55. Der politische Kreis oder das Wesen des Faschisten

Der politische Kreis

oder

das Wesen des Faschisten

 

Ich habe während meines Politikwissenschaftsstudiums ein Praktikum belegt, in dem ich mich mit dem Begriff des Faschismus beschäftigt habe. Da ich österreichischer Maturant war, habe ich in meiner allumfassenden Ahnungslosigkeit nicht gewusst, was das bedeutet.

Entstanden ist das Wort aus dem lateinischen „Fasces“ einem Rutenbündel mit Beil, das Zeichen der höchsten römischen Machthaber war. Neben verschiedenen anderen Gruppierungen haben auch die italienischen Faschisten die Fasces als ihr Symbol verwendet wodurch der Begriff des Faschismus entstanden ist.

Es gibt 2 Deutungen des Wortes. Links der politischen Mitte wird der Begriff als Bezeichnung für rechte autoritäre (also undemokratische) Staatsformen bzw. Grundeinstellungen verwendet. Die 2. Deutung bezeichnet jede undemokratische autoritäre Gesinnung als faschistisch unabhängig von der politischen Grundeinstellung wodurch sich die Begriffe Rechtsfaschismus und Linksfaschismus erklären als Kombination von rechten bzw. linken Grundeinstellungen mit einem autoritären Staatsverständnis.

Da ich jede Art autoritären Denkens verachte, war mir die 2. Interpretation von Anfang an sympathischer. Ich bin heute überzeugter Antifaschist, wobei ich alle Arten autoritären Denkens gleichermaßen ablehne, egal ob links, rechts, religiös, militärisch etc.

Ganz egal, um welche Grundeinstellung es sich handelt, wenn Menschen radikal und fanatisch werden, dann werden ihre politischen Methoden und Denkweisen immer ähnlicher. Dazu passen auch meine persönlichen Beobachtungen aus der Studentenzeit. Spätestens wie sich Teile des VSSTÖ und des RFS des nächtens verbrüdert haben, um gemeinsam die Wahlplakate der AG herunterzureißen, habe ich mir gedacht: Eigentlich seid ihr alle gleich, nur die Farbe ist anders. Die AG ist übrigens auch kein bisschen besser. Da gäbe es auch ein paar Geschichten.

(VSSTÖ: Verband sozialistischer Studenten, RFS: Ring freiheitlicher Studenten, AG: ÖVP nahe Aktionsgemeinschaft)

Auch die Methoden in linken und rechten Diktaturen sind weitgehend identisch, Folter, politische Gefängnisse, Vertreibung und Mord gibt es überall. Der Unterschied ist nur, dass einmal die einen, das andere Mal die anderen im Gefängnis sitzen. Ich als überzeugter Demokrat wäre überall politisch Verfolgter, jedenfalls, wenn ich nicht die Klappe halten könnte, was mir zugegebenermaßen sehr schwer fällt.

Oft kann man bei Diktaturen nicht mehr genau sagen, ob sie links oder rechts sind, weil auch die politischen Programme immer ähnlicher werden.

Der Klassiker waren die Nationalsozialisten. Das Wort selbst ist schon eine rechts links Kombination. Schaut man sich deren Programm an, merkt man, dass es eine Art völkischer Sozialismus war. Ein Beispiel sind die Uniformen der Hitlerjugend, die Klassenunterschiede unkenntlich machen sollten, eigentlich typisch sozialistisch.

So bin ich in meiner Studentenzeit auf die Idee gekommen, das übliche rechts links Schema in einen Kreis umzuwandeln, indem man den linken und den rechten Rand nach oben biegt und zusammenführt. Dadurch entsteht ein Kreis mit oben Faschismus (Diktatur) und unten Demokratie (Menschenrechte) und einer linken und einer rechten Seite. Je linker die Linken und je rechter die Rechten umso ähnlicher werden sie bzw. umso näher rücken sie zusammen, jedenfalls, was ihre politischen Methoden angeht.

Gerade

Das typische politische links rechts Schema

Die Pfeile symbolisieren das Zusammenbiegen der politische Ränder.

 

Kreis

Der politische Kreis

 

Menschen, die faschistoid denken und handeln, sind ähnlich bzw. haben ähnliche Charaktereigenschaften und zwar unabhängig von der jeweiligen politischen Richtung. So jedenfalls meine Beobachtung. Es gibt für Faschisten daher bestimmte typische Verhaltensweisen.

