34. Das Gründerexperiment

Mit 15 bin ich zum ersten Mal über Deutschland geflogen. Der Blick aus dem Fenster hat ein Land gezeigt, dass bis zum Horizont aus Städten, Dörfern, Feldern und Nutzwäldern besteht. Mein erster Gedanke: Unglaublich, wie dicht besiedelt dieses Land ist!

 

Santa Cruz del Islote

Dieser Lebensraum ist voll.

Das Gründerexperiment

Dieses Gedankenexperiment hat eine lange Vorgeschichte. Die ersten Überlegungen gehen auf meine Studentenzeit zurück, also die Zeit, in der ich als Studentenvertreter für den VSSTÖ und die Kritische Medizin in Innsbruck tätig war. Ich habe immer wieder zum Teil mit großem Zeitaufwand daran herumgebastelt. Die letzten Änderungen sind erst in letzter Zeit also nach 30 Jahren dazugekommen.

Das Gründerexperiment mündet in das Gründergesetz, das meines Erachtens die wichtigste theoretische Grundlage sozialdemokratischer und ökologischer Politik ist, jedenfalls für mich. Die Missachtung der darin beschriebenen Zusammenhänge erklärt in hohem Maße die schwierige Situation, in der sich sozialdemokratische und grüne Parteien heute europaweit befinden. Es erklärt andererseits in einfacher Weise, warum sogenannte rechts- aber weniger häufig auch linkspopulistische Parteien momentan so erfolgreich sind, die fast 2/3 Mehrheit der katholisch-nationalistischen Parteien in Österreich ist ein Beispiel dafür.

Wie in vielen anderen Fällen auch, bin ich irgendwann draufgekommen, dass es dieses Gesetz in der Volkswirtschaft bereits gibt, allerdings an anderer Stelle, die meines Erachtens falsch ist. Davon später bzw. in einem der nächsten Artikel mehr.

Das eigentliche Problem, das mich zum Gründerexperiment geführt hat, war die Begrenztheit des Lebensraumes bzw. der Ressourcen. Mir war aus verschiedensten Tierfilmen und persönlichen Beobachtungen klar, dass das Verhalten von Lebewesen einerseits von dem Bedürfnis gelenkt wird, selbst am Leben zu bleiben und sich fortzupflanzen, andererseits von der Begrenztheit der Ressourcen eines Lebensraumes, was Überleben nur für eine begrenzte Anzahl von Lebewesen möglich macht. Ich habe in den letzten Artikeln beschrieben, wie man das Verhalten einzelner Lebewesen aber auch von Gruppen von Lebewesen mit der quantisierten Nutzenfunktion beschreiben kann. Das hat sich aus meiner Sicht als sehr erfolgreich erwiesen. Da die quantisierte Nutzenfunktion für kleine Verhältnisse, also für Einzelpersonen und kleine Gruppen, so gut geeignet ist, habe ich versucht, diese Funktion so zu verändern, dass man sie für ganze Lebensräume anwenden kann. Über viele Jahre hinweg habe ich die Funktion immer wieder abgewandelt und mich in immer wiederkehrende Widersprüche verwickelt. Gleichzeitig habe ich mich mit anderen Themen beschäftigt. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ein anderes Gedankenexperiment besser geeignet ist, Lebensräume zu beschreiben, das Gründerexperiment. Schlussendlich haben sich die beiden Denklinien wieder vereint. Davon am Ende dieses Artikels.

Ich habe lange überlegt, ob ich für dieses Experiment eine Insel oder ein Tal verwenden soll. Eigentlich ist es egal. Eine Insel ist ein abgeschlossener Lebensraum. Das macht es einfacher sich bestimmte Zusammenhänge zu überlegen, weil Einflüsse von außen nicht vorkommen. Ich habe mich aber gerade deswegen für das Tal entschieden, weil man ein abgeschlossenes Tal (z.B. durch hohe umgebende Berge) gedanklich jederzeit durch einen Pass in ein offenes System umwandeln kann. Das macht den nächsten Schritt einfacher.

