiere ihnen in  Notsituationen nichts geben. Männliche Altlöwen, die kein Rudel mehr haben und nicht mehr jagdfähig sind, verhungern prinzipiell. Das Leben ist hart für den König der Tiere.

Diese Beobachtungen sind ein weiterer Beleg dafür, dass die klassische Nutzenfunktion (siehe vorhergehende Artikel), nach der immer geteilt werden müsste, falsch sein muss. Rangordnungen sind das genaue Gegenteil von Teilen. Mit der quantiserten Nutzenfunktion lässt sich das alles erklären!

Der für mich eindrucksvollsten Tierart, die relativ große Rudel bildet und alle Mechanismen der letzten Artikel in ausgeprägter Form zeigt, werde ich den nächsten Artikel widmen. Anschließend werde ich mich mit großen Lebensräumen bzw. Gesellschaften und damit dem Menschen beschäftigen. Dann wird’s politisch so richtig interessant.

Freundschaft

Peter

31. Mobby Dick und Die Ökonomie des Kannibalismus oder „Ich habe Dich zum Fressen gern“

Moby Dick

Mobby Dick

und

Die Ökonomie des Kannibalismus

oder

Ich habe Dich zum Fressen gern“

Ich habe in den letzten Artikeln beschrieben, dass und warum ich die klassische Nutzenfunktion so wie sie in den Lehrbüchern der Volkswirtschaft beschrieben wird für falsch halte, und durch welche Überlegungen ich zur quantisierten Nutzenfunktion gelangt bin, die ich für richtig halte und mit der ich seit vielen Jahren versuche, das Verhalten von Lebewesen zu analysieren.

Grafik i

Klassische Nutzenfuntkion

Grafik k

Quantisierte Nutzenfuntkion

Der Unterschied ist einfach. Die Nutzenfunktion ordnet jeder Gütermenge Y einen Nutzen N zu.

Bei der klassischen Nutzenfunktion hat jede Gütermenge einen Nutzen.

Bei der quantisierten Nutzenfunktion haben nur Gütermengen einen Nutzen, die größer sind als das Existenzminimum E, das man braucht, um einen Betrachtungszeitraum T zu überleben. T kann z.B. der Winter oder eine Trockenzeit sein. Das Existenzminimum ist also der zentrale Begriff der quantisierten Nutzenfunktion. Nutzen kann bei der quantisierten Nutzenfunktion auch Überlebenswahrscheinlichtkeit Ps, Fortpflanzungswahrscheinlichkeit Pr oder Anzahl der Nachkommen K (= Kinder) bedeuten. Das Ganze spielt sich in einem Lebensraum ab, in dem grundsätzlich langfristig genügend Güter Y/t vorhanden sind, um überleben zu können. Nur solche Lebensräume werden besiedelt.

Im letzten Artikel (Art.30, Lake Eyre und das Pelikanproblem) habe ich ein erstes Beispiel angeführt wie sich das auswirkt. Hier kommt das nächste Beispiel.

Machen wir ein Gedankenexperiment! Stellt euch vor, eine Gruppe von Seeleuten schwimmt in einem kleinen Rettungsboot mit Segel auf hoher See weit ab vom nächsten Festland und hat nur mehr wenig Proviant und Wasser. Wie verhält man sich am besten. Wenn man weiß, wie lange man zum Festland braucht hat man laut quantisierter Nutzenfunktion einen Betrachtungszeitraum T. Dann kann man planen. Sind die Vorräte nicht ausreichend bedeutet dies, dass alle sterben müssen, wenn der Proviant geteilt wird. Die klassische Nutzenfunktion, laut der immer geteilt werden müsste,  funktioniert also nicht. Nehmen wir an, im Boot sitzen 8 Personen und der Proviant reicht für 3, dann könnten 3 überleben, wenn die anderen 5 sofort sterben bzw. umgebracht werden. Genau das sagt die quantisierte Nutzenfunktion voraus. Doch so einfach ist die Geschichte nicht. Menschen können Menschen essen, sie stellen also für sich selbst eine Nahrungsquelle dar. Wenn die Getöteten aufgegessen werden, könnte man die Anzahl der Überlebenden also erhöhen. Das Problem, hat man keinen Kühlschrank, verderben die Kadaver, alle sofort töten ist daher nicht ratsam. Sind mehr am Leben, verbrauchen sie aber die Vorräte schneller. Es gibt auch noch andere Probleme. Erstens kann es je nach Wind unterschiedlich lange dauern bis man ans Festland kommt. Zweitens können je nach Regen die Wasservorräte unterschiedlich schnell zur Neige gehen. Auch Nahrung könnte beschafft werden, wenn man es schafft, Fische zu fangen. Drittens könnte man unterwegs einem anderen Schiff begegnen und gerettet werden. Wenn kurz vorher ein Teil der Besatzung getötet worden ist, dann war das eine Fehlentscheidung.

Wir haben es hier mit einer typischen Situation zu tun, in der mehrere Faktoren zusammenwirken, die auch noch schwer zu kalkulieren sind. Der Betrachtungszeitraum ist unklar und wie viele Vorräte bis zur Rettung gebraucht werden, ist ebenfalls nicht sicher anzugeben.

Und wenn jemand umgebracht wird, wer soll es sein, und wie soll es vonstatten gehen.?