Fanatischer Idealismus: Faschisten habe Ideale und setzen sich für diese Ideale bedingungslos ein. Sie sind von der Richtigkeit dieser Ideale absolut überzeugt.

Fehlende Fähigkeit zur Selbsreflexion: Faschisten sind nicht dazu im Stande, die eigenen Ideale zu hinterfragen. Die Richtigkeit der eigenen Ideale ist unanzweifelbar. Oft sind es genau die Leute, denen das Wort Faschismus am leichtesten über die Lippen kommt, die selbst faschistoide Charakterzüge aufweisen.

Kritikunfähigkeit: Da die eigenen Ideale absolut richtig sind, wird jede Art von Kritik als Verrat interpretiert.

Antipluralismus: Da es nur eine „richtige“ Politik gibt, werden unterschiedliche Positionen innerhalb einer Gesellschaft oder Partei strikt abgelehnt.

Autoritäre Grundeinstellung: Über eine unanzweifelbar richtige Politik muss nicht abgestimmt werden. Wenn nicht die „richtige“ Politik herauskommt, kann ja nur eine „objektiv“ falsche Politik herauskommen. Faschisten neigen daher dazu, anderen Menschen ihre „richtige“ Politik aufzuzwingen.

Feindbilddenken: Faschisten haben klare Feindbilder und definieren sich oft über Feindbilder. Man erkennt Faschisten daher am besten daran, dass sie nicht Politik für etwas machen, sondern gegen andere Menschen.

Fehlende Empathie Andersdenkenden gegenüber: Mitleid, Hilfsbereitschaft oder Fairness  Andersdenkenden gegenüber existiert nicht. Der politische Gegner wird entmenschlicht. Dem politischen Gegner wird daher auch nicht gestattet, sich im Falle eines Fehlers zu entschuldigen oder zu rehabilitieren. Fehler werden als Vorwand genutzt, politische Gegner zu vernichten oder zumindest mundtot zu machen.

Aggressives Gut-Böse Schema: Wenn man das Gute will, muss man zuerst das Böse vernichten, dann bleibt das Gute übrig. Faschisten sind dazu bereit, politisch Andersdenkenden persönlichen Schaden zuzufügen. Sie idealisieren den Kampf gegen das vermeintlich Böse oft sogar. Den Bösen zu vernichten ist eine Heldentat.

Moralische Alibis: Um sich in der Öffentlichkeit gut darzustellen werden „gute Dinge“ oder Moral oft als Vorwand genutzt, um sich ein Alibi zu geben, anderen Menschen Schaden zuzufügen.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass die typisch faschistischen Charaktereigenschaften nichts mit links oder rechts zu tun haben. Faschismus kann daher in jeder Partei oder Lebensphilosophie vorkommen. Das typische am Faschisten ist nicht was er vertritt, sondern wie er es macht bzw. welche Methoden er dafür verwendet.

Faschismus ist bei einzelnen Menschen daher nicht eine politische Grundeinstellung, sondern eher eine Charaktereigenschaft.

Betrachtet man die demokratischen Parteien unter diesen Gesichtspunkten, wird man feststellen, dass es in allen demokratischen Parteien Menschen aber auch Strömungen oder Gruppierungen mit faschistoiden Charakterzügen gibt. Oft aber nicht immer sind es die radikalen Ränder einer Partei, auf die das zutrifft.

Die nächsten Artikel werden Beispiele dafür bringen.

Freundschaft

Peter

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Autor: mittiweb

Baujahr 1966, männlich, SPÖ für viele Jahre, vorher VSSTÖ und Kritische Medizin, Dr.med, Facharzt Radiologie (Studium Innsbruck), Bachelor of Sience (Studium der Naturwissenschaften Open University GB), Studium der Politikwissenschaften (Fächerbündel mit Zeitgeschichte und Volkswirtschaft, nicht abgeschlossen), Erweiterter Landesparteivorstand SPÖ VLBG seit 2016 (auf Einladung), am 19.9.2018 aus der SPÖ ausgetreten. E-Mail: peter.mittelberger@hotmail.com Tel.: 0043 699 10196868 6914 Hohenweiler Austria

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