Macht mit mir ein Gedankenexperiment!

Stellt euch ein Tal vor mit einem ebenen Talboden. Links und rechts steigen die Hänge des Tales langsam auf und enden in einem unüberwindbaren Gebirge. Das Tal ist abgeschlossen. Die linke und die rechte Seite des Tales sind symmetrisch. Der Talboden ist der ideale Lebensraum für das Lebewesen, das wir betrachten, Mensch Tier, Pflanze, ist eigentlich egal. Der Einfachheit halber nehme ich eine Tierart, bei der jedes einzelne Individuum oder Paar ein Revier bestimmter Größe besetzt. Da jeder Mensch eine bestimmte landwirtschaftliche Fläche benötigt, passt das auch gut zur Tierart Mensch. Die Talhänge sind weniger ideale Lebensräume, wobei die Lebensbedingungen umso schlechter sind, je höher man am Hang ist.

Tal

Tal in Island

Der Einfachheit nehme ich an, dass sich die Verhältnisse in dem Tal während des Gedankenexperimentes nicht ändern, also keine Klimaänderung und kein technischer Fortschritt.

So, jetzt nehmen wir an, dass durch irgendeinen nicht üblichen Prozess eine neue Tierart in das Tal kommt und dieses besiedelt. Wir überlegen uns jetzt einfach was passiert und wie es den Lebewesen dabei geht, genauer überlegen wir uns wie hoch die Lebensqualität der Lebewesen zu jedem Zeitpunkt der Besiedelung ist.

Der Name „Gründergesetz“ kommt vom Gründereffekt, einem Begriff aus der Genetik, den ich aus meiner Zeit als Medizinstudent kenne. Wenn eine kleine Anzahl von Menschen einen neuen Lebensraum besiedelt, kann man später bei allen Bewohnern des Lebensraumes genetische Eigenschaften der ersten Siedler, der Gründer, finden, das ist der Gründereffekt.

Gut, nehmen wir an, es kommt ein Lebewesen oder eine Person in das Tal, z.B. Robinson Crusoe. Allein wird er sich nicht vermehren können, das Tal wird nicht besiedelt, Lebensqualität null.

Nehmen wir an, es sind 2 Personen. Dann wird’s schon besser, vorausgesetzt es sind Männchen und Weibchen und richtiges Alter, sonst passiert das Gleiche. Aber danach Inzucht, nicht gut. Lebensqualität gering.

Nehmen wir an, es ist eine Gruppe. Dann sind wahrscheinlich Männchen und Weibchen darunter und es gibt eine gewisse genetische Variabilität. Die Besiedelung kann funktionieren. Lebensqualität deutlich besser.

Man sieht schon an diesem ersten Beispiel, dass hier die Lebensqualität mit der Größe der Gruppe und damit mit der Bevölkerungsdichte steigt. Dieses Problem der kleinen Zahlen kennt man auch bei Tierarten, die vor der Ausrottung stehen. Ist die Zahl der restlichen Individuen zu klein, ist der Genpool zu klein und diese Genarmut führt zu Behinderungen und erhöhter Krankheitsanfälligkeit mit dem Ergebnis, dass der Bestand gefährdet ist.

Am Anfang der Besiedelung gibt es einen Zeitraum, in dem sich Neuankömmlinge an den neuen Lebensraum anpassen müssen. Das kann durch Verhaltensänderungen oder über mehrere Generationen durch genetische Anpassung erfolgen. In dieser Zeit steigt die Lebensqualität unabhängig von der Bevölkerungsdichte, nach der Anpassung verschwindet dieser Effekt.

Bei gruppenbildenden Tierarten führt eine höhere Anzahl von Individuen zur möglichen Gruppenbildung mit Spezialisierung von Tätigkeiten und damit höherer Effektivität bei der Erfüllung verschiedenster Aufgaben. Beim Menschen ist dieser Effekt sehr ausgeprägt, einer der wichtigsten Ursachen steigender Lebensqualität durch höhere Bevölkerungsdichte.