Es bleibt in so einer Situation nichts anderes übrig, als abzuwarten und auf frühzeitige Rettung zu hoffen. Aber was, wenn sie nicht eintrifft und alle Vorräte aufgebraucht sind? Auch dann ist das sofortige Töten eines Teils der Besatzung nicht sinnvoll, weil die Rettung ja im nächsten Moment passieren könnte. Also ist es am besten zuerst einen zu töten, den zu verspeisen, dann den nächsten und so weiter. Oder man isst einfach die Gestorbenen. So ist bei einer möglichen Rettung immer die maximale Anzahl noch am Leben. Nutzenmaximierung!

Ihr werdet euch jetzt fragen, was soll das? Hat das etwas mit der Realität zu tun? Jawohl, hat es! Genaugenommen ist es altes englisches Seefahrerrecht oder –brauch (Custom of the Sea) und ist in früheren Zeiten auf hoher See regelmäßig vorgekommen. Die Vorgangsweise: Entschließt sich die Mannschaft in einer solchen Notsituation einen Matrosen zu töten, muss das Los entscheiden, wer getötet werden soll, und wer den „Auserwählten“ töten muss.

Die berühmteste derartige Geschichte ist das Schicksal der Mannschaft der Essex einem Walfangschiff, das am 5.8.1819 von Nantucket an der Ostküste der USA in See gestochen ist und am 20.11.1820 im Pazifik von einem Pottwal mehrfach gerammt und versenkt wurde. Die Mannschaft rettete sich zuerst in 3 Booten und beschließt mit Ausnahme von 3 Matrosen, die auf der Henderson Insel im südlichen Zentralpazifik freiwillig zurückbleiben, nach Südamerika zurückzusegeln. Die Vorräte gehen aus, worauf die ersten Toten nach Seemannsart bestattet werden. Die nächsten Toten werden gegessen. Anschließend geht man dazu über Besatzungsmitglieder zu töten und zu verspeisen, wobei das Los entschieden hat, wer gegessen wird. Von 2 der 3 Boote konnten insgesamt 5 Matrosen durch andere Schiffe gerettet werden, ebenso die Matrosen auf der Insel. 8 Überlebende von 21, von den restlichen 13 wurden 3 bestattet, zumindest 7 gegessen, einer davon zuvor getötet. Das Schicksal der restlichen 3 ist unklar. Die Schiffe verlieren sich, eines wird nie gefunden. Ihr Ende dürfte nicht besser gewesen sein.

Der Wal wurde in dem Roman „Mobby Dick“ von Herman Melville verewigt, wobei die anschließende Tragödie in dem Roman nicht enthalten ist.

Nach einer ähnlichen Tragödie 1884 wurden 2 Seeleute zum Tode verurteilt, weil sie einen todkranken Kameraden töteten und verspeisten. Das Urteil wurde gefällt, weil sie nicht gelost hatten sondern den todkranken Matrosen mit dessen Einverständnis töteten. Das Urteil wurde nie vollstreckt, da die öffentliche Meinung eine gänzlich andere war. Sie wurden begnadigt und 6 Monate später freigelassen.

Solche Tragödien waren früher häufig, die Seefahrt war gefährlich.

Kannibalismus ist beim Menschen heute eher selten, war es früher auch. In bestimmten Kulturen und vor allem in Notsituationen war es die Regel bzw. kommt es häufig vor.

Es gibt derartiges Verhalten in vielfältiger Art und Weise auch bei Tieren. Ein gutes Beispiel sind die Kaulquappen z.B. der Amerikanischen Schaufelfusskröte, die zu diesem Zweck eigene Fresswerkzeuge entwickeln.

Schaufelfußkröte

Amerikanische Schaufelfußkröte

Zuerst fressen alle Algen, bei Nahrungsknappheit wandeln sich einige um und werden Kannibalen. Das Verhalten findet in Tümpeln statt, in denen Überbevölkerung und Nahrungsknappheit herrscht. Die Situation ist der der Seefahrer gar nicht unähnlich. Der Betrachtungszeitraum ist hier die Zeit bis zur Reife, wenn die jungen Molche den Tümpel verlassen können. Das Existenzminimum ist definiert durch die Nahrungsmenge, die dafür benötigt wird.

Aber es geht noch besser. Bei Nagetieren kommt es vor, dass Eltern in Notsituationen ihre Jungen töten und verspeisen. Dasselbe Verhalten zeigen auch Menschen in Hungersnöten, allerdings zumeist, wenn die Kinder schon tot sind. Der Spruch: „Ich habe Dich zum Fressen gern“ zeigt hier seine makabere Bedeutung. Der Sinn ist ganz einfach. Wenn die Nahrung für die Jungen sowieso nicht reicht, dann haben wenigstens die Eltern eine Überlebenschance.

Typisch ist kannibalistisches Verhalten auch bei Löwen, die nach Eroberung eines Territoriums zuerst das besiegte und getötete Männchen und anschließend alle Jungtiere verspeisen.

Eine andere Variation zeigen Schneeeulen, die bei Nahrungsmangel ihre toten Jungen dem restlichen Nachwuchs verfüttern.

