41. Die Philosophie des Lebens

Domino

Die Philosophie des Lebens

Ich habe mich in den letzten beiden Artikeln mit Wissen und Unwissen beschäftigt, mit Naturgesetzen und Religion.

In was für einer Welt wir leben, können wir nicht genau bestimmen. Unser Bild von der Realität ist eine Hypothese, deren Richtigkeit wir nicht beweisen können. Was außerhalb dieses Vermutungswissen liegt, wissen wir nicht. Es ist völlig unklar (3.Grundprinzip der Unwissenheit). Für die Naturgesetze gibt es zahlreiche Indizien und Hinweise, für die Religion fehlen diese völlig.

Aus den genannten Gründen bin ich Agnostiker, was heißt, ich bin nicht gläubig und gebe zu, dass ich nicht alles weiß.

Aber wie lebt man als Agnostiker? Ist einem da alles egal, ist alles beliebig? Woran kann man sich halten? Wo ist der Sinn? Nach welcher Moral soll man leben?

Religiöse Menschen haben es da einfach. Die bekommen eine Moral vorgesetzt so ähnlich wie eine Fertigpizza. Ein einfaches Weltbild, das alles erklärt, und eine einfache Lebensanleitung so wie eine Bedienungsanleitung für ein Handy (Es sei denn, das Handy kommt aus China, und die Bedienungsanleitung ist schlecht übersetzt). Nachdenken meist nicht notwendig oder sogar unerwünscht, man muss einfach nur glauben oder noch besser vertrauen und alles ist gut.

Was ist eigentlich Sinn? Was bedeutet dieses Wort? Einen Sinn macht z.B. ein Hammer, mit dem kann man Nägel in die Wand schlagen. Auch Zahnbürsten (die schon wieder!) sind sinnvoll, da kann man blendend lächeln. Auch Flugzeuge, Brillen, Kanaldeckel und Navis sind nützliche Geräte, die man sinnvoll einsetzen kann. All diesen sinnvollen Dingen ist gemeinsam, dass sie einen Zweck erfüllen. Sinn macht also etwas, was einen Zweck erfüllt. Will ich das? Will ich nur dazu da sein um irgendeinen Zweck zu erfüllen, für irgendetwas oder irgendjemanden? Eigentlich Nein! Irgendwann habe ich beschlossen ein sinnloses Leben führen zu wollen. Wenn schon, dann will ich keinen Sinn haben sondern ich will selbst der Sinn sein.

Aber was bin ich und was soll ich dabei tun? Mir ist eine Antwort eingefallen. Ich bin ein Lebewesen. Ich lebe, so schaut´s jedenfalls aus, in einer materiellen Welt, die aus Raum, Zeit und Energie bzw. Materie besteht und diese Bestandteile stehen über Naturgesetze miteinander in Verbindung. Und diese Zutaten führen zu einem Phänomen namens Leben, das wieder aus Lebewesen besteht, und so eins bin ich. D.h. leben ist eigentlich das einzige, was ich kann. Also warum tue ich nicht einfach das, was ich kann, leben?

Mit dem Begriff Leben habe ich mich schon beschäftigt. Wer sich dafür interessiert, es sind die beiden Artikel: 4. (Es ist alles erlaubt oder Die 3 bis 4 Grundprinzipien des Lebens) und 13. („Was ist ein Lebewesen?“  oder  „Das Leichenexperiment“). Kurz beschrieben muss man sich Leben wie eine Kettenreaktion aus Dominosteinen vorstellen. Man kriegt ein Kind, das kriegt wieder Kinder und die kriegen wieder Kinder usw., wie Dominosteine, die sich gegenseitig umwerfen.  Das betrifft aber nicht nur die eigenen Kinder sondern eigentlich alles, was wir schaffen und weitergeben. Die Ideen, die ich hier niederschreibe werden vielleicht von jemandem gelesen, dessen Leben sich dadurch verändert oder der diese Ideen wieder weitergibt, vielleicht ergänzt er das Ganze und entwickelt es weiter. Das gilt für jede Art von Wissen oder Fähigkeit, eigentlich für unsere gesamte Kultur. All diese Informationen verhalten sich wie Lebewesen, die sich vermehren und entwickeln. Man kann aber auch anderen beim Leben helfen, sie z.B. heilen, unterrichten oder verkuppeln, was wieder mit Kindern endet. Jede Art von Handlung, die in irgendeiner Art und Weise Informationen schafft, erhält oder fördert, beeinflusst die Abläufe und setzt sich wie eine Kettenreaktion in die Zukunft fort. Man kann aber auch Leben zerstören oder es behindern und dadurch die fallenden Dominosteine unterbinden.