Diese Effekte führen am Anfang der Besiedelung zu steigender Lebensqualität bei steigender Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte ist, umso schwächer werden diese Effekte, die Zunahme der Lebensqualität erfolgt daher immer langsamer.

Solange der ideale Lebensraum also der Talboden nur lückenhaft besiedelt ist, geht dieser Prozess immer weiter. Da genügend  Platz da ist, müssen sich die Nachkommen nur einen freien Platz nehmen und diesen besiedeln, alles gut.

Mit der Zeit wird der ideale Lebensraum immer voller, es wird für die Nachkommen immer schwieriger einen freien Platz zu finden. Das ist der Moment, wo die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte zum Tragen kommen. Es entsteht Konkurrenz um Lebensraum, der immer knapper wird. Das gilt in identischer Art und Weise auch für andere knappe Ressourcen, der Einfachheit halber nehme ich nur den Lebensraum. Es gibt einen Punkt an dem die negativen Auswirkungen zunehmender Bevölkerungsdichte die positiven Effekte übersteigen. Ab diesem Moment nimmt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte nicht mehr zu sondern ab. Da die Lebensqualität bis zu diesem Punkt mit der Bevölkerungsdichte gestiegen ist, herrscht hier maximale Lebensqualität. Aus diesen Gründen nenne ich diesen Punkt die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Wichtig!:

Die ideale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand in dem der ideale Lebensraum also der Talboden noch nicht vollständig besetzt ist!

Vermehrt sich die Tierart oder das Lebewesen, das wir betrachten, weiter, dann ist der ideale Lebensraum irgendwann voll. Wenn zusätzliche Lebewesen auf die Welt kommen, dann muss jemand auf den Hang ausweichen, aber wer? Antwort ganz einfach, der Schwächere. Das lässt sich durch zahllose Beobachtungen aus dem Tierreich aber auch aus der menschlichen Gesellschaft belegen. Das ist ein Effekt, den ich lange übersehen habe. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass lediglich die durchschnittliche Lebensqualität sinkt und dass alle gleichmäßig betroffen sind. Für die Starken ist das aber nicht das große Problem, solange sie sich im idealen Lebensraum behaupten können. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft sogar den Effekt, dass Stärkere von Bevölkerungswachstum profitieren, während sozial Schwächere Schaden nehmen. Derartige Effekte sind gerade für die Sozialdemokratie besonders wichtig. Davon weiter unten mehr.

Besiedelung

Mexiko Stadt von oben, das Tal ist voll, die Stadt weicht auf die Hänge aus.

Bei weiterem Bevölkerungswachstum werden die Schwächsten immer mehr an den Rand des Hanges gedrängt, die Konkurrenz um Lebensraum wird immer härter, die Lebensbedingungen für die Schwächsten werden immer schlechter, und beide Effekte führen zu ständig sinkender durchschnittlicher Lebensqualität. Sind auch die Hänge vollständig besetzt, dann ist der gesamte Lebensraum voll, dieser Zustand ist die maximale Bevölkerungsdichte. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, müssen die Überzähligen verhungern, da sie keinen Lebensraum mehr finden.

All diese Phänomene lassen sich in der Natur und beim Menschen beobachten, eines von unzähligen Beispielen, Biber. Jungtiere müssen das elterliche Revier verlassen, wenn sie erwachsen werden. Sie müssen einen freien Lebensraum und einen Geschlechtspartner finden, klappt das nicht, sterben sie oder sie können sich nicht fortpflanzen.

Schauen wir uns das in einer Grafik an.