Schneeeule.jpg

Schneeeule mit Jungen

Bei Fischen und Reptilien ist Kannibalismus sehr häufig. Die Regel ist er z.B., wenn in einem Fluss keine andere Nahrungsquelle mehr vorhanden ist. Die Fische verwenden sich selbst als Nahrungsreserve, wodurch eine maximale Anzahl Notzeiten überleben kann. Die Taktik scheint da immer ähnlich zu sein. Zuerst frisst man alles andere, um möglichst viel Nahrung zu speichern. Geht das nicht mehr, frisst man sich gegenseitig.

Besonders eindrucksvoll ist dieses Verhalten bei „Zugfischen“, die vom Meer in Flüsse ziehen, um dort zu laichen, und anschließend sterben. Die Kadaver der Altfische werden von den einjährigen Jungfischen also den Nachkommen des letzten Jahres als Futter verwendet, Generationenkannibalismus.

Lachs.jpg

Toter Lachs nach dem laichen

Die wohl skurrilste Form ist der intrauterine Kannibalismus einiger Haiarten. Hier fressen die Jungen sich in der Gebärmutter gegenseitig, sodass nur wenige geboren werden. Wenn wenige große bessere Überlebenschancen haben als viele kleine, macht das Sinn.

Die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. Das Interessante dabei ist folgendes. Während in der Seefahrt Menschen nachdenken und planen, haben sich wie z.B. bei den Molchen praktisch identische Verhaltensweisen evolutionär herausgebildet. Das Verhalten wird also nicht durch unseren Willen sondern durch die Umweltbedingungen und die damit verbundenen Naturgesetze bestimmt. Wir handeln nicht wie wir wollen, sondern so wie wir müssen, um in unserer Umwelt überleben zu können. Bzw. überleben diejenigen, die „richtig“ handeln, die anderen sterben. Ich war schon in meiner Schülerzeit davon überzeugt, dass unser Verhalten viel mehr umweltgesteuert ist, als wir wahrhaben wollen. Genauso hat mein Interesse für derartige Themen begonnen (Vergleiche dazu Art.3: Luchs, Schwein, Pavian, Leopard oder Nieder mit der Sesamstraße).

Während die klassische Nutzenfunktion völlig ungeeignet ist, diese Phänomene zu beschreiben, gelingt dies mit der quantisierten Nutzenfunktion sehr gut. Lebewesen orientieren sich an Nahrungsquellen und Gütern, die prinzipiell oder langfristig vorhanden sein müssen (N/t), nur solche Lebensräume werden besiedelt, und Betrachtungszeiträumen (T), in denen zum Überleben eine Mindestmenge an Gütern (E) vorhanden sein muss. Daraus kann der Nutzen bzw. die Überlebenswahrscheinlichkeit oder die Möglichkeit Nachkommen groß zu ziehen abgeleitet werden. Diese Parameter sind entscheidend für das Verhalten aller Lebewesen, egal ob Mensch, Tier, Pflanze oder Bakterium. Da alle Lebewesen die gleichen Probleme haben führt dies zu ähnlichen oder identischen Handlungsweisen bei unterschiedlichsten Lebewesen einschl. des Menschen. Der Kannibalismus ist hier nur ein Beispiel von vielen, aber ein sehr einfaches und eindrückliches.

Die oben beschriebene Handlungsweise des Kannibalismus hat bei vielen Lebewesen ein und dieselbe Ursache, Nahrungsmangel zumeist auf Grund von Überbevölkerung. In dieser Situation kann ökonomische oder biologische Nutzenmaximierung oft nur durch Kannibalismus erreicht werden, weswegen dieses Phänomen auch so weit verbreitet ist.

Mahlzeit

Freundschaft

Peter

30. Lake Eyre und Das Pelikanproblem

DSC07258

Brauner Pelikan, Bonaire 2011

Lake Eyre

und

Das Pelikanproblem

In meinem letzten Artikel habe ich meine Überlegungen zur Nutzenfunktion dargelegt. Da ich mit der „klassischen“ Nutzenfunktion nicht zufrieden war, habe ich eine eigene entworfen, die ich als quantisierte Nutzenfunktion bezeichnet habe. Machen diese Dinge überhaupt einen Sinn? Ich glaube ja, genauer gesagt glaube ich, dass man das Verhalten von Lebewesen aber auch Gesellschaften damit relativ gut beschreiben kann. Am besten sieht man das an einem Beispiel. Nehmen wir eine symbiotische Gesellschaft mit 2 Individuen. Die beiden Grafiken unten zeigen die „klassische“ und die „quantisierte“ Nutzenfunktion. Man beachte, die klassische Nutzenfunktion hat Nutzen auf der vertikalen Achse, bei der quantisierten Nutzenfunktion heißt N zwar auch Nutzen, kann aber auch Überlebenswahrscheinlichkeit Ps oder Reproduktionswahrscheinlichkeit Pr bedeuten (siehe dazu Art.29). Ich verwende hier die Überlebenswahrscheinlichkeit allerdings ohne es anzuschreiben. Jetzt nehmen wir für beide Funktionen diskrete (also nicht kontinuierliche) Werte an. Ich habe diese Werte bereits in Art.27 verwendet. Für die quantisierte Nutzenfunktion nehme ich als Beispiel ein Existenzminimum von 3 Gütereinheiten an, d.h. unter 3 ist der Nutzen null.

Graifk d

N = Nutzen, Y = Gütermenge.