Domino 2

So ist die Philosophie des Lebens entstanden, die aus 3 Grundsätzen besteht:

  1. Ich bin ein Lebewesen
  2. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.
  3. Alles, was dem Leben nützt ist gut, alles was dem Leben schadet ist böse.

Ich habe den 2.Satz im Internet gesucht und bin draufgekommen, dass der Satz alles andere als neu ist, ich bin schon wieder nicht der Erste! Er wird z.B. einem Schriftsteller zugeordnet, der im deutschen Sprachgebrauch relativ bekannt ist: Johann Wolfgang von Goethe. Da bin ich wenigstens in guter Gesellschaft.

Goethe

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Die 3 Sätze stehen für Existenz, Sinn und Moral. Sie beantworten die Fragen: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? und: Nach welcher Moral soll ich leben?

Satz 1 Ist das Existenzprinzip. Es besagt, wie oben beschrieben, dass die existierende Welt, in der ich lebe, eine materielle Welt ist, die von Naturgesetzen bestimmt wird. Leben ist ein Prozess, der diesen Naturgesetzen unterliegt und ich bin als Lebewesen ein Teil dieses Prozesses.

Satz 2 ist das Sinnprinzip. Da ich ein Lebewesen bin, ist Leben zu fördern, schaffen, unterstützen, heilen, schützen, weiterentwickeln und zu erfinden, das wofür uns die Natur geschaffen oder entstehen lassen hat. Es ist daher das Leben selbst, das den Sinn ausmacht. Wer Leben schafft, führt ein sinnvolles Leben, wer Leben zerstört, lebt sinnentleert.

Satz 3 ist das Moralprinzip. Gut ist daher jede Handlungsweise, die Leben fördert, schlecht oder böse, ist alles, was dem Leben schadet. Die Moral des Menschen sollte daher meines Erachtens auf den Schutz und das Fördern allen Lebens ausgerichtet sein.

Der 2. Und 3.Grundsatz sind sehr allgemein formuliert und auch besonders schwierig. Was dem Leben nützt, kann Ansichtssache sein. Welche Ansicht richtig ist, kann man oft nur ausprobieren. Schlussendlich setzt sich das Bessere durch. Oft hat man auch nur begrenzte Ressourcen und kann nicht alles Leben schützen, dann muss man sich entscheiden. Das kann im Einzelfall sehr schwierig sein.

Ich kann die Richtigkeit dieser Philosophie nicht beweisen. Aber es gibt für ihre Richtigkeit Indizien, die Natur und ihre Gesetze liefern zahlreiche Hinweise. Ich muss mir also nichts einbilden, sondern kann mich auf tatsächliche Beobachtungen berufen.

Die Philosophie des Lebens liefert auch kein Kochrezept, wie eine Religion. Darüber nachdenken, was richtig ist, müsst ihr schon selber. Was ihr daraus macht, solltet ihr sie für richtig halten, ist eure Sache. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und jeder hat das, was er tut, selbst vor sich und der Natur zu verantworten.

Freundschaft

Peter

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Autor: mittiweb

Baujahr 1966, männlich, SPÖ seit langem, vorher VSSTÖ und Kritische Medizin, Dr.med, Facharzt Radiologie (Studium Innsbruck), Bachelor of Sience (Studium der Naturwissenschaften Open University GB), Studium der Politikwissenschaften (Fächerbündel mit Zeitgeschichte und Volkswirtschaft, nicht abgeschlossen), Erweiterter Landesparteivorstand SPÖ VLBG seit 2016 (auf Einladung).

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