Gründer

Bei niedriger Bevölkerungsdichte ist die Lebensqualität gering, steigt dann aber schnell an, um dann langsamer zu werden und einen Maximalwert zu erreichen, die ideale oder kritische Bevölkerungsdichte. Anschließend sinkt sie wieder. Die Grafik erreicht dann einen Punkt, an dem der Lebensraum voll ist, die maximale Bevölkerungsdichte. Die maximale Bevölkerungsdichte ist ein Zustand, in dem die Schwächsten gerade genug zum Überleben haben, sie leben am Existenzminimum. Steigt die Bevölkerungsdichte weiter, so wird ein Zustand erreicht, der nur vorrübergehend existieren kann, da die Schwächsten keine Lebensgrundlage mehr haben und daher sterben müssen. Dieser Zustand ist theoretisch so interessant, dass ich ihm einen eigenen Artikel widmen werde und zwar den nächsten.

Liegt die Bevölkerungsdichte unter der idealen Bevölkerungsdichte, so bezeichne ich einen Lebensraum als dünn besiedelt. Dünn besiedelt bedeutet, dass die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte steigt.

Oberhalb der idealen Bevölkerungsdichte nenne ich einen Lebensraum dicht besiedelt. Dicht besiedelt bedeutet, dass die durchschnittliche Lebensqualität mit Zunahme der Bevölkerungsdichte also mit Bevölkerungswachstum abnimmt.

Ist ein Lebensraum so dicht besiedelt, dass große Teile der Bevölkerung in Armut also in der Nähe des Existenzminimums leben müssen, nenne ich das relative Überbevölkerung. Die relative Überbevölkerung liegt auf der Grafik knapp unterhalb der max. Bevölkerungsdichte. Oberhalb der maximalen Bevölkerungsdichte nenne ich den Zustand absolute Überbevölkerung.

Der Doppelname ideale oder kritische Bevölkerungsdichte hat einen Hintergrund. Die Lebensqualität kann abhängig von der Bevölkerungsdichte ein Plateau bilden, in diesem Fall ist die ideale Bevölkerungsdichte keine Punkt sondern ein Bereich. Die kritische Bevölkerungsdichte ist dann der Punkt, wo das Plateau oder der Bereich endet. Das ist aus einem einfachen Grund wichtig. Ab diesem Punkt sinkt die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte, was eine Verhaltensänderung der Lebewesen zur Folge hat. Ab hier wird Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung oder Vermehrung  als Belastung empfunden, was zunehmend ablehnendes oder aggressives Verhalten zur Folge hat.

Es kann auch 2 kritische Bevölkerungsdichten geben. Stellt euch vor, es gibt in dem Tal neben dem Talboden ein Hochplateau, dann gibt es auch bei der Lebensqualität 2 Plateaus mit 2 Punkten ab denen die Lebensqualität mit zunehmender Bevölkerungsdichte sinkt.

Je nach Größe und Beschaffenheit des Tales können viele oder wenige Individuen im Tal leben. Entscheidend ist daher nicht die Einwohnerzahl oder die Bevölkerungsdichte sondern das Verhältnis aus Einwohnern zu den im Tal zur Verfügung stehenden Ressourcen, dieses Verhältnis nenne ich die relative Bevölkerungsdichte, das ist der wichtigste Parameter.

Die Grafik und der darin geschilderte Zusammenhang ist das Gründergesetz. Es ist so allgemein formuliert, dass man es auf alle Lebewesen in allen Lebensräumen anwenden kann. Ein unerwartetes Beispiel:

Wie kann man die Lebensqualität von Bakterien messen. Bakterien haben kein Nervensystem, von glücklich sein kann man bei Bakterien nicht reden. Wenn es Bakterien gut geht machen sie immer dasselbe, sie vermehren sich und zwar exponentiell. Betrachten wir einen Bioreaktor in dem sich Bakterien vermehren, es wird pro Zeit immer dieselbe Menge Nährstoffe zugeführt und dieselbe Menge Abfallprodukte abgeführt. Schaut man sich das Bakterienwachstum in so einem Bioreaktor an, ergibt sich folgende Kurve.