Jetzt machen wir folgendes: Wir geben der symbiotischen Gesellschaft immer eine zusätzliche Gütereinheit und überlegen uns, wie die Güter verteilt werden müssen, damit der maximale Nutzen herauskommt. Die Grafiken zeigen einseitige Verteilung (einer kriegt alles) und gleichmäßige Verteilung (beide kriegen gleich viel, soweit möglich).

Grafik e

Bei der klassischen Nutzenfunktion ist es ganz einfach, die gleichmäßige Verteilung also die absolute soziale Gerechtigkeit ist immer am besten. Bei der quantisierten Nutzenfunktion schaut das anders aus.

Grafik f

Stehen 1 oder 2 Gütereinheiten zur Verfügung ist der Nutzen 0 und zwar unabhängig von der Verteilung. Da die Gütermenge kleiner ist als das Existenzminimum des einzelnen Individuums müssen beide verhungern (N ist hier die Überlebenswahrscheinlichkeit!). Die klassische Nutzenfunktion weist in diesem Fall einen positiven Nutzen auf, obwohl beide sterben müssen, ziemlich unsinnig! Stehen 3 Gütereinheiten zur Verfügung ist der Nutzen null wenn gleichmäßig verteilt wird. Da 1 oder 2 Gütereinheiten fürs Überleben nicht ausreichen, sterben beide. Anders schaut das aus, wenn einer alles kriegt, der andere nichts. Dann kann einer ev. überleben der andere stirbt. Die Nutzenmaximierung findet also durch ungleiche Verteilung statt!! Bei 4 oder 5 Gütereinheiten stirbt immer mindestens 1 Individuum, bei 3:1, 3: 2 oder 4:1 hätte einer zwar immer noch Überlebenschancen, der andere aber nicht (bei 2:2 sterben sogar beide), so findet Nutzenmaximierung auch hier durch einseitige Verteilung statt, 4:0 oder 5:0. Ab der 6. Gütereinheit könnten theoretisch beide überleben, 3:3, die Wahrscheinlichkeit dass es überhaupt einer schafft ist bei einseitiger Verteilung aber größer. Ab der 10. Gütereinheit dreht sich das Ganze um, ab sofort ist Teilen nutzenmaximierend. Die quantisierte Nutzenfunktion ergibt also 6 verschiedene Fälle.

Fall 1: Y = 1 oder 2: Beide sterben.

Fall 2: Y = 3: Einer hat Überlebenschancen, aber nur bei absolut einseitiger Verteilung.

Fall 3: Y = 4: Einer stirbt immer, wird gleichmäßig verteilt sterben sogar beide. Die Überlebenschancen sind umso besser je einseitiger verteilt wird.

Fall 4: Y = 5: Einer hat immer Überlebenschancen, der andere nicht. Die Überlebenschancen sind umso besser je einseitiger verteilt wird.

Fall 5: Y = 6, 7, 8 oder 9: Theoretisch haben beide Überlebenschancen, wenn jeder zumindest 3 Gütereinheiten bekommt, die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt einer überlebt ist bei einseitiger Verteilung aber immer noch am größten. Je größer die Anzahl der Gütereinheiten, umso kleiner wird der Unterschied zwischen teilen und nicht teilen.

Fall 6: Y > 9: Ab der 10. Gütereinheit ist gleichmäßiges Teilen generell besser als einseitige Verteilung.

Die Konsequenz ist einfach: Bis zur 9. Gütereinheit ist absolut einseitige Verteilung am besten. Ab der 10. Gütereinheit müsste geteilt werden. Diese Grenze nenne ich Sozialgrenze, da ab hier soziales Handeln sinnvoll ist. Wählt man eine steilere Nutzenfunktion ist das Ergebnis fast identisch, die Grenze ab der Teilen nutzenmaximierend ist, sinkt aber. Ein Beispiel:

Grafik a

Blau die klassische Nutzenfunktion, orange meine quantisierte Nutzenfunktion, beide steiler als im letzten Beispiel.

Grafik b

Die klassische Nutzenfunktion besagt, dass Teilen immer die beste Variante ist, unabhängig von der Steilheit der Funktion.

Grafik c

Die quantisierte Nutzenfunktion besagt, das Teilen erst ab der Sozialgrenze (hier bei Y = 6 Gütereinheiten) Sinn macht

Die ersten 4 Fälle bleiben gleich, der 5. Fall ist komplett verschwunden, die Sozialgrenze (Fall 6) liegt bei 6 Gütereinheiten. Die steile quantisierte Nutzenfunktion führt dazu, dass Teilen Sinn macht, sobald beide Überlebenschancen haben.

Soweit die Theorie. Hat das jetzt irgendetwas mit der Realität zu tun oder sind das alles nur Hirngespinste? Es gibt in der Natur ein Modell, das perfekt zu der gerade geschilderten Situation passt. Pelikane! Pelikane sind Nesthocker, d.h. die jungen Pelikane verlassen das Nest erst relativ spät. Solange sie im Nest sind, sind sie auf die Fürsorge der Eltern angewiesen. Pelikane kriegen noramlerweise 2 Junge.