Bakterien

Bakterienwachstum in einem abgeschlossenen Lebensraum

Die lag-Phase ist die Anpassungsphase, da ist das Wachstum noch nicht exponentiell. Danach vermehrt sich das Bakterium exponentiell (exponentielle Phase), diese Phase entspricht der idealen Bevölkerungsdichte, der Bioreaktor ist noch nicht voll. Das exponentielle Wachstum endet an der kritischen Bevölkerungsdichte, hier wird die Nahrung knapp, Abfallprodukte häufen sich an, das Wachstum wird gebremst. Ab hier ist der Bioreaktor dicht besiedelt. Das Bakterienwachstum nimmt nun mit zunehmender Bevölkerungsdichte weiter ab und sinkt auf null, die Bevölkerungsdichte erreicht hier ihren Höchstwert (stationäre Phase), die maximale Bevölkerungsdichte. Die einzelnen Phasen entsprechen denen des Gründergesetzes, nur dass hier der zeitliche Ablauf dargestellt ist. Ich habe diesen Versuch hunderte Male beobachtet und zwar bei Aquarienfischen (siehe dazu Art.7: Herr Eva und Frau Adam oder Was den Menschen vom Buntbarsch unterscheidet). Exakt derselbe Ablauf, das Gründergesetz ist meines Erachtens universell.

So, jetzt stellen wir uns vor, dass sich das Klima ändert, und zwar im Sinne einer Verschlechterung. Die maximale Bevölkerungsdichte sinkt, da die Menge an Ressourcen geringer geworden ist und daher nicht mehr so viele Lebewesen im Tal leben können. Auch bei gleich bleibender Einwohnerzahl bedeutet dies ein Ansteigen der relativen Bevölkerungsdichte. Je höher die Bevölkerungsdichte vorher war, umso wahrscheinlicher ist hinterher der Zustand der relativen oder absoluten Überbevölkerung, einem Zustand, der für viele absolut unerfreulich ist, insbesondere für die sozial Schwachen, die als erstes auf der Strecke bleiben. D.h.:

In einem dicht besiedelten Land ist die soziale Sicherheit umso niedriger, je höher die Bevölkerungsdichte!

Diese Situation hat sich in der Geschichte der Menschheit immer wieder ereignet. Klimaänderungen waren die Ursache der französischen Revolution, der Völkerwanderung oder auch des 30igjährigen Krieges. Vor der französischen Revolution hat es beispielsweise einen Vulkanausbruch mit anschließender Kälteperiode gegeben. Die Folge war eine Hungersnot also ein Zustand absoluter Überbevölkerung. Gehungert haben dabei nicht die Adeligen sondern die Armen und die Landbevölkerung, also die Schwächeren, exakt wie im Gründerexperiment beschrieben. Der Spruch der französischen Königin Marie Antoinette: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen“, ist zynisches Paradebeispiel für diesen Unterschied.

Jetzt machen wir aus dem abgeschlossenen System ein offenes, wir lassen Zuwanderung zu. Wenn von außen zusätzliche Individuen zuwandern, so ist das bei dünner Besiedelung kein Problem, es kann sogar positiv sein. In einem dicht besiedelten Land führt dies allerdings zu sinkender durchschnittlicher  Lebensqualität, wobei die (sozial) Schwachen davon am stärksten betroffen sind. Also:

In einem dicht besiedelten Land führt eine Erhöhung der relativen Bevölkerungsdichte durch Vermehrung, Zuwanderung und/oder eine Verschlechterung der Lebensbedingungen (z.B. durch Klimaänderung) zu sinkender durchschnittlicher Lebensqualität, wobei die sozial Schwachen am stärksten betroffen sind!

Man kann dichte Besiedelung übrigens messen (dazu Art. 10: Eins, Zwei , Viele oder Wie misst man die Bevölkerungsdichte).