Pelikan

2 Pelikanjunge im Nest.

Solange die 2 Jungen im Nest sind, entspricht die Situation genau dem oben geschilderten Beispiel. Die Gütermenge entspricht der Futtermenge, die von den Eltern herangeschafft werden kann. Und die Pelikanjungen zeigen genau das Verhalten, das die quantisierte Nutzenfunktion vorhersagt, das ältere Junge bringt das jüngere um, das Teilen wird dadurch verhindert. Danach steht die gesamte Nahrung dem älteren Jungen zur Verfügung. Gesellschaftliche Nutzenmaximierung durch Geschwistermord! Und trotzdem ist es unlogisch. Das ältere Junge bringt das jüngere nämlich immer um. Laut Theorie dürfte das nur dann der Fall sein, wenn für beide zu wenig Nahrung da ist. Bei größerer Nahrungsmenge müsste das aggressive Verhalten aufhören. Tut es aber nicht! Unlogisch, zumindest widerspricht es der quantisierten Nutzenfunktion. Das war Ende der 80er Jahre mein Wissensstand. Damals war es mir nicht möglich auf einfache Art und Weise zusätzliche Informationen zu bekommen. Ich war Medizinstudent, Zugang zu biologischen Infos habe ich nur beschränkt gehabt, meine Quellen waren Tierfilme, die Beobachtung menschlichen Verhaltens, Geschichtsbücher, medizinische und volkswirtschaftliche Fachbücher. Das Internet hat es damals noch nicht gegeben. So ist dieser Widerspruch als das „Pelikanproblem“ in meinem Hinterkopf geblieben. Wie ich es auch gedreht und gewendet habe, ich habe das Verhalten der Pelikane nicht verstanden.

Etwa 10 Jahre später ist ein Naturfilm gesendet worden, in dem auch das Verhalten von Steinadlern Thema war. Darin wurde berichtet, dass das ältere Junge, auch hier gibt es 2, das jüngere manchmal aus dem Nest wirft. Mir ist sofort das Wort „manchmal“ aufgefallen, das würde passen. Meine Aufmerksamkeit war geweckt.

Steinadler

Steinadler: manchmal!

Ca. 20 Jahre nach der Formulierung des „Pelikanproblems“ ist ich glaube aus der Reihe Universum ein Film über die Tierwelt Nordwest-Australiens gesendet worden. Darin wurde auch über die dortigen Pelikane berichtet. Sie zeigen genau dasselbe Verhalten, das ältere Junge bringt das jüngere um, und zwar immer. Fast immer!! Es gibt eine Situation in der es nicht geschieht. Etwa alle 10 Jahre in unregelmäßigen Abständen regnet es im Nordosten Australiens sehr stark und es füllt sich ein ansonsten ausgetrockneter See namens Lake Eyre. In dem See schlüpfen unzählige Fische deren Eier im Boden gelagert sind. Durch den Mineralienreichtum und die uneingeschränkte Sonneneinstrahlung kommt es zur Massenvermehrung von Algen und anderen Mikroorganismen mit dem Ergebnis, dass sich auch die Fische massenhaft vermehren. Woher die Pelikane wissen, wann es in der Wüste regnet, weiß niemand, aber sie wissen es. Und sie machen sich auf den Weg, um dort zu brüten. Und dort werden beide Jungen großgezogen. Das aggressive Verhalten verschwindet angesichts des Nahrungsüberflusses, genau wie vorhergesagt. Ich habe 20 Jahre auf diese Bestätigung gewartet und habe es eigentlich fast nicht mehr gehofft, umso größer war meine Überraschung und Begeisterung. Der Lake Eyre war für mich der erste Ort auf der Erde, an dem die Pelikane dieses Verhalten zeigen. Es ist einer der Orte, den ich in meinem Leben noch einmal besuchen möchte.

Lake Eyre 1.jpg

Die Position des Lake Eyre. Unten ein Satellitenfoto:

Lake Eyre 2

Inzwischen ist mein Wissensstand dank Internet etwas fortgeschrittener.

Das Verhalten des Geschwistermordes wird als Kainismus (von Kain und Abel) bezeichnet. Bringt das ältere Junge das jüngere immer um, bezeichnet man das als obligatorischen Kainismus, geschieht es nur manchmal als fakultativen Kainismus. Der fakultative Kainismus ist mit der quantisierten Nutzenfunktion vereinbar, der obligatorische nicht. Warum sollte eines der Jungen umgebracht werden, wenn beide überleben könnten, unlogisch. Es wird angenommen, das zweite Ei sei ein Reserveei, aber warum legen andere Vögel dann nur ein Ei, unlogisch. Das wäre nur dann sinnvoll, wenn sich das erste Ei bei Pelikanen besonders häufig nicht entwickelt, davon ist mir aber nichts bekannt. Aber selbst wenn macht es keinen Sinn nur eines aufzuziehen, wenn 2 Junge da sind und beide überleben könnten. Ich habe den Verdacht, dass der obligatorische Kainismus nur auf mangelnde Beobachtungsmöglichkeiten zurückzuführen ist, in Wirklichkeit also gar nicht existiert. Gäbe es den Lake Air nicht, würde ich die Pelikane wahrscheinlich immer noch als obligatorisch kainistisch betrachten. Einen Hinweis darauf liefern die Schreiadler, die ausgeprägt obligatorisch kainistisch sein sollen, was genetisch bedingt sein soll und unabhängig vom Ernährungszustand.

Schreiadler.jpeg

Schreiadler: Das Ei (zweites Junges) ist meistens todgeweiht. Das ältere Junge der spätere Geschwistermörder.