Betrachten wir nun das Ganze politisch oder grün bzw. sozialdemokratisch. Eine sozialdemokratische Partei will für die Bevölkerung Wohlstand und soziale Sicherheit und zwar auch für die sozial Schwachen. Eine sozialdemokratische Partei muss daher größtes Interesse daran haben, die Bevölkerungsdichte im idealen Bereich zu halten. Bei den Grünen kommt noch hinzu, dass jeder Mensch Platz braucht, den er der Natur wegnimmt.

Bevölkerungswachstum führt zu Naturzerstörung!

Für die Grünen sollte daher die niedrigste Bevölkerungsdichte im idealen Bereich das Ziel sein.

In einem dicht besiedelten Land ergeben sich daraus 2 bevölkerungspolitische Grundsätze:

  1. Kein Bevölkerungswachstum durch Einwanderung.
  2. Freigabe aller Verhütungsmittel ohne Behinderung durch moralische, finanzielle, organisatorische oder wissensbedingte Barrieren.

Ziel: Bevölkerungswachstum verhindern, um Wohlstand und soziale Sicherheit auch für sozial Schwache  zu sichern und die Natur zu schützen.

Grundsatz:

In einem Staat mit begrenzten Ressourcen kann nur eine begrenzte Anzahl von Menschen in Wohlstand und sozialer Sicherheit leben!

Verrückterweise machen Sozialdemokraten und Grüne momentan genau das Gegenteil. „Bevölkerungswachstum durch Masseneinwanderung“ scheint das Motto zu sein. Dass diese Politik für die sozial Schwachen und die Natur im eigenen Land den größtmöglichen Schaden bedeutet, blendet man einfach aus. Man will es nicht sehen. Leute, die darauf hinweisen, werden sogar noch verbal attackiert und als unmoralisch dargestellt. In Österreich hat das dazu geführt, dass praktisch die gesamte Arbeiterschaft, die im Wirtschaftsgefüge das schwächste Glied darstellt, das Lager gewechselt hat und heute geschlossen FPÖ wählt, also eine Partei mit wirtschaftsliberaler d.h. einseitig unternehmerfreundlicher Grundeinstellung. In Deutschland wandern viele zur AFD. Verkehrte Welt! Da die SPÖ und die SPD mit ihrer Politik den Vertretungsanspruch für diese Bevölkerungsgruppe praktisch aufgegeben haben, wenden sich diese Leute denen zu, von denen sie sich besser geschützt fühlen. Und es ist ihnen nicht zu verdenken. Wenn ein (seit ein paar Tagen ehemaliger) Parteiobmann der SPD also ein sozialdemokratischer Politiker in einem dicht besiedelten Land für die Aufnahme von Einwanderern ohne Obergrenze eintritt, dann spricht es eigentlich sogar für die Intelligenz der Arbeiter, wenn sie zur AFD wechseln. Die Grünen sind kein bisschen besser. Dass in Deutschland vor allem die Sozis, in Österreich hingegen die Grünen Stimmen verlieren, hängt mit den Personen zusammen, es könnte auch umgekehrt sein. Der sogenannte Rechtsruck ist selbst verschuldet.

Meines Erachtens widerspricht die Politik der deutschen und österreichischen Grünen und Sozialdemokraten jeglicher bevölkerungspolitischer Vernunft. Beiden Parteien fällt dabei auf den Kopf, dass sie praktisch kein bevölkerungspolitisches Konzept besitzen. Die Sozialdemokraten glauben, dass man jedes Problem durch einen Betonblock lösen kann, bei den Grünen ist Jutesack stricken das Patentrezept (Ich werde jetzt langsam zynisch!). Als ökosozialer Demokrat kann ich über meine beiden Parteien nur noch den Kopf schütteln.