Es gibt aber immer wieder junge Schreiadler, die nicht kainistisch handeln. Das Aggressionspotential ist offensichtlich genetisch bedingt individuell unterschiedlich ausgeprägt, sodaß der Kainismus nicht bei allen Individuen auftritt, eine Art genetische Hintertür. Bessern sich Nahrungsbedingungen, sind diese nicht kainistisch handelnden Individuen plötzlich im Vorteil. Eine Situation, in der auf Grund von Nahrungsüberfluss alle friedlich sind, ist möglicherweise einfach noch nicht beobachtet worden, weil sehr selten. Es wäre interessant, das in Gefangenschaft kontolliert auszuprobieren. Es wird vermutet, dass die Situation bei den Schreiadlern einen Übergang zum Eineigelege darstellt. Soweit ich weiß, ist das manchmal der Fall, es wäre ein Hinweis auf eine solche Entwicklung. Möglich wäre auch eine Grenzsituation in der verschiedene Varianten ähnlich sinnvoll sind und die genetische Vielfalt alle Möglichkeiten zulässt. Diese letzte Variante ist für mich am plausibelsten.

Auch bei Pelikanen ist die Situation soweit ich inzwischen weiss vielgestaltig. Die Anzahl der Eier beträgt 1 – 6 zumeist 2. Und dass beide oder sogar mehrere überleben, scheint durchaus vorzukommen. Am häufigsten dürfte allerdings die Situation mit 2 Jungen und kainistischem Verhalten sein.

Ähnliches Verhalten gibt es auch bei 3 Jungen. Mir wurde in den Everglades (Florida, USA) berichtet, dass Fischadler mit 3 Jungen das dritte manchmal aus dem Nest schmeißen. Es gibt von diesem Prinzip jedenfalls unterschiedliche Variationen, auch beim Menschen. Die nächsten Artikel werden davon handeln.

Fischadler

2 junge Fischadler im Nest (Estland)

Doch das Problem geht weiter. Was ist mit den Nesthockern, die 2 oder mehr Junge haben und kein kainistisches Verhalten zeigen? Es hat dazu einen extrem interessanten Film über Gerfalken ich glaube in Nordkanada gegeben.

Gerfalke

Gerfalkennest mit 3 Jungtieren. Dieses Bild stammt aus Island.

(Die Bilder sind außer dem Titelbild nicht von mir.)

Ein Gerfalkenpaar hat 3 Junge gehabt, die am Anfang vom Männchen mit Vögeln gefüttert worden sind. Nach Abzug der Vögel (Zugvögel!) hat es diese Nahrungsquelle nicht mehr gegeben, die Jungvögel sind abgemagert und waren kurz vor dem Verhungern. Ich habe mir damals gedacht, warum bringen sie sich nicht um? Des Rätsels Lösung: Mutter Gerfalke ist sehr groß, wesentlich größer als das Männchen. Sie kann Hasen jagen, was Männchen nicht kann, weil zu klein. Und wenn ihr das gelingt, haben alle 3 gute Überlebenschancen, was in dem Film auch tatsächlich passiert ist. Man hat also eine „Alles oder Nichts-Situation“, was den Kainismus unsinnig macht. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass immer genug Nahrung da ist, viele Junge aber von Raubtieren gefressen werden. Auch hier macht der Kainismus keinen Sinn. Das ist bei größeren Vögeln seltener der Fall, insbesondere wenn ihr Nest für Räuber schwer zugänglich ist oder sie wie z.B. Adler wehrhaft sind. Der Kainismus verlangt also konstante Bedingungen, die dieses Verhalten über viele Generationen immer wieder sinnvoll macht, sodass Individuen mit diesem Verhalten einen tatsächlichen Konkurrenzvorteil haben und sich durchsetzen können.  Vermutlich aus derartigen Gründen tritt der Kainismus vor allem bei großen Vögeln mit 2 Jungen auf. Ein typischer Fall des Extremsituationenprinzips (siehe Art.7: Die extrem einfache Ökonomie der Murmeltiere).

Schuhschnabel

typisch: Der Schuhschnabel, großer Vogel, 2 Junge, kainistisches Verhalten.

Jedenfalls lässt sich die Situation an Hand der quantisierten Nutzenfunktion bestens diskutieren. Man kommt auf exakt dieselben Ergebnisse, die auch unter Biologen diskutiert werden bzw. tatsächlich beobachtet werden können. Mir war es möglich, mit dieser Funktion den fakultativen Kainismus (den ich damals nicht gekannt habe) vorherzusagen, was sich nach 20 Jahren bestätigt hat. Die „klassische“ Nutzenfunktion hingegen ist völlig wertlos, sie besagt dass immer geteilt werden müsste, stimmt einfach nicht, die „klassische“ Nutzenfunktion ist falsch!!

Seit mehr als 30 Jahren beobachte ich Gesellschaften und ich bin inzwischen der Überzeugung, dass die quantisierte Nutzenfunktion ein ideales Mittel ist, das Verhalten von Lebewesen und Gesellschaften (was meines Erachtens ja das Gleiche ist) einschließlich des Menschen zu analysieren und zu erklären. Sie hat auch weitreichende politische Konsequenzen und ist zu einem Grundpfeiler meiner politischen Ansichten geworden. Davon später mehr.

Freundschaft

Peter

29. Ratatuille, das Jahreszeitenproblem und die Ökonomische Quantentheorie

Ratatuille

Ratatuille,

das Jahreszeitenproblem

und

die Ökonomische Quantentheorie

Die Entscheidung dieses Buch bzw. diese Artikelserie zu schreiben ist vor 10 Jahren im Kino in Kufstein gefallen. Der Name des Filmes war Ratatuille. Eine Wanderratte setzt sich in den Kopf Koch zu werden und schafft es mit Hartnäckigkeit und Enthusiasmus. Ich liebe diesen Animationsfilm. Ich habe mir damals gedacht, wenn diese Ratte kochen kann, dann kann ich auch dieses Buch schreiben. Deswegen widme ich diesen Artikel dem Hauptdarsteller des Films einer Ratte namens Remy.

Ich fasse die letzten 3 Artikel zusammen:

Ich bin der Ansicht, dass die klassische Nutzenfunktion falsch ist.

Grafik iDie klassische Nutzenfunktion: N = Nutzen, Y = Gütermenge

Die Gründe:

  • Der Nutzen hat keine messbare Einheit.
  • Es gibt keine Nutzenobergrenze bei begrenzten Ressourcen.
  • Das „Teilen“-Problem: In Gesellschaften müsste immer geteilt werden, was nicht der Fall ist.
  • Das Antarktisproblem: Es gibt kein Existenzminimum in der Nutzenfunktion.

Die erste eigene Nutzenfunktion entstand vor über 25 Jahren indem ich das Existenzminimum einbaute:

Grafik g

Man sieht, dass hier der Nutzen 0 ist für jede Gütermenge < E (=Existenzminimum). Nutzen beginnt erst ab Gütermengen > E. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich begriffen habe, dass das Existenzminimum vom Betrachtungszeitraum T abhängt, also von dem Zeitraum, den man mit dem Existenzminimum überleben muss. Daher ist E eine Funktion von T: E = E(T). Oberhalb von E ist Y die Gütermenge, die im Betrachtungszeitraum T zur Verfügung steht, also Y(T). So ist die nächste Version entstanden:

Grafik h

Diese Funktion ändert sich mit dem Betrachtungszeitraum T. Wird er kleiner, wird auch das Existenzminimum kleiner. Unterschreitet der Betrachtungszeitraum eine bestimmte Grenze verschwindet das Existenzminimum. Beim Menschen sind das ungefähr 14 Tage, länger überlebt niemand ohne Wasser und Nahrung, darunter schon. An dieser Grenze geht die Funktion in die „klassische“ Nutzenfunktion über. Die „klassische“ Nutzenfunktion ist also ein Sonderfall meiner Nutzenfunktion. Ich nenne diese Zeituntergrenze die Existenzzeit, also die Zeit, die man ohne Güter existieren kann.

Irgendwann habe ich die Idee gehabt, man könnte doch Existenzminimum und Gütermenge durch den Betrachtungszeitraum dividieren, also E/T und Y/T. Es ergibt sich eine Güterrate, die vom Betrachtungszeitraum unabhängig ist. Ändert sich der Betrachtungszeitraum, ändert sich auch das Existenzminimum E und die Gütermenge Y. In 2 Jahren habe ich doppelt so viele Güter wie in einem und brauche doppelt so viel zum Überleben. Damit ergibt sich für jedes Lebewesen eine bestimmte konstante Kurve.

Grafik j

Der letzte Schritt auf der horizontalen Achse entstand durch das Jahreszeitenproblem. Nehmen wir ein Kalenderjahr und nehmen wir an, ein Lebewesen hat im Verlauf des Jahres genug Nahrung, um zu überleben. Das Lebewesen kann trotzdem verhungern. Wenn z.B. von Frühling bis Herbst mehr als genug fürs ganze Jahr da wäre aber im Winter 3 Monate lang nichts, dann wird man den nächsten Frühling nicht erleben. Winterschlaf, Fettreserven im Sommer anlegen, Vorräte sammeln, oder woanders überwintern wie die Zugvögel sind Strategien, um dieses Problem zu lösen. So habe ich Y/T durch Y/t ersetzt, wobei t ein langer Betrachtungszeitraum ist (z.B. ganzes Jahr) und T jeder beliebige kurze Zeitraum, vorausgesetzt er ist größer als die Existenzzeit. Bei uns kann das der Winter sein, anderswo die Trockenzeit oder anderes. Lebewesen die einen Dauerstoffwechsel haben brauchen einen stetigen kurzfristigen Güternachschub am besten immer heute. Diese Form der Nutzenfunktion enthält daher eine Gütereinheit und 2 Zeiteinheiten: N = N(Y,T,t).

Grafik k

Damit wäre das Antarktisproblem gelöst. Das Teilenproblem kann man auch damit lösen. Wie das geht, zeige ich im nächsten Artikel. Aber wie kann man aus Nutzen eine messbare Größe machen? Das wichtigste in der Natur und das gilt auch für uns Menschen ist das Überleben. Also habe ich Nutzen durch die Überlebenswahrscheinlichkeit Ps (probability of survival) ersetzt.