Apropos Betonblock. Technischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum haben den entgegengesetzten Effekt wie eine Klimaverschlechterung, d.h. im Lebensraum oder im Tal können mehr Lebewesen überleben. Das Problem: Das Tal wird dadurch nicht größer, die Ressourcen können nicht bis ins Unendliche gesteigert werden. Eigentlich werden die Ressourcen nur besser genutzt, d.h. der Wirkungsgrad steigt. Der ist aber mit 1 nach oben begrenzt, wie jeder Wirkungsgrad. Das bevölkerungspolitische Problem wird daher nicht gelöst sondern lediglich in die Zukunft verschoben.

Wie bereits erwähnt, ist Bevölkerungswachstum für Starke und Schwache nicht in gleicher Weise ein Problem, es kann sogar für die einen gut für die anderen schlecht sein. Für die Schwachen bedeutet es mehr Konkurrenz, der man nicht gewachsen ist, für die Stärkeren kann es z.B. zusätzliche Geschlechtspartner bedeuten was über die genetische Vielfalt die Überlebenschancen der Nachkommen verbessert.

In der menschlichen Gesellschaft kommt noch ein arbeitsteiliger Effekt dazu. Zuwanderung bedeutet für die Arbeitnehmer mehr Konkurrenz, für die Arbeitgeber hingegen mehr Angebot am Arbeitsmarkt, wodurch man leichter Personal bekommt bzw. Löhne und Sozialleistungen drücken kann. Sie profitieren, zumindest vorübergehend. Des einen Freud des anderen Leid.

Kurz zusammengefasst:

Bevölkerungswachstum führt in einem dicht besiedelten Land zu Naturzerstörung und sinkender durchschnittlicher Lebensqualität insbesondere der sozial Schwachen!

So lange man für dieses Problem kein vernünftiges Konzept hat, sind die Grünen und die Sozialdemokraten für mich nicht regierungsfähig. Wie so ein Konzept ausschauen könnte, habe ich in Artikel 1 geschildert (Grundprinzipien grüner und sozialdemokratischer Bevölkerungspolitik).

Zum Abschluss noch ein Hinweis. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Gründergesetz und quantisierter Nutzenfunktion.

Grafik h

Quantisierte Nutzenfunktion:

N = Nutzen, Y(T) = Gütermenge im Betrachtungszeitraum T, E(T) = Existenzminimum im Betrachtungszeitraum T

Wenn man die gesamte Gütermenge eines Lebensraumes im Betrachtungszeitraum T, Yg(T) (g für gesamt) durch das Existenzminimum E(T) dividiert, erhält man die maximale Bevölkerungszahl, dividiert durch die Fläche des Lebensraumes bekommt man die maximale Bevölkerungsdichte. Die relative Bevölkerungsdichte ist nichts anderes als die tatsächliche Bevölkerungsdichte (oder -zahl) dividiert durch die maximale Bevölkerungsdichte (oder -zahl). Man kann sie in Prozent angeben. Wenn die maximale Bevölkerungszahl Österreichs grob geschätzt 15 Mill Einwohner beträgt, dann hätten wir mit derzeit 8,82 Mill Einwohnern eine relative Bevölkerungsdichte von 8,82/15 * 100 = ca. 59 %. So hängen die beiden Gesetze zusammen, verblüffend einfach, wenn ich bedenke, wie lange ich da herumgetüftelt habe.

Freundschaft

Peter

 

 

 

 

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Autor: mittiweb

Baujahr 1966, männlich, SPÖ für viele Jahre, vorher VSSTÖ und Kritische Medizin, Dr.med, Facharzt Radiologie (Studium Innsbruck), Bachelor of Sience (Studium der Naturwissenschaften Open University GB), Studium der Politikwissenschaften (Fächerbündel mit Zeitgeschichte und Volkswirtschaft, nicht abgeschlossen), Erweiterter Landesparteivorstand SPÖ VLBG seit 2016 (auf Einladung), am 19.9.2018 aus der SPÖ ausgetreten. E-Mail: peter.mittelberger@hotmail.com Tel.: 0043 699 10196868 6914 Hohenweiler Austria

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