Grafik l

Ps ist dabei eine Funktion von t [Ps = Ps(t)], je länger der langfristige Betrachtungszeitraum umso geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit. Natürlich hängt sie auch von Y und T ab, exakt wie der Nutzen [Ps = Ps(Y,T,t)]. Man kann mit dieser Funktion sogar für einen Virus eine Nutzenfunktion aufstellen. Da Viren keinen Dauerstoffwechsel haben ist ihre Überlebenswahrscheinlichkeit güterunabhängig (die Existenzzeit ist theoretisch unendlich), es ist daher einfach eine horizontale Gerade. Man könnte in diesem Fall die Überlebenswahrscheinlichkeit im Zeitraum t leicht in eine biologische Halbwertszeit umrechnen, die man bei Viren, Sporen und Samen angeben kann. Diese Form der Funktion nenne ich die Virusform der Nutzenfunktion.

Grafik n

Damit hat die Nutzenfunktion eine messbare Größe als Einheit und auch eine klare Obergrenze. Größer als 1 kann eine Wahrscheinlichkeit nicht werden. Aber mit dieser Art von Obergrenze war ich nicht glücklich, weil die Möglichkeit sich fortzupflanzen, und die gehört zum Überleben dazu, nicht vernünftig abgebildet ist. Zudem hat diese Obergrenze nichts mehr mit begrenzten Ressourcen zu tun. Dieses Problem hat mich viele Jahre geärgert und hat schlußendlich zum Gründerexperiment geführt, einem Gedankenexperiment, dass Hauptthema eines späteren Artikels sein wird. Ersetzt man Ps durch Pr (= probability of reproduction) also der Fortpflanzungswahrscheinlichkeit, dann hat man eine vorletzte Endversion der Nutzenfunktion.

Grafik m

Ersetzt man Pr durch die Anzahl der überlebenden Nachkommen K (= Kinder), dann hat man die Endversion.

Grafik o

Das Existenzminimum ist in diesen beiden letzten Versionen die minimale Gütermenge, die benötigt wird, um einen Nachkommen ins fortpflanzungsfähige Alter zu bringen. Die letzte Nutzenfunktion hat keine Obergrenze mehr, es ist keine Wahrscheinlichkeit. Prinzipiell könnte sich ein Lebewesen unendlich vermehren. Das ist aber unrealistisch, da Konkurrenz zwischen Artgenossen herrscht und der Lebensraum begrenzt ist. Ich habe nach vielen Versuchen aufgegeben, die Begrenztheit des Lebensraumes in die Nutzenfunktion einzubauen. Die Lösung dieses Problem ist meines Erachtens das Gründerexperiment.

Etwa 15 – 20 Jahre nach der ersten Version der Nutzenfunktion habe ich begonnen nebenberuflich Physik zu studieren. Mir ist dabei eine physikalische Parallele zu meiner Nutzenfunktion aufgefallen. Eine der ersten Quellen der Quantentheorie war die Erklärung des Photoelektrischen Effektes durch Albert Einstein. Dabei handelt es sich um das Phänomen, dass elektromagnetische Wellen (wie z.B. Licht) Elektronen aus einer Substanz herausschlagen können, was als Strom gemessen werden kann.  Dies geschieht erst ab einer bestimmten Frequenz, was zur Vorstellung geführt hat, dass Licht in Portionen (Quanten) vorliegt, die umso größer sind je größer die Frequenz. Die Energie der herausgeschagenen Elektronen ist dabei umso größer, je größer die Frequenz. Trägt man die Energie der herausgeschlagenen Elektronen gegen die Fequenz des Lichtes auf, so entsteht eine Grafik, die meiner Nutzenfunktion ähnlich ist.

 

Grafik p

Beim fotoelektrischen Effekt geschieht nichts solange die Frequenz unter einer Grenze (f°) liegt, bei meiner Nutzenfunktion geschieht nichts solange die Gütermenge unter E liegt. Ich habe die Nutzenfunktion sozusagen quantisiert und nenne sie daher quantisierte Nutzenfunktion. Deswegen nenne ich meine Theorie auch die ökonomische Quantentheorie (klingt zwar großspurig, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!). Diese Quantisierung führt zu völlig anderen Vorhersagen und Erklärungen als die kontinuierliche „klassische“ Nutzenfunktion, das ist Thema der nächsten Artikel. Das Wesentliche dabei ist, dass die Quantisierung zu Grenzwerteffekten führt, die bei kontinuierlichen Größen völlig fehlen. Auch die Physiker haben die Erfahrung gemacht, dass Systeme mit quantisierten Größen sich ganz anders verhalten als Systeme mit kontinuierlichen Größen.

Zum Abschluss dieses Artikels eine erstaunliche Entdeckung. Ich habe meine Gedanken oft in Lehrbüchern wiedergefunden, was immer mit einer gewissen Enttäuschung verbunden war (Ich bin nicht der Erste!) aber auch mit Genugtuung (Ich bin nicht der Einzige!). Die quantisierte Nutzenfunktion habe ich ebenfalls gefunden aber an völlig unerwarteter Stelle, in einer Religion. Das bekannteste Gebet der Christen ist das „Vater Unser„. In diesem Gebet findet sich der Satz:

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass dieser Satz eine Gütereinheit (Brot) und 2 Zeiteinheiten (täglich, heute) hat. Brot entspricht der Gütermenge Y, tägliches Brot entspricht der Güterrate Y\t und heute ist eine Beschreibung des kurzfristigen Betrachtungszeitraumes T. Der Satz ist nichts anderes als eine religiöse Formulierung der quantisierten Nutzenfunktion. Spätestens seit dieser Erkenntnis vor 2 – 3 Jahren, habe ich das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Freundschaft

